Herr Ude, muss dieses Haus so blau sein?

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters - das gilt auch für das blaue Haus in Neuaubing.

München - tz-Leser fragen, OB Christian Ude antwortet. Heute geht es um ein Haus, das manchen Nachbarn zu blau ist.

Frage: Seit 33 Jahren wohnen wir als Eigentümer in einem achtstöckigen Haus einer Wohnungseigentümergemeinschaft in der Streitbergstraße in Neuaubing mit Blick auf ein achtstöckiges Haus gegenüber. Meine Frage: Müssen wir uns dieses Blau gefallen lassen? Bis vor Kurzem hatte das Haus eine dezente Farbe. Nachfragen bei Lokalbaukommission und Bezirksausschuss brachten bislang keinen Erfolg. Eine Veräußerung unserer Wohnungen wird durch diesen Anstrich sehr erschwert!

Elke und Hans Hötzl, Aubing

Antwort: Bei einer Ortsbegehung durch die Verwaltung wurde festgestellt, dass neben dem von Ihnen gerügten „blauen Haus“ noch weitere Gebäude im Zuge eines neuen Farbkonzeptes für die gesamte Siedlung in kräftigen Farben (Rot, Orange und Blau) gestrichen wurden. Ob diese Farbgebung gelungen ist, wird jeder nach seinem persönlichen Geschmack beurteilen. Ein behördliches Einschreiten ist aber nicht möglich. Die betroffenen Gebäude sind weder Baudenkmäler noch Bestandteile eines Ensembles, für ein denkmalpflegerisches Einschreiten fehlt deshalb jede Rechtsgrundlage.

Eine „Verunstaltung“ im Sinne der Bayerischen Bauordnung liegt auch nicht vor. Unter Verunstaltung ist ein „hässlicher, das ästhetische Empfinden des Beschauers nicht bloß beeinträchtigender, sondern verletzender Zustand“ zu verstehen. Dass eine Farbgebung von Teilen der Betrachter als unschön erachtet wird, reicht nicht aus, um von einer „Verunstaltung“ im Sinne der Bauordnung zu sprechen. Offensichtlich bemühte man sich mit dem neuen farblichen Gesamtkonzept, die oft beklagte Monotonie und Anonymität derartiger Siedlungsgebiete durch eine individuelle und kräftige Farbgebung einzelner Gebäude aufzulockern.

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