Haarspray explodiert: Nicole (15) im Koma

Nicoles verwüstetes Zimmer nach der Haarspray-Explosion: hinten die herausgedrückte Tür, vorne die Scherben des Fensters.

München - Wenn die Ärzte sie aus dem künstlichen Koma zurückholen werden, wird Nicole nicht verstehen, was mit ihr passiert ist.

Ihre Haut an Gesicht, Rücken und Brust ist zu vierzig Prozent verbrannt. Die 15-Jährige wird Monate brauchen, bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen kann. Die schlimmen Brandverletzungen sind die Folge eines Feuerballs – ausgelöst durch eine Verpuffung in Nicoles Zimmer.

Das Unglück passiert am Freitagabend in Untersendling. Die Hauptschülerin und ihr Freund (17) wollen sich gegenseitig ihre Punkfrisuren stylen. „Mit jeder Menge Haarspray“, sagt Mutter Karin (36). Sie versprühen mehrere Dosen in ihren Haaren, jede Strähne muss sitzen. Dabei machen sie einen fatalen Fehler – sie lassen das Zimmerfenster und die Tür geschlossen, die Gase aus den Spraydosen können nicht abziehen.

Gegen 23.30 Uhr sind die Teenager fertig – und gehen in die Küche. Später geht Nicole wieder zurück in ihr Zimmer, sie will ein Feuerzeug holen. Während sie durch den Raum geht, probiert sie aus, ob das Feuerzeug funktioniert. Der kleine Funke reicht, um ein schreckliches Drama auszulösen. Er reicht, um das Luft-Gas-Gemisch in einem Feuerball explodieren zu lassen. Durch die Verpuffung entsteht eine Stichflamme. Sie erfasst Nicole, verbrennt ihr Gesicht, den Rücken und den Brustkorb. Gleichzeitig sprengt eine Druckwelle die Zimmertür aus den Angeln, das Fenster zum Balkon splittert in Tausende Stücke. Die Scherben fliegen gut dreißig Meter in den Hinterhof der Wohnanlage an der Kraelerstraße in Untersendling.

Sofort stürmt Nicoles Freund ins Zimmer, erstickt mit einem Laken die Flammen, die die 15-Jährige erfasst haben. Die Explosion hat auch die Nachbarn alarmiert, sie eilen zu Hilfe. Eine Frau leistet Erste Hilfe, spritzt Nicole sofort mit kühlem Wasser in der Badewanne ab. Minuten später sind Notarzt, Feuerwehr und Polizei in der Krae­lerstraße. Auch Nicoles Mutter ist inzwischen bei ihrer Tochter: „Ich war den Abend über bei meinem Lebensgefährten ein paar Häuser weiter. Ich konnte ja nicht ahnen, was passieren würde.“

Nicole wird ins Bogenhausener Krankenhaus in die Schwerstverbranntenstation gefahren. Die Ärzte versetzen die 15-Jährige ins künstliche Koma und versorgen ihre schweren Verbrennungen. „Ihr Zustand ist ernst, aber Gott sei Dank nicht lebensbedrohlich“, sagt Mutter Karin, nachdem sie mit den Ärzten gesprochen hatte. Nicoles Mutter und die Schwester (17), die zum Zeitpunkt der Verpuffung auch in der Wohnung war, erleiden einen Schock, sie werden vom Kriseninterventionsteam betreut. „Es ist so furchtbar, ich bin krank vor Sorge um meine Tochter“, sagt Karin. „Dass ein paar Spraydosen so eine gefährliche Wirkung haben können, wissen wir erst jetzt.“

Jacob Mell

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