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Lawinenabgang in Tirol: Münchner Ehepaar tot

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Für die Skitourengeher aus München kam jede Hilfe zu spät.
Für die Skitourengeher aus München kam jede Hilfe zu spät. © Köchler

Die Retter am Ende, die Familie am Boden zerstört: Tragisch endete am Samstag im Zillertal/Tirol der verzweifelte Versuch, ein verschüttetes Münchner Metzger-Ehepaar aus einer Nass-Schneelawine zu bergen.

Am Ende jedoch war klar: Martin (48) und Beate W. (47) hatten in den tonnenschweren Schneemassen nicht die geringste Überlebenschance. Und noch dazu hatten die beiden ein unwahrscheinliches Pech.

Die sportlichen Münchner Ski-Tourengeher waren morgens in Hochfügen losgelaufen. Trotz frühlingshafter Temperaturen im Tal ist dort oben noch immer tiefer Winter, der Schnee nass, schwer und tückisch. Ihr Ziel war die Pfundsalm-Niederleger auf 1640 Metern Höhe. Gegen 11.50 Uhr waren die beiden 200 Meter südlich der Alm und hatten offensichtlich beschlossen, ihre Tour hier zu beenden, Sie hatten bereits abgeschnallt und waren damit beschäftigt, die Klebe-Felle von den Skiern abzunehmen.

Da löste sich plötzlich 380 Meter über ihnen eine nicht vorhersehbare, riesige Grundlawine, die nur noch nackten Erdboden zurückließ und das Ehepaar mit todbringender Wucht mitriss. 40 Meter weiter unten kam die Lawine im Bett des Finsingbaches zum Stillstand, wobei sie sich meterhoch auftürmte und den Bach zum See aufstaute.

Andere Tourengeher hatten das Drama beobachtet und den Alpin-Notruf ausgelöst. Nur Minuten später knatterten die Rotoren der drei Hubschrauber über der sonst so stillen Hochgebirgs-Welt. Die Männer von der Bergwacht und Hundeführer wurden auf dem Lawinenkegel abgesetzt und begannen unverzüglich mit der Suche.

Um 12.58 Uhr schlug der Hund auf der gegenüberliegenden Seite des Baches an. So wurde Martin W. gefunden. Die Schneelast hatte den 48-Jährigen binnen Sekunden erstickt. Auf derselben Seite des Baches – gar nicht weit entfernt von Martin W. – fand die Mannschaft mit den langen Lawinen-Sonden um 13.50 Uhr die verschüttete Frau. Auch Beate W. muss sofort tot gewesen sein. Der Notarzt stellte einen Genickbruch bei ihr fest. In Bergesäcken wurden die Toten an die Hubschrauber angehängt und nach Hochfügen geflogen.

Münchner Polizisten hatten die traurige Aufgabe, die Familie zu informieren. Der Neffe der Toten übernahm es, das Ehepaar für die Polizei zu identifizieren.

Martin und Beate W. wohnten in der Zenettistraße (Schlachthofviertel) über ihrer Metzgerei. Im Hinterhof betrieben sie ihre Fleisch- und Wurstwaren­fabrikation. Dort trafen sich am Sonntag zahlreiche Freunde und Familienmitglieder, um sich beizustehen und das traurige Doppelbegräbnis zu arrangieren.

Dorita Plange, Georg Köchler

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