tz-Leser spenden für ausgeraubten Rentner

Siegfried (94) kann wieder lachen

+
tz-Redakteurin Dorita Plange überreicht dem überglücklichen Siegfried T. die Leserspenden

München - Es war vor allem die große Anteilnahme völlig fremder Menschen, die den pensionierten Münchner Spengler Siegfried T. (94, Name geändert) so tief berührt und so sehr gefreut hat.

In seiner eigenen Wohnung wurde der geh-und sehbehinderte alte Herr im Oktober von einem Verbrecher überfallen und seiner kleinen Rente beraubt. Die feige Tat hat die tz-Leser empört. Ihre Betroffenheit war der Auslöser für die liebevollste Hilfsaktion des Jahres 2012 – eine Geste der großen Herzen.

Am 13. Oktober – einem Samstag – kam Siegfried T. in Kleinhadern vom Einkaufen heim. Hinter ihm drängte sich ein fremder, etwa 35-jähriger, vermutlich südländischer Mann mit weißer Hose und blauer Jacke ins Treppenhaus. Bereits auf der Treppe versuchte er, dem Rentner von hinten in die Taschen zu greifen. Kaum hatte Siegfried T. seine Tür aufgeschlossen, wurde er auch schon rüde in seinen eigenen Flur gestoßen. Der Räuber trieb den laut protestierenden Senior vor sich her ins Wohnzimmer, stieß ihn grob aufs Sofa. Hilflos musste der 94-Jährige mitansehen, wie der dreiste Kerl die Schubladen ausleerte, sich sogar am Rosenkranz seiner verstorbenen Frau vergriff.

Natürlich fand der Täter die Rente und auch die Geldbörse mit 200 Euro, die Siegfried T. vergeblich in der Sofaritze hinter sich verstecken hatte wollen. Selbst sein Gehstock wurde ihm entrissen, als er sich zur Wehr setzen wollte. Erst als der Täter im Schlafzimmer verschwand, sah Siegfried T. eine Chance: „Ich hab den Sessel vor die Tür geschoben, das Fenster aufgerissen und laut Hilfe! Polizei! gerufen.“ Der Täter konnte fliehen, wurde bislang nicht gefasst. Der verzweifelte Siegfried T. bemerkte erst später, dass der Räuber auch noch die teure Spezial-Sonnenbrille für seine empfindlichen Augen mitgenommen hatte.

In den Tagen nach der Berichterstattung über den ungeheuerlichen Fall geschah Bemerkenswertes: In der tz-Redaktion kamen jede Menge Briefe für Siegfried T. an. In jedem steckten Geldscheine, liebe Wünsche und Grüße wie dieser: „Ich denke, dass Gott Sie liebt – und er hat 94 Jahre auf Sie aufgepasst. Nur an diesem Tag hatte er wohl einen Krümel im Auge …“ Oder der hier: „Ein Mensch, der nur an sich denkt, kann nicht glücklich sein. Eine kleine Hilfe von einem fröhlichen Menschen.“ Manche Spender kamen auch persönlich vorbei – wie zum Beispiel ein ganz einfacher Mann, der selbst kaum Geld hat, aber von Herzen gern 20 Euro gab. Seine Spende war genauso wichtig wie die Gabe einer offensichtlich gut situierten Dame, die für Siegfried T. 500 Euro in einen Umschlag legte – ano­nym.

1400 Euro waren es am Ende. Mittlerweile hat Siegfried T. wieder eine Sonnenbrille. Auch der Rentenverlust ist wieder abgedeckt, und es blieb sogar noch etwas übrig für warme Wäsche und einen kuscheligen Pullover – weil Siegfried T. immer so schnell friert. Die Herzenswärme jedoch: Die kommt von innen und auf die kommt es an. Siegfried T. sagt: „Richten Sie den tz-Lesern aus, dass ich überwältigt und tief berührt bin. Vielen, vielen Dank und Vergelts Gott. Ich wünsche Ihnen allen ein gutes neues Jahr!“ Das wünschen wir Ihnen auch, Herr T.!

Dorita Plange

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare