Warum in einigen Münchner Straßen die Post manchmal nicht ankommt

Hilfe, unsere Straßennamen sind zu lang!

+
Erzieherin Natascha Kellner hat ständig Probleme mit der Post in der Elisabeth-Mann-Borgese-Straße.

Als Wolfgang Sohrt 2002 in die Georg-Kerschensteiner-Straße in Riem zog, ahnte er nicht, welche Schwierigkeiten ihm die neue Adresse bereiten würde.

Denn für manche Lieferanten ist der Straßenname einfach zu lang, mit der Folge, dass die Post verspätet oder gar nicht ankommt. Anderen Münchnern geht es ähnlich.

So ging ein in den USA bestelltes Paket mit Textilien als „unzustellbar“ an den Absender zurück. „Die Adresse war auf dem Aufkleber nur verstümmelt wiedergegeben. Der Grund: „Die US-Formulare sehen in der Regel nur 15 Zeichen vor, bei uns hat aber schon der Straßenname 28 Zeichen.“ Für amerikanische Adressen wie: „70W 2nd Ave“ reicht das locker. Doch nicht für Münchner Wortungetüme der Straßennamen in der Messestadt, wo es auch noch eine Maria-Montessori-Straße (23 Zeichen lang) oder die Elisabeth-Mann-Borgese-Straße (29 Zeichen) gibt.

„Bei Bestellungen im Internet kann man zwar meist die gesamte Adresse eingeben“, weiß Sohrt. „Auf den Päckchen fehlt dann aber oft die zweite Stelle unserer zweistelligen Hausnummer, so dass die Post dann in der Hausnummer 1 landen müsste.“ Gott sei Dank wüssten die Briefträger mittlerweile, wo die Familie Sohrt wohne, auch wenn die Hausnummer auf dem Brief oder Päckchen falsch angegeben ist.

Damit die Hausnummer auf die Adressaufkleber passt, hat Sohrt irgendwann einmal angefangen, den Straßennamen mit „G.-Kerschensteiner-Straße“ abzukürzen. Damit hatten wiederum die Paketfahrer Probleme. „Die Kuriere finden das ihren Navigationssystemen nicht, weil die vor allem die ersten Buchstaben brauchen.“ Deshalb kürzt Sohrt jetzt die nach einem Pädagogen benannte Straße mit „Georg-Kerschenst.-S.“ ab.

Auch in der Elisabeth-Mann-Borgese-Straße nebenan gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit der Post. „Die Briefe haben oft die irrsinnigsten Abkürzen für die Straße, weil der volle Namen nicht in die Software der Absender passt“, berichtet die Leiterin der Kindertagesstätte, Natascha Kellner. Da es zwei Kindertagesstätten in der Straße gibt, oft aber die Hausnummer fehlt, lande die Post der einen im Briefkasten der anderen. Und die Anwohnerin Line Friedl wundert sich immer: „Es vergehen Tage, an denen gar keine Post kommt, dann kriegen wir immer gleich eine ganze Handvoll Briefe auf einen Schlag.“

Übrigens: Auch die Stadt bekommt den langen Straßennamen nicht in ihre Computer-Formulare. Darum legte die Verwaltung die EDV-Abkürzung "Elis.-Mann-Borgese-S." fest. Was die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann dazu gesagt hätte?

Sind Straßennamen wie: „Magdalena-Schwarz-Straße“ oder „Ingeborg-Bachmann-Straße“ (beide in Riem) zu lang? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt der Kommunalausschuss, nachdem Bürger über lange Straßennamen geklagt hatten (links).

In München gibt es insgesamt derzeit 6078 Straßennamen. Davon haben 426 mehr als 20 Zeichen, das sind etwa sieben Prozent. Der kürzeste Name ist übrigens „Tal“ mit drei Buchstaben, der längste „ Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ (39 Satzzeichen), an dem allerdings niemand wohnt oder arbeitet. Der längste Straßenname ist „Elisabeth-zu-Guttenberg-Straße“ in Riem (30 Satzzeichen), genauso lang wie der „Rainer-Werner-Fassbinder-Platz“ (Arnulfpark).

Mit überlangen Namen gibt es vor allem Probleme in Neubaugebieten wie der Messestadt Riem, wo zehn Prozent der Straßennamen mehr als 20 Zeichen haben. In Augsburg gibt es einer Umfrage des Vermessungsamtes bei 23 Kommunen prozentual doppelt so viele Straßennamen mit mehr als 20 Zeichen, in Nürnberg ist es ähnlich wie in München.

Der Bezirksausschuss Trudering-Riem schlug vor, künftig wie auch früher auf die Vornamen zu verzichten. Beispiele: Pestalozzistraße, Rühmannstraße oder Droste-Hülshoff-Straße. Bei der Dichterin hätte sich mit Vornamen und Adelstitel (Annette von) ein neuer Straßenschildrekord von 34 Satzzeichen ergeben.

 Nach Meinung des Kommunalreferates soll die Verwendung der Vornamen auch in Zeiten zunehmender Doppelnamen klären helfen , ob es sich bei der geehrten Person um einen Mann oder eine Frau handelt. Außerdem soll der Vorname bei gleichen Nachnamen helfen, die Person zu identifizieren. Auf Vornamen will die Stadt ebenso nicht verzichten wie auf Adelstitel, Berufsbezeichnungen oder akademische Titel.

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

Reiter gegen Frank: Wahlen im Ausnahmezustand
Reiter gegen Frank: Wahlen im Ausnahmezustand
Stichwahl in München 2020: Ergebnis vollständig ausgezählt - Dieter Reiter bleibt OB
Stichwahl in München 2020: Ergebnis vollständig ausgezählt - Dieter Reiter bleibt OB
Coronavirus in München: Der Bußgeldkatalog während der Ausgangsbeschränkung
Coronavirus in München: Der Bußgeldkatalog während der Ausgangsbeschränkung
Corona in München: Diese Geschäfte haben geöffnet - Eine große Übersicht
Corona in München: Diese Geschäfte haben geöffnet - Eine große Übersicht

Kommentare