"Keine Reserve mehr"

S-Bahn-Streik: U-Bahn schafft kaum Abhilfe

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Dieses Foto entstand beim letzten Lokführer-Warnstreik im September.

München - Der Streik der Lokführer von Dienstagabend um 21 Uhr bis Mittwochfrüh um 6 Uhr wird für die Münchner S-Bahn-Passagiere heftige Verspätungen und Sardinen-Atmosphäre in den vollen Zügen zur Folge haben.

Und wieder trifft's die Pendler! Die Bahn warnte schon am Dienstagmittag offiziell vor „erheblichen Beeinträchtigungen“. Der Streik gilt bundesweit, betrifft Fern- und Regionalzüge genauso wie die S-Bahn. Und das erwartet uns in München:

Am Mittwoch ab etwa 9 Uhr soll die S-Bahn wieder planmäßig fahren.

S-Bahn: Die Bahn versucht, in der Nacht auf jeder Linie einen Lumpensammler, also den jeweils letzten Zug, zu garantieren. Davon abgesehen sollen diejenigen Lokführer, die arbeiten, möglichst in der Früh zum Einsatz kommen, so dass es kein Komplett-Chaos im Berufsverkehr gibt. Im Umkehrschluss: Die größten Probleme waren für Dienstagabend zu erwarten. Der Bahn-Plan: Ein-Stunden-Takt auf jeder Linie (also ein Drittel der normalen Frequenz), im Morgen-Verkehr dann Ein-Stunden-Takt plus X. Möglich schien es allerdings, dass einzelne Lokführer nicht zum Schichtwechsel erscheinen – was stehende Züge etwa am Marienplatz und damit eine blockierte Stammstrecke zur Folge hätte! Der Streik endet offiziell um sechs in der Früh, aber damit ist nicht alles gut. Der Fahrplan wird durcheinandergeraten, Züge werden nicht am richtigen Übergabe-Bahnhof stehen – das dauert! Ein Bahn-Sprecher zur tz: „Wir hoffen, dass ab 9 Uhr morgens wieder alle Züge pünktlich sind.“ Also wenn der Berufsverkehr vorbei ist …

Regionalverkehr: Weil sich die Bahn zunächst auf die S-Bahn konzentriert, wird’s bei den Regionalzügen noch härter. Verzögerungen sind bis etwa 16 Uhr zu erwarten. Nicht betroffen sind Privatbahnen wie Agilis, ALX oder die Bayerische Oberlandbahn (BOB).

Fernverkehr: Probleme gibt’s hier noch länger – ohne konkrete Prognose.

U-Bahn am Anschlag: "Keine Reserve mehr"

Die U-Bahn wird am Mittwoch besonders viele Passagiere haben.

Tief durchschnaufen! Wenn Sie von der S-Bahn auf U-Bahn oder Bus ausweichen wollen, wird’s wohl auch nicht viele lockerer werden. Denn: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kann auch an Streiktagen keine zusätzlichen Fahrzeuge einsetzen. Sprecher Matthias Korte sagt: „Wir haben im Berufsverkehr sowieso immer alle verfügbaren Züge im Einsatz – da gibt es keine Reserve mehr.“ Und: „Das Problem ist auch, dass jetzt gerade mehr Züge und Busse als üblich in den Werkstätten stehen.“ Hintergrund: Die MVG hat während der Wiesn kaum Reparaturen an den Fahrzeugen durchgeführt, um den Riesen-Fahrgastansturm zu bewältigen. Die Arbeiten wurden – so weit möglich – nach hinten verschoben und werden ausgerechnet jetzt durchgeführt. Wie heftig der Andrang am Dienstagabend und Mittwochmorgen werden würde, war für MVG-Sprecher Korte nicht abzusehen. Ganz grundsätzlich sagte er: „Wir hoffen, dass sich viele Pendler auf den Streik einstellen, zum Beispiel mit Fahrgemeinschaften.“

Die Bahn-Chefs: Ausstand ohne jede Rücksicht

Die Bahn ist sauer. Dabei geht’s nicht nur um den Streik an sich, sondern vor allem um die Ursachen. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber (64): „Der GDL-Führung geht es darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf.“ Denn: Die GDL ist nicht die einzige Gewerkschaft, in der Bahn-Mitarbeiter organisiert sind.

Die Gewerkschaft: Lokführer wollen mehr Geld

Die Lokführer fordern fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. GDL-Chef Claus Weselsky (55) hat nach der Urabstimmung (91 Prozent hatten für den Ausstand gestimmt) auf die hohe Streikbereitschaft der Mitarbeiter hingewiesen: „Sie haben das an den beiden Warnstreiks gesehen: Es soll niemand darauf setzen, dass das Zugpersonal einknickt!“

Uli Heichele

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