1. tz
  2. München
  3. Stadt

Gesine Schwan bei Udes im Keller

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gesine Schwan
"Eine fantastische Frau", sagt Edith von Welser-Ude über Gesine Schwan © Westermann

Ausnahmsweise durften gestern auch „politisch interessierte Männer“ dabeisein, als sich Edith von Welser-Udes Frauenrunde im Keller am Kaiserplatz einfanden.

Denn es wurde ein bedeutender Gast erwartet: Gesine Schwan, die exakt heute in einem Monat bei der Wahl zum Bundespräsidenten gegen Horst Köhler antreten wird. Der innige Wunsch der sozialdemokratischen Gastgeberin: „dass diese fantastische Frau Präsidentin wird“.

OB Christian Ude übernahm Hilfsdienste wie das Anzünden von Kerzen und — schwieriger – das Stimmengewirr nach dem Eintreffen der gut gelaunten Kandidatin zum Verstummen zu bringen. Dann aber hatte die 65-jährige Berlinerin die ganze Aufmerksamkeit der versammelten Damen und Herren, darunter Ex-Kulturminister und Ex-Kulturreferent Julian Nida-Rümelin mit Gattin Nathalie Weidenfeld, Schriftstellerinnen Asta Scheib, Barbara Bronnen und Fadumo Korn, Kabarettistin Maria Peschek, Gastronomin Doris Kuffler mit Tochter Catherine, das Architektenehepaar Bea und Walther Betz, die Unicef-Beauftragte Claudia Graus, die Vorsitzende der Münchner Tafel Hannelore Kiethe und Moderatorin Maria von Welser. Letztere hatte Schwans Besuch im Ude‘schen Partykeller auch organisiert. Als Fachfrau übernahm sie die erste Fragerunde – nicht unbedingt, um das Eis zu brechen. Solche Maßnahmen sind bei Gesine Schwan nicht nötig, schon gar nicht in einem so freundlich gesinnten Umfeld.

Entspannt berichtete sie von ihren bisherigen Terminen und Erlebnissen in München, beginnend mit der Laudatio auf die Carl-Amery-Preisträgerin Juli Zeh am Abend zuvor im Literaturhaus. Nicht weniger erfreulich scheint der gestrige Tag bei den Fraktionen von SPD und Grünen im Landtag gewesen zu sein. Ihre Chancen bei der Wahl schätzt sie auf 50:50.

„Warum tun Sie sich das an?“ sei sie während der letzten Monate oft gefragt worden. Ihre Tour durch die Republik empfindet Schwan aber nicht nur als „anstrengend, das schon“, sondern auch als Bereicherung: „Mir macht Kommunikation und die Auseinandersetzung mit anderen Menschen einfach Spaß, auch wenn sie andere Meinungen vertreten.“ Wie sie mit Bemerkungen über ihr Äußeres zurecht komme, wird Schwan gefragt. „Ach, die haben ja immer nur die Frisur gebracht“, sagt sie wegwerfend und schüttelt ihr Lockenhaupt. Schlimmer fand sie schon die Vorwürfe wegen ihrer angeblichen „Geltungssucht“.

Das weibliche Publikum wollte natürlich wissen, ob die Deutschen es ertragen könnten, wenn zwei Frauen an der Spitze stehen, Bundeskanzlerin und Bundespräsidentin. Da hat Gesine Schwan gar keine Bedenken: „80 Prozent der Deutschen könnten sich das vorstellen“, zitiert sie eine Umfrage. Bürgermeisterin Christine Strobl wendet ein: „Die Männer haben nichts dagegen, wenn sich für sie nichts ändert.“ Gelächter. Schwan traut dem Volk überhaupt viel zu: „Diese Gesellschaft ist intellektueller, reifer, nachdenklicher als wir oft denken“, sagt sie und erinnert an Barack Obama. „Man kann der Bevölkerung Ehrlichkeit zumuten“, gerade in der Krise. „Wichtig ist, dass man einen Grundrespekt vor den Menschen hat.“

Julian Nida-Rümelin sprach die „ungute“ Konstellation im Vorfeld dieser Bundespräsidentenwahl an: „Horst Köhler ist als Amtsinhaber ja der Kritik enthoben.“ Ihm selbst fiel einiges ein, was die SPD auch vor der Wahl 2004 gegen den Kandidaten hätte vorbringen können und es nicht getan hat: Zum Beispiel hinsichtlich „seiner Zuständigkeit für die wirtschafts- und finanzpolitische Einheit Deutschlands, die ja gründlich schief gegangen ist“. Da enthielt sich Schwan auch in dieser trauten Runde jeder Meinungsäußerung: „Er kritisiert mich ja auch nicht.“

Barbara Wimmer

OB Ude ganz oben

Strecke

Auch interessant

Kommentare