Mutmaßlicher Kinderschänder Oliver Shanti endlich vor Gericht

Der Grusel-Guru: Was steckt hinter seiner Maske?

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Oliver Shanti behauptet, unschuldig zu sein.

München - Der Vorwurf: 314-facher Kindesmissbrauch! Zum Prozessauftakt erschien Sekten-Guru ­Oliver Shanti (60) am Mittwoch im Gummimantel, mit Handschuhen und Atemmaske im Gerichtssaal.

Es ist ein unheimlicher Anblick: Mit einem weißem Schutzanzug bekleidet und einem Mundschutz wird er hereingebracht. Ulrich Schulz (60), der ehemalige Esoterik-Guru, der des 314-fachen Kindsmissbrauches angeklagt ist und sich deshalb seit Mittwoch vor dem Landgericht München I. verantworten muss. Als molligen Teddybär mit Vollbart und Gitarre im Arm haben ihn viele Fans in Erinnerung, am Mittwoch nahm der tief gefallene Star, der über 100 Kilo abgemagert hat hinter einer Glasscheibe Platz.

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Grund der Schutzmaßnahme: Shanti, was im indischen Sanskrit so viel wie Frieden bedeutet, trägt den unheilbaren Krankenhauskeim MRSA in sich, der gegen jedes Antibiotikum resistent ist. Außerdem hat er Lymphdrüsenkrebs. Ganz ruhig erklärt er: „Ich habe keine Kinder missbraucht. Das versichere ich Ihnen. Die Anklage sei ein „Komplott“.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich an vier Jungen und zwei Mädchen vergangen zu haben. Laut Staatsanwaltschaft handelte es sich bei den mutmaßlichen Opfern meist um Kinder von Anhängern Shantis. Dieser soll ausgenutzt haben, dass sie ihn als Vaterfigur sahen. Teilweise habe er die Übergriffe als spirituelle Übungen erklärt. Unter anderem wirft die Anklage Shanti vor, er habe sich von einzelnen Kindern befriedigen lassen. Die Staatsanwaltschaft erwägt, die Anordnung von Sicherungsverwahrung gegen den 60-Jährigen zu beantragen. Damit käme er nie wieder aus dem Knast.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung behauptet Shanti, ehemalige Vertraute hätten ihn aus Neid vernichten wollen, um an seinen Besitz zu gelangen. Sie hätten die Kinder dazu gebracht, gegen ihn auszusagen. Er müsse jetzt „durch ein Meer von Lügen schwimmen“.

Nur einmal verliert Shanti seine Gelassenheit: Auf einen Zeugen angesprochen, schreit er: Seine Gegner hätten lange gebraucht, diesen „dazu zu bringen, so eine Schweinerei zu behaupten“. Mehrfach versicherte Shanti, dass er Kinder liebe und Kinder ihn liebten. Er interessiere sich, solange er denken könne, für junge Männer im Alter von „17, 18, 19, 20“.

Shanti wohnte in den 1970er Jahren in Kommunen in Viechtach und München, ab Mitte der 80er Jahre auf einer Finca in Portugal. Shanti bestreitet, ein „Guru“ oder Sektenführer zu sein. Jeder in der Gruppierung habe glauben dürfen, was er will. Es sei eine große Familie gewesen, wie die Kelly-Family. Shanti behauptet als Musiker zwölf Millionen Euro verdient zu haben, mit denen er unter anderem zwölf Häuser in Portugal gekauft habe. Dies habe er nun alles verloren. Shnati wurde jahrelang von Zielfahndern gesucht, bevor er im Juli 2008 in Lissabon verhaftet wurde.

tz

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