1. tz
  2. München
  3. Stadt

„Ich hörte die Knochen krachen“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

kemo
Kemo ist Opfer und Augenzeuge. © SonntagsBlick/M.Würtenberg

Kemo ist ein Opfer der brutalen Schläger von Zürich. Eiskalt griffen Mike, Ivan und Benji (16) vorletzten Dienstag auch ihn an: „Sie schlugen mir die Faust ins Gesicht!“

Das erzählte er Reportern der Schweizer Zeitung SonntagsBlick.

Wie jeden Tag sitzt der 57-jährige Kemo im Nussbaumpark am Sendlinger Tor. Der obdachlose Mazedonier lebt seit fast einem Jahrzehnt auf der Straße in München. Hier trifft er ­andere Obdachlose, trinkt seine Biere und lebt in Frieden – vielmehr lebte. Denn seit sich vor einigen Tagen Schüler aus der Schweiz hier austobten, ist alles ­anders.

Äußerlich ist ihm die ­Attacke von vor zehn Tagen kaum mehr anzusehen. „Mein Gesicht war geschwollen, ich hatte Schmerzen“, sagt er. Der Angriff hat den ehemaligen Bauführer stark mitgenommen: „Ich habe auf der Straße schon viel erlebt. Aber das hat mich wirklich schockiert.“ Jetzt fühlt sich Kemo in „seinem“ Park nicht mehr sicher, er hat Angst.

Kemo hält an einem Tischchen und drei Bänken inne. Hier sei er in der Schreckensnacht mit seinen Freunden Dragan und Josip zusammengesessen: „Plötzlich standen etwa acht Jugendliche vor uns. Sie sagten was von einer ­Brief­tasche. Dann schlugen sie schon zu.“

Die drei Obdachlosen konnten sich kaum wehren. Vor allem Dragan (43). Er ist sichtbar behindert. Sein linker Arm ist von Geburt an missgebildet, er ist halbseitig gelähmt, zieht beim Gehen seinen Fuß nach. Kemo: „Ihn traf es am härtesten. Sie traten mit Anlauf und voller Wucht auf seinen Kopf ein.“

Nur wenige Meter weiter trafen die Schläger auf den Versicherungskaufmann Wolfgang O. Ohne Vorwarnung prügelten sie auf ihn ein. Indy (41), auch er ein Obdachloser vom Nussbaumpark: „Ich wollte dazwischen, wollte helfen.“ Aber die Täter hätten ihn angeschien: „Halt die Fresse, Alter, sonst bist du der Nächste!“

Indy musste hilflos zusehen, wie die Täter ihr Opfer malträtieren. Ihm kommen die Tränen: „Der Kopf lag seitwärts auf dem Asphalt. Sie traten dem Mann ins Gesicht. Mit voller Wucht. Ich hörte die Knochen krachen. Dann floss Blut aus seinen Ohren.“

Indy und Kemo fordern die Höchststrafe für Mike, Ivan und Benji: „Für diese abscheuliche Tat sollen sie lange im Gefängnis schmoren.“

Staatsanwalt Laurent Lafleur: „Man kann nur von Glück reden, dass dem Mann nicht das Genick gebrochen wurde und dass er nicht starb.“ Die Täter werden sich voraussichtlich wegen versuchten Mordes vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten müssen.

Auch interessant

Kommentare