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Kinder sexuell genötigt: Bewährung für Jugendtrainer

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Wegen sexueller Nötigung von Kindern in sechs Fällen hat der ehemalige Jugendtrainer beim TSV Haar und TSV Feldkirchen, Martin S. (Name geändert) eine Bewährungsstrafe erhalten

Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre und vier Monate und legte Berufung ein. S. wurde außerdem eine Kontaktsperre zu den anzeigenden Kindern auferlegt. Die betroffenen Buben sind zwischen acht und neun Jahren alt. Das noch nicht rechtskräftige Urteil beinhaltet auch ein fünfjähriges Trainer-Verbot für Kinder und Jugendlichen. Der 45-Jährige muss sich außerdem einer Therapie unterziehen.

Knut Schwarz, Fußballabteilungsleiter des TSV Feldkirchen, brachte das Verfahren 2007 in Gang. S. war als Trainer der 1. Mannschaft zur neuen Saison gewonnen worden. Dann bot er an, zusätzlich das Ostercamp der Jugend zu organisieren und mitzumachen. Beim Ostercamp habe er immer mit den Kindern geduscht, erzählte Schwarz. Jugendliche hätten ihm erzählt, dass S. dabei ein erigiertes Glied gehabt haben soll. Schwarz handelte umgehend. Er erstattete Anzeige bei der Polizei und untersagte S. jeden weiteren Kontakt mit den Kindern.

Statt Lob für sein beherztes Vorgehen erntete der Abteilungs- und Jugendleiter sogar Kritik von Elternseite. Einige verstanden nicht, warum man den rhetorisch begabten Trainer, der es so gut mit den Kindern konnte, nicht weiter behalten wollte. Schwarz: „Ich hatte doch nur Schlimmeres für die Kinder verhindern wollen.“ Auch beim TSV Haar, wo S. ein Jahr zuvor als Jugendtrainer tätig war, war es zu Vorfällen gekommen, wie Jugendleiter Ewald Lindmeier aber erst später erfuhr. Er handelte gleich, als es erste Gerüchte gab. Er hatte S. zur Sommersaison 2006 als neuen Jugendtrainer eingestellt. Nach drei Monaten erhielt er einen anonymen Anruf mit dem Hinweis, S. habe in Gröbenzell bei einem Sportverein Kinder sexuell belästigt und man solle vorsichtig sein. Lindmeier sprach S. sofort darauf an. Er habe nur ein Kind „gewatscht“, das ihn frech angespuckt habe, erzählte dieser und wies die Vorwürfe empört von sich. Lindmeier war die Situation aber zu heikel.

In Haar ist man nach dem Fall des beliebten Vertrauenslehrers an der Hauptschule, der wegen sexuellen Missbrauchs an Schülerinnen schließlich in Haft kam, sensibel geworden. So trennte sich der TSV Haar von dem Trainer: „Der Polizei meldete ich nichts. Es war ja nichts Konkretes, soweit mir bekannt war, vorgefallen.“ Wie Schwarz wurde auch Lindmeier dafür von Eltern beschimpft: „Zwei, drei Kinder wurden deshalb sogar abgemeldet. Aber das war mir egal. Ich wollte kein Risiko eingehen. Diese Eltern würde ich nun gern nochmal zu Gesicht bekommen.“

Anders als es Lindmeier wusste, war es aber auch in Haar zu sexueller Nötigung von S. beim Duschen gekommen. Eine Mutter erklärte vor Gericht, dass ihr Sohn erzählt habe, S. habe beim Duschen im Sommercamp in Österreich, wo der TSV eine Hütte hat, öfter ein erigiertes Glied bekommen. In zwei Fällen habe er Buben sogar auf den Schoss genommen und sie gekitzelt. Auch dabei sei er – merkbar für die betroffenen Jungen – erregt worden. Pikant ist, dass S. beim Bayerischen Fußballverband als Angestellter im Verwaltungsdienst tätig ist. Dort erfuhr man erst durch das aktuelle Verfahren von den Vorwürfen. Der Verband handelte sofort. Geschäftsführer Jürgen Igelspacher: „Wir verpflichteten S. vertraglich, dass er in keinem Verein und keiner Organisation mehr tätig ist, ob als Trainer oder in sonstigen Funktionen, ob bei Jugendlichen, Kindern oder auch Erwachsenen. Wir wollen jedes Risiko ausschließen. Ansonsten warten wir ab, bis das Urteil rechtskräftig ist.“

von Annette Ganssmüller-Maluche

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