Keine Flüchtlinge mehr in München

tz-Kommentar: Heute bin ich Patriot! Für Ostbayern!

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Lokalchef Stefan Dorner.

München - tz-Lokalchef Stefan Dorner schreibt in seinem Kommentar über die kaum zu glaubende Tatsache, dass derzeit keine Flüchtlinge mehr nach München kommen, während in Ostbayern die Lage immer prekärer wird.

Ja, heute bin ich mal Patriot! Und zwar für Ostbayern, meine Heimat. Der Landstrich wird überrannt von Flüchtlingen. Bis zu 10.000 pro Tag allein im 50.000-Einwohner-Städtchen Passau. Unzählige laufen zudem über die grüne Grenze und hilflos durch kleine Orte. Landräte, Bürgermeister, Behörden und Hilfsorganisationen funken „Wir können nicht mehr“ an die "Wir-schaffen-das"-Kanzlerin und den Aufnahmestopp-Ministerpräsidenten.

Und was passiert in München?

Der weltweit gefeierte Willkommensort ist außer Dienst. Während der Wiesn sind die Ströme – nachvollziehbarer- und richtigerweise – um die Stadt herumgeleitet worden. Doch jetzt wird an dieser Praxis festgehalten. Keine Flüchtlinge mehr, nirgends. Am Dienstag das Unbegreifliche: Die kleinen bayerischen Orte an der Grenze werden von der großen Politik weiter im Stich gelassen. Und irgendwer an den Schalt­hebeln der Macht in München und/oder Berlin gibt den Befehl, am Hauptbahnhof die Zelte der Erstaufnahmestelle abzubauen!

Trotz des bevorstehenden Winters, trotz des ungeminderten Zustroms. Und obwohl hier 4500 freiwillige Helfer nicht müde werden zu sagen: Wir sind bereit, wir möchten helfen! Aber wieso kommen hier keine Hilfsbedürftigen mehr an? In München zeigt sich – und das ist das Schäbige an dieser Geschichte –, wie in diesem Land an den Stellschrauben gedreht wird. Bilder aus München gehen um die Welt. Passau hingegen ist verdammt weit weg. Es ist ein unwürdiges Spiel auf dem Rücken von Helfern und vor allem der Menschen, die hier bei uns Asyl suchen. Es ist unfassbar!

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