In einer alten Esche im Olympiapark hängt seit Jahrzehnten ein kleines Marterl

Wie kommt der Engel in den Baum?

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In dieser Esche am Willi-Gebhard-Ufer versteckt sich der kleine Bildstock mit dem goldenen Engel.

München - Sanft lächelt der goldene Engel aus seinem Versteck hervor, die Flügel weit ausgebreitet. Jeden Tag gehen unzählige Menschen an der alten Esche im Olympiapark vorbei. Doch nur wenige kennen ihr süßes Geheimnis.

Mitten im knorrigen Baumstamm versteckt sich ein kleines Marterl mit einem Engel. Und keiner weiß, wer es aufgestellt hat!

Von weitem ist der Engel kaum zu erkennen – auch die tz hat das Marterl nur per Zufall entdeckt

Auch Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler erfuhr erst durch die tz davon: „Ein Engel im Baum? Davon höre ich zum ersten Mal. Ich frag mal bei unseren Gärtnern nach.“ Und siehe da: Die kennen den Bildstock in der 26 Meter hohen Esche am Willi-Gebhard-Ufer tatsächlich! Doch leider wissen auch sie nicht, wer ihn aufgestellt hat. Tobias Kohler: „Angeblich hängt der Engel schon seit Anfang der 1990er-Jahre in dem Baum. Er sieht ja wirklich sehr lieb aus!“

Auf Nachfrage der tz bei der Stadt München erklärt Sprecher Christan Frohnwieser: „Bei uns im Haus weiß keiner was davon. Vielleicht kann das Baureferat weiterhelfen.“ Doch Fehlanzeige: Auch hier hat noch niemand von dem Engel gehört. „Bei dem Baum handelt es sich nicht um ein von uns betreutes Objekt. Der Bildstock muss privat aufgestellt worden sein“, sagt Sprecher Jürgen Marek. Aber er verspricht: „Aber solange er keinen stört, werden wir ihn selbstverständlich hängenlassen.“

Manfred Heim, Professor für Bayerische Kirchengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität, erklärt: „Im Christentum sind solche Bildstöcke eine spezielle Form der Heiligenverehrung. Sie stehen in Kirchen oder in der Natur und können sowohl Freud als auch Leid ausdrücken.“ Im vorliegenden Fall tippt der Experte auf Letzteres: „Der sanfte Engel, die Geige: Dieses Marterl scheint ein Ausdruck tiefer Dankbarkeit an Gott zu sein. Vielleicht hat jemand unter diesem Baum seinen ersten Kuss bekommen!“

Christina Schmelzer

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