1,5 Millionen Menschen leiden unter Terror am Arbeitsplatz

Hilfe gegen Mobbing

Mobbing
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Ein Symbolbild für Mobbing am Arbeitsplatz: Kollegen tuscheln im Hintergrund und schauen auffällig zur Mitarbeiterin am Computer

München - „Jetzt schreib I“: Bürgeranwalt Dietmar Gaiser kämpft für tz-Leser. Heute: Mobbing am Arbeitsplatz.

Liebe Leserinnen und Leser der tz,

Mobbing ist ein englisches Wort und heißt so viel wie „sich gegen eine Person zusammenrotten“. Mobben kann also nie ein Einzelner, es sind immer Mehrere. Und das ist auch das Gemeine: Man kann nicht eine einzelne Person zur Rede stellen. Noch etwas sollte man nie vergessen: Mobbing funktioniert nur, wenn weggeschaut wird. Auch jene, die schweigend zusehen sind Mittäter.

Es gibt die verschiedensten Arten von Mobbing. Die neueste ist das Cyber-Mobbing. Dabei wird jemand mit Texten oder Bildern per SMS oder Mail unter Druck gesetzt. Egal welche Art von Mobbing, immer ist es wichtig, darüber mit Anderen zu reden. Nichts fürchten Menschen, die Spaß daran haben, andere zu quälen, mehr als die Öffentlichkeit. Also wie in nebenstehendem Artikel gesagt, Chefs und Betriebsrat einschalten!

Natürlich gibt es Mobbing nicht nur in Firmen. Auch in Schulen wird gemobbt. Nicht jeder Schülerstreich ist gleich Mobbing. Aber wenn die Spielchen zu Psychoterror werden, dann liegt Mobbing vor. Leider sind Lehrer mit solchen Situationen oft überfordert, dann müssen Fachleute wie Psychologen eingeschaltet werden, denn Erwachsene und Kinder, die gemobbt werden, zweifeln irgendwann einmal an sich selbst. So weit darf es nicht kommen.

Ihr Dietmar Gaiser

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Iris D. aus München schreibt an tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser

Ich arbeite seit acht Jahren als kaufmännische Angestellte in einem Unternehmen. Seit zwei Jahren habe ich ein großes Problem: Ich werde von meinen Kollegen gemobbt. Ständig werde ich kritisiert, bekomme nur sinnlose Aufgaben zu tun. Seit Kurzem sprechen meine Kollegen gar nicht mehr mit mir. Kürzlich hat eine Kollegin sogar das Gerücht verbreitet, ich würde meinen Mann betrügen. Ich halte das langsam nicht mehr aus, habe Angstzustände und ständig Kopfschmerzen. Was soll ich nur tun?

Iris D. (38), München

Die Situation von Iris D. ist kein Einzelfall: Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Terror am Arbeitsplatz. „Unter Mobbing versteht man Verhaltensweisen, die darauf abzielen, einen anderen Menschen herabzuwürdigen“, sagt Martina Perreng, Referatsleiterin Arbeitsrecht beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Dazu gehört, den Kollegen zu schneiden, am Telefon zu terrorisieren, Gerüchte zu verbreiten oder sogar körperliche Gewalt. „Häufig entsteht Mobbing durch ungelöste Konflikte zwischen Beschäftigten“, sagt Perreng.

Auslöser können hoher Zeitdruck, eine strenge Hierarchie oder anstehende Entlassungen sein. Und die Folgen des Mobbing sind schwerwiegend: „Viele Mobbingopfer leiden wie Iris D. an psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Schlaflosigkeit“, erklärt Martina Perreng. Häufig zeigen sie auch Symptome wie Bluthochdruck oder Verdauungsprobleme.

Wer wie Iris D. Quälereien am Arbeitsplatz ausgesetzt ist, sollte sich entweder mit dem Betriebsrat oder direkt mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzen. Gemäß Arbeitsschutzgesetz muss jeder Arbeitgeber für Abhilfe sorgen. „Im Krankheitsfall können Mobbingopfer Anspruch auf Schmerzensgeld haben oder eine Umsetzung in eine andere Abteilung beantragen“, erklärt Perreng. Problematisch: Oft können Mobbinghandlungen nicht nachgewiesen werden. Daher ist es auch schwierig, Gegenmaßnahmen zu treffen – im Extremfall hilft nur noch die Kündigung.

Ch. Schmelzer

Tipps gegen Mobbing

Wehren Sie sich!

Häufig werden gerade die Menschen zum Opfer, die sich viel gefallen lassen. Zeigen Sie dem Angreifer, dass er einen Gegner hat.

Reden Sie!

Sprechen Sie mit Freunden über Ihr Problem. Das befreit – und Sie fühlen sich nicht mehr so alleine.

Sammeln Sie Beweise!

Führen Sie Tagebuch und notieren Sie, wenn Sie angegriffen werden. Heben Sie böse E-Mails und ärztliche Atteste auf. So ist es leichter, die Mobbinghandlungen nachzuweisen.

Mobben Sie nicht zurück!

Bleiben Sie fair. Wenn Sie zurückmobben, macht das die Situation nur noch schlimmer.

Holen Sie sich Hilfe!

Die finden Sie z. B. in Selbsthilfegruppen (Selbsthilfezentrum München, Tel. 089/53295611) oder im Internet (z.B. www.mobbing.net, www.mobbing-web.de).

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