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Kommissar Süden: Ein Luftgitarrist verwirrt München

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Kommissar Heuer - Martin Feifel
Eine Szene aus dem Krimi: Kommissar Heuer (Martin Feifel, li) sucht einen Spezel aus der Kneipe "Substanz". Kommissar Süden  sucht ein Tsunami-Opfer, das angeblich nicht tot sein soll. © ZDF

Schauplatz: die Musikkneipe Substanz in der Ruppertstraße in München. Ein Mann steht auf der Bühne, im Hintergrund spielt eine laute Band. Vorne steht ein Musiker, rockt schweiß gebadet auf der Bühne, und begleitet den Song – ohne Gitarre.

Ein skurriles Bild, das am Montagabend dem ZDF-Krimi Kommissar Süden und der Luftgitarrist, nach dem Roman von Friedrich Ani, zu sehen ist. Nach dem starken Auftaktfilm Komissar Süden und das Geheimnis der Königin (tz berichtete) setzt Regisseur Dominik Graf mit dem „Luftgitarristen“, der zweiten Folge der München-Krimis, noch einen drauf: brillante Schauspieler (Ulrich Noethen und Martin Feifel), die Dialoge sind ein Genuss, dazu ein feines Gespür für die Tragik, die den beiden behandelten Vermisstenfällen des zweiten Süden-Films innewohnt.

Der Zuschauer blickt nicht nur in die Welt der Luftgitarristen, sondern auch in die des Profi-Fußballs des FC-Bayern, und erfährt, welche Leistung das Münchner Vermisstendezernat angesichts der Tsunamis in Südost-Asien im Januar 2005 erbrachte. „Das war eine geradezu herkulische Identifikationsleistung der Münchner“, sagte Friedrich Ani im tz-Interview.

Bei den Süden-Krimis geht es nicht um Mord, sondern um Vermisste. Während Südens Kollege Heuer (Martin Feifel) einen Bekannten vermisst, mit dem er die, nun ja, eigenwillige Leidenschaft des Luftgitarrenspielens teilt, geht Süden (Ulrich Noethen) dem Hilfsgesuch eines Münchner Taxlers nach: Er behauptet steif und fest, seine bei der Tsunami-Katastrophe ums Leben gekommene Frau in der U-Bahn gesehen zu haben. Beide Fälle nehmen eine dramatische Wendung.

Was den Film sehenswert macht, ist sein Blick auf München. Man erlebt die Stadt, so wie sie ein Münchner sieht. „Ich gehe oft in München spazieren, sonst könnte ich nicht die richtigen Plätze für die Personen finden“, so Ani. Dominik Graf und sein Kameramann Alexander Fischerkoesen vermitteln praktisch eine Innenansicht.

So kommt es auch, dass der Münchner Bestsellerautor Friedrich Ani, der auch schon öfters im Substanz auftrat, am Schluss des Films kurz eingeblendet wird. Als Gast im Substanz beim Zuschauen des Luftgitarren-Wettbewerbs, die es tatsächlich vor Jahren gegeben hatte. Heute wird, anlässlich der TV-Premiere, der Krimi im Substanz gezeigt (Einlass 19.30 Uhr, Beginn: 20.15 Uhr). Auch Friedrich Ani wird persönlich anwesend sein.

In Kommissar Süden wird noch stärker als bei den Nachbarn vom Münchner Tatort das Mundartliche gepflegt, aber werbetaugliche Biergartenimpressionen sucht man vergeblich. Der Dreck der Stadt, den es in manchen Vierteln gibt, lässt sich nicht so leicht abschrubben. So hat man die Stadt selten gesehen: München, eine klaffende Wunde.

Dennoch: Die neue Krimi-Reihe ist ein Geschenk an die TV-Welt, vor allem an die Zuschauer und es bleibt zu hoffen, dass sie fortgesetzt wird.

Tina Layes

Kommissar Süden und der Luftgitarrist 20. April 20.15 Uhr / ZDF

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