Über Nacht meldeten sich 10 Vermieter

Bei den tz-Lesern ist die Mama willkommen

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Sabrina Kieselbach (r.) bei der Wohnungsbesichtigung mit Magdalena Tallosy.

München - Als Magdalena Tallosy die Geschichte der Wohnungs-Odyssee in der tz gelesen hat, wählte sie sofort die Nummer der Redaktion. Sie wollte der armen Mutter (23) helfen.

Magdalena Tallosy (69) öffnet die Mikrowelle, nimmt einen Teller heraus und geht auf ihre Terrasse. Dort sitzen zwei ältere Damen, eine isst schon. Der anderen stellt Tallosy den dampfenden Teller vor die Nase. Es riecht nach Linsensuppe. „Willkommen in meinem Dreimädelhaus“, sagt die 69-Jährige und lächelt. In ihrem großen Haus mit grünem Garten, mitten in Solln, lebt sie nicht allein. Die gelernte Altenpflegerin betreut die beiden älteren Frauen, die sich nicht mehr um sich selbst kümmern können. Nun möchte Tallosy sich auch um Sabrina Kieselbach (23, Name geändert) kümmern. Und aus dem Dreimädel- ein Fünfmädelhaus machen.

Auch die 23-Jährige ist nicht allein: Sie hat eine kleine Tochter, Evelyn, vier Wochen alt. Seit ein paar Wochen lebt Kieselbach mit ihr im Karla 51, einem Obdachlosenheim für Frauen in München. Denn: Eine eigene Wohnung gibt ihr keiner. Die alleinerziehende Mutter war schon bei 59 Vermietern – die Absagen waren fast immer gleich: Die kleine Evelyn ist das Problem. „Das haben viele sogar zugegeben“, sagt Sabrina Kieselbach. Weil Kinder schreien. „Niemand will eine alleinerziehende Mutter.“

Magdalena Tallosy schon. Als sie am Donnerstag die Geschichte der Wohnungs-Odyssee in der tz gelesen hat, wählte sie sofort die Nummer der Redaktion. Drei Stunden später der erste Besichtigungs-Termin: Die junge Mutter steht mit Evelyn auf dem Arm in dem kleinen Appartement direkt unter dem Dach. Dort gibt’s alles: Bett, Einbauschrank, Dusche, Küche. Eine kleine Dachterrasse gehört auch dazu, untem im Garten wachsen Rosen. Vermieterin Tallosy will 250 Euro – kein Problem für die junge Mutter. Etwa 2000 Euro werden jeden Monat auf ihr Konto überwiesen – Elterngeld, Kindergeld und Unterhalt vom Vater, der in Österreich lebt.

Sabrina Kieselbach könnte sofort ins Dreimädelhaus einziehen, wenn sie will. Allerdings hat sie jetzt sogar noch einige andere Möglichkeiten. Denn: Nach dem tz-Bericht haben sich insgesamt zehn Vermieter bei uns gemeldet, die Sabrina und Evelyn aufnehmen würden. Die Weltstadt zeigt Herz!

Sabrina könnte dann endlich wieder warm kochen. Momentan geht das nicht – im Obdachlosenheim hat sie keinen Herd. Bis Mitte Juli ist sie im Karla 51 noch geduldet, dann muss sie raus. Magdalena Tallosy schüttelt den Kopf. Dann verschränkt sie die Arme, presst die Lippen aufeinander. „Es ist eine Sauerei, dass dieses Mädchen und ihre Tochter nichts finden“, sagt sie. Sie blickt zur kleinen Evelyn, die die ganze Zeit selig auf dem Arm ihrer Mutter schläft. Und wenn sie mal schreien sollte, macht das auch nichts …

Patricia Kämpf

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