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Rentnerin weiß nicht mehr weiter

Schimmel! Mieterin spült Geschirr im Bad und schläft im Wohnzimmer

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Fühlt sich alleingelassen: Cornelia Stelzer ist aufgrund der mangelnden Unterstützung verzweifelt.

München - Eine tz-Leserin lebt in einer von Schimmel befallenen Wohnung. Vom Vermieter bekommt sie nicht die erhoffte Hilfe. Doch wer ist in so einem Fall überhaupt zuständig?

Hier wohnt Cornelia Stelzer.

Cornelia Stelzer (65) hat Angst - vor dem Feind in ihrer eigenen Wohnung. Es schimmelt in der Wohnung der Rentnerin in der Merzbacher Straße (Neuhausen/Gern). Und Cornelia Stelzer sagt: „Dieser Schimmel macht mich krank.“ Jetzt geht’s darum, wo die Ursache liegt und wie man solche Probleme in Zukunft vermeiden kann. Stelzer sagt, es gebe einen Baumangel. Sie will, dass ihr Vermieter Abhilfe schafft. Der Vermieter wiederum meint, dass die Mieterin falsch lüftet und deshalb selber schuld ist. Die Lage ist verfahren…

Stelzer hatte den Schimmel im Schlafzimmer unter der Heizung gefunden. Zwar haben Handwerker den schwarzen Pilz zwischenzeitlich mit Chlorspray und einem Neuanstrich entfernt, dennoch schläft Cornelia Stelzer weiterhin im Wohnzimmer. Denn auf das Chlorspray hat sie allergisch reagiert, ihr Gesicht war aufgedunsen. Den Maler hat sie außerdem sogar noch selbst bezahlt, da ihr Vermieter nicht reagiert hatte. Und: Das Problem ist damit nicht beseitigt… „Der Schimmel kommt wieder, er wächst ohne Ende. Die Ursache ist ja nicht beseitigt“, sagt die 65-Jährige, die über Asthma klagt.

Schimmelbefall in der Wohnung von Cornelia Stelzer.

Woher kommt der Schimmel?

Doch nachzuweisen, dass der Schimmel für die Verschlimmerung ihrer Beschwerden verantwortlich ist, ist schwierig - trotz eines ärztlichen Attests. Zudem ist nicht offiziell erwiesen, woher der Schimmel in dem Gebäude aus dem Jahr 1940 überhaupt kommt. Handelt es sich tatsächlich um einen Baumangel, wäre der Vermieter in der Pflicht. Doch dies weist jener Vermieter, der Gemeinnützige Wohnungsverein, von sich. Er hat Cornelia Stelzer schriftlich mitgeteilt, sie müsse fachgerecht lüften. „Damit ist es aber längst nicht getan. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagt die 65-Jährige. Die tz fragte auch beim Gemeinnützigen Wohnungsverein an, bekam aber bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Stellungnahme - die Begründung: Man habe mehr als 3000 Mieter und sei deshalb zu beschäftigt.

Schimmelbefall in der Wohnung von Cornelia Stelzer.

Cornelia Stelzer behilft sich einstweilen, so gut sie kann, schläft im falschen Zimmer. Und: Sie macht sich Gedanken über das andere Problem, das sie in ihrer Wohnung hat. Denn: Handwerker haben laut Stelzers Aussage die Küche falsch eingebaut, so dass das Wasser aus der Spüle nicht mehr abläuft. In der Folge kann die Rentnerin auch die Küche nicht richtig nutzen und spült ihr Geschirr im Bad. Im Streit mit den Handwerkern, die sie selbst bezahlte, hat sie einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Immerhin sieht dieser sehr gute Chancen, dass die Spüle nun doch fachgerecht eingebaut werden muss. Es wäre immerhin eine kleine Erleichterung…

Wichtige juristische Tipps

Schimmel ist gefährlich - besonders für Allergiker und Asthmatiker, aber auch für gesunde Menschen. Er kann viele Probleme auslösen, von tränenden Augen über Probleme beim Atmen, Reizung der Mundschleimhäute und des Rachens, Irritationen der Haut, Beschwerden in Magen, Darm oder den Gelenken bis zu bleierner Müdigkeit.

Schimmel ist weit verbreitet. Nach einer repräsentativen Studie von Immowelt aus dem Jahr 2012 wohnt jeder sechste Deutsche in ­einer Schimmelwohnung. Weil die Gebäude immer besser abgedichtet sind, steigt die Zahl der Schimmelwohnungen. In 17 Prozent der Wohnungen schimmelt es in mindestens einem Raum. In mehr als der Hälfte betrifft das das ­Badezimmer, aber in 38 Prozent der Fälle ist der Schimmel auch im Schlafzimmer zu finden. Mindestens sieben Prozent der Kinder in Deutschland wachsen in einer Schimmelwohnung auf.

Schimmelt es in einer Wohnung, sollten die Mieter sofort reagieren. Mieter können die Miete mindern, da der Schimmel die Wohnqualität beeinträchtigt. Zuvor muss man den Vermieter auffordern, den Schimmel zu beseitigen. „Sobald man den Schimmel entdeckt, sollte man den Vermieter darüber informieren und die Miete nur noch unter Vorbehalt bezahlen“, rät Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München. „Eine 100-prozentige Mietminderung kommt natürlich nur bei extremem Befall infrage, wenn die Wohnung absolut unbewohnbar ist. Aber Mietminderungen zwischen 20 und 50 Prozent sind häufig gerechtfertigt.“

Mindern kann der Mieter nur, wenn er keine Schuld an dem Schimmelbefall trägt. Schimmel kann durch mangelhafte Bausubstanz hervorgerufen werden, aber auch durch fehlerhaftes Wohnverhalten. Es reicht aber nicht, wenn der Vermieter einfach sagt, der Mieter sei schuld, weil er nicht genug lüfte. Ist zwischen den Vertragsparteien streitig, wer für den Schimmel verantwortlich ist, muss zunächst der Vermieter beweisen, dass keine Baumängel die Feuchtigkeitsschäden verursacht haben.

Der Vermieter muss den Mieter informieren, wie die Wohnung zu heizen und zu lüften hat. „Wenn Isolierglasfenster neu eingebaut werden, und erfordert dies ein geändertes Lüftungsverhalten. Der Vermieter muss hierüber aufklären. Versäumt er dies, ist er für die Schimmelbildung verantwortlich“, erklärt Anja Franz.

Mieter müssen stets ausreichend lüften. Nach neuester Rechtsprechung ist drei- bis viermaliges Stoßlüften pro Tag auch einem berufstätigen Mieter zumutbar. So entschied das beispielsweise 2015 das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2-17 S 51/14). Übrigens ist die Luft selbst bei Regen draußen trockener als die Raumluft.

Susanne Sasse

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