Ludwig Vogl feiert Geburtstag

Der Erfinder der tz wird 90

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Ludwig Vogl heute: Der Mann, der die Idee hatte, die tz zu gründen, feiert still im Kreise seiner Familie

München - In eigener Sache: Am heutigen Dienstag haben wir die besondere Ehre, einem Gründervater der tz zu gratulieren. Eigentlich ja dem Gründervater unserer Zeitung: Ludwig Vogl.

Ludwig Vogl feiert am heutigen Dienstag seinen 90. Geburtstag. Zunächst also: herzlichen Glückwunsch!

Ludwig Vogl, Jahrgang 1922, war der Mann, der in den ausgehenden 60ern die Idee hatte, dass München noch eine neue Boulevardzeitung braucht. Herzlichen Dank hierfür, im Namen auch aller heutigen tz-Mitarbeiter, Herr Vogl!

Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, stand jedenfalls einige Zeit nach besagtem Geistesblitz das 1968-er-Verlags-Gründer-Triumvirat aus Wolfgang Huck, Felix Buttersack und eben Ludwig Vogl mit weiteren Mitarbeitern im Konferenzraum dieses jüngsten Münchner Zeitungsnachwuchses und stieß mit einem Glaserl Champagner aufs Wachstum des neuen Babys an. Es war der 18. September 1968. Die Geburtsstunde der tz.

Ludwig Vogl, so wird kolportiert, sei zwar der „kleinste“ der Altverleger gewesen, das aber mit reichlich „Oho“ und viel „Effet“. Die Idee, die tz zu gründen, hielten manche Zeitgenossen damals gar für „tollkühn“. Vogl jedoch war, wie diverse Quellen dem Schreiber dieser Zeilen glaubhaft versicherten, nicht nur ein Zeitungsverleger, sondern „ein Zeitungsmensch mit Leib und Seele“. Nur folgenden Beleg dafür: Er pflegte sehr direkte Marktforschungsmethoden. Jeden Morgen fuhr er von seinem Wohnsitz im Oberland per Zug zum Münchner Hauptbahnhof und beobachtete dabei die Leute. Was sie lasen, sprach mit ihnen über die tz (und andere Blätter), erfrug ihre Interessen – und brachte hinterher die Redaktion immer auf den neuesten Stand des Zeitgeschmacks und der Leserwünsche.

Den Privatmann Vogl müssen wir uns als Jäger, Forstbewahrer, Pferdefreund und Landmann im bayerischen Oberland vorstellen. Den passionierten Schafkopfer nicht zu vergessen. So ein-, zweimal im Jahr pflegte Vogl eine Jagd in der Nähe seines Wohnorts zu veranstalten. Danach wurde die gesamte tz-Redaktion zum „geselligen Wildbret-Beisammensein“ geladen. Letzteres war übrigens ein Pflichttermin. Alle mussten antreten – wenn sie auch nur Knödel aßen…

Wirklich alle Anwesenden, heißt es, hätten sich hingegen damals „gebogen vor Lachen“, als sie im Alten Simpl Folgendes bezeugen durften: Der frisch mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrte Vogl ließ sich bei der auf die offizielle Ordensverleihung folgenden Siegesfeier im Schwabinger Künstlerlokal in keiner Weise von einem anderen Honorar erweichen, seinen bayerischen Ehrenorden gegen weitaus größere und buntere karibische Ehrenabzeichen einzutauschen. Es handelte sich hierbei um den berühmt-berüchtigten Konsul und Titelhändler Hans-Herrmann Weyer (damals noch nicht Graf von York). Wie auch immer: Vogl blieb jedenfalls standhaft.

Den Sportsmann Vogl müssen wir noch unbedingt erwähnen: Olympia ’72. Das griechische Feuer wird rein zufällig durch Vogls Heimatort getragen. Genauer: präzise am Rande eines Feldwegs vorbei, der zum Vogl’schen Besitz führt. Vogl bittet darauf unseren Fotografen Heinz Gebhardt um die Erfüllung folgenden Herzenswunsches: „Heinz, i wui Buidln vom Feia mit meine Kiah!“ Folgender Dialog entsponn sich dann: Heinz: „Des is aber z’weit weg fürs Buidl.“ – Vogl: „Dann lass i s’ naus treiben!“ Die so entstandenen Fotografien vom olympischen Feuer zählen bis heute zu den weltweit meistgedruckten historischen Belegen der altehrwürdigen Flamme …

Es gäbe natürlich noch viele Episoden aus 90 Lebens- und über 40 Zeitungsjahren zu berichten – manche lustig und manche ernsterer Natur. Denn Zeitung machen (und sicher ebenso Zeitung verlegen) ist nicht immer nur eine reine Freude. Das wissen wir, die Macher – und das sollen Sie, liebe Leser, aber möglichst wenig spüren.

Daher bleibt uns an dieser Stelle eigentlich nur noch eines zu tun, nämlich erneut ganz herzlich zum 90. Geburtstag zu gratulieren, Ludwig Vogl!

"Deine" tz

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