Spontane Spenden

tz-Leser helfen Witwer (94) nach Raubüberfall

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So dankbar: Siegfried T. (94) bekam viele schöne Briefe

München - Die Großherzigkeit der tz-Leser hat einen kurzlich geschädigten Witwer (94) aus Kleinhadern sehr glücklich gemacht. Es ist nicht das erste Mal, dass die tz-Leser spontan spenden.

Es ist die große Anteilnahme völlig fremder Menschen, die Siegfried T. (94; Name geändert) berührt und überrascht hat. Und die ihn spüren lässt, dass er von guten und wohlmeinenden Menschen umgeben ist. Die Großherzigkeit der tz-Leser hat einen Witwer (94) aus Kleinhadern sehr glücklich gemacht.

Vor wenigen Tagen noch verstand Siegfried T. die Welt nicht mehr. Zu schlimm war das, was dem betagten Herrn in seinen eigenen vier Wänden widerfahren ist. Ein Räuber heftete sich an seine Spuren, als der seh- und gehbehinderte Rentner am 13. Oktober – ein Samstag – vom Einkaufen heimkam. Schon im Treppenhaus versuchte der skrupellose, etwa 35-jährige Mann, dem treppauf steigenden Rentner von hinten in die Taschen zu greifen. Kaum hatte Siegfried T. seine Tür aufgeschlossen, wurde er in den Flur gestoßen. Der Räuber trieb den protestierenden Senior ins Wohnzimmer, stieß ihn grob aufs Sofa. Hilflos musste Siegfried T. mitansehen, wie der unverschämte Kerl alle Schubladen leerte, sogar den Rosenkranz der verstorbenen Frau aus der Schachtel riss.

Heimlich versuchte der 94-Jährige, die Geldbörse mit 200 Euro in die Sofaritze zu stecken: „Leider hat er das gesehen und sich das Geld geholt.“ Da griff der 94-Jährige empört zu seinem Stock: „Den hat er mir entrissen und in die Ecke geworfen.“ Siegfried T. war von Beruf Spengler und Spezialist für Kirchtürme: „Aber heute fehlt mir halt die Kraft. Ich überlegte die ganze Zeit, wie ich den Kerl aus der Wohnung bringen könnte.“ Als der Täter nach nebenan ging, sah der 94-Jährige eine Chance: „Ich hab den Sessel vor die Tür geschoben, das Fenster aufgerissen und laut „Hilfe! Polizei!“ gerufen. Die Nachbarin hörte ihn. Der Täter floh.

Verzweifelt stellte Siegfried T. fest, dass der Räuber nicht nur die 200 Euro aus seiner Geldbörse, sondern auch seine Rente für den Rest des Monats und – ganz schlimm – die teure Spezialsonnenbrille für seine sehr empfindlichen Augen gestohlen hatte.

Die Not des 94-Jährigen hat eine Welle der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls bei den tz-Lesern ausgelöst. Bis Freitag gingen in der Redaktion bereits rund 1400 Euro Spendengelder sowie Briefe und Postkarten mit liebevollen, persönlichen Zeilen (siehe unten) ein. Das Geld liegt bereits sicher auf Siegfried T.s Konto. Die Rente ist damit ersetzt und auch die neue Brille. Es bleibt sogar noch etwas übrig für einen kleinen Sonderwunsch.

Am Freitag sagte Siegfried T.: „Richten Sie den tz-Lesern aus, dass ich überwältigt und tief berührt bin. Vielen, vielen Dank Ihnen allen und vergelt’s Gott.“

Dorita Plange

Die rührenden Worte und Spenden unserer Leser

Es sind Briefe und Besuche von Menschen, die das Unrecht wieder gutmachen möchten, das Siegfried T. widerfuhr. Liebevolle Menschen, die mit dem Herzen sehen. Und die anonym bleiben möchten: Der Mann, der selbst nur eine kleine Rente hat, aber mit frohem Herzen 20 Euro gab. Die Mitarbeiterin einer Hausverwaltung, der das Schicksal älterer Menschen niemals gleichgültig ist. Die Rentnerin, die 50 Euro gab und schrieb: „Es gibt Menschen, die noch an das Gute glauben.“ Die ältere Dame, die extra in die Redaktion kam, um zu fragen, wie sie helfen kann. Die anonyme Spenderin, die die enorme Summe von 500 Euro schickte. Die Frau, die zu ihrer Spende schrieb: „Ein Mensch, der nur an sich denkt, kann nicht glücklich sein. Eine kleine Hilfe von einem fröhlichen Menschen.“ Der Verein „Polizisten helfen“, bei dem sich eine Beamtin meldete, die Siegfried T. die ganze gestohlene Rente ersetzen will. Und sogar ein Frauenstammtisch, der 110 Euro sammelte, eine Pralinenschachtel dazulegte und schrieb: „Wütend über die Feigheit und Gemeinheit dieser Tat und traurig, dass die Wertschätzung für ältere Personen verloren geht. Verschließen Sie nicht Ihr Herz vor den Menschen, denn es gibt sie noch, die mit dem Herzen sehen. Ich denke, dass Gott Sie liebt und er hat 94 Jahre auf Sie aufgepasst . Nur an diesem Tag hatte er wohl einen Krümel im Auge. Ich bete für Sie, dass Sie vergessen können und dass unser Hergott da oben seinen Job wieder gut macht“.

DOP

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