Richard-Strauss-Tunnel erhöht die Lebensqualität

München atmet auf

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Früher blickte Familie Weber auf eine stinkende, laute Blechlawine - heute genießt sie den Ausblick auf den Park.

München - Die Menschen trinken Kaffee auf dem Balkon und blicken auf die grüne ruhige Straße am Mittleren Ring herab, in den Bäumen zwitschern Vögel und gegenüber weiden Schafe. Das ist die Richard-Strauss-Straße.

Genauer gesagt die Richard-Strauss-Straße der 50er Jahre und die der Zukunft, von den Schafen einmal abgesehen. Nachbar Nikolaos Merianos (73), Hausnummer 29, hat sie damals so erlebt. Und sieht sie heute schon fast wieder so weit. „Die Lebensqualität hier hat sich schon 80 bis 90 Prozent verbessert“, sagt Merianos. Seit einer Woche, seit die Blechlawine durch den Richard-Strauss-Tunnel rollt. Seitdem kann er wieder die Fenster zur Straße öffnen.

Eine Stadt atmet auf: Der Tunnel im Osten Münchens ist der zweite vollendete der drei geplanten Röhren am Mittleren Ring. Durch den Petueltunnel donnern die Autos seit 2002, am Samstag wurde der Bau in der Richard-Strauss-Straße eingeweiht, 2015 soll der Verkehr durch eine Röhre unter dem Luise-Kiesselbach-Platz im Südwesten der Stadt rollen. Die Projekte ersparen den Tausenden Nachbarn Lärm, Feinstaub und womöglich auch Stau. Sie geben den Münchnern auch ein Stück München zurück.

Die Eröffnung des Richard-Strauss-Tunnels

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Nachbar Merianos von der Richard-Strauss-Straße kann es beurteilen: Er kennt das Pflaster seit den 50er Jahren. Damals kommt der gebürtige Grieche aus Sparta nach München, wird Ingenieur, lernt Ursula kennen und zieht mit ihr in den vierten Stock. Erst Ende der 60er Jahre nimmt der Verkehr die Stadt in den Würgegriff, der Mittlere Ring wird durch Wohngebiete gepflastert. Merianos kann die Fenster in Arbeits- und Schlafzimmer höchstens noch nachts kippen. Die Nachbarn benutzen die Balkone überhaupt nicht mehr, einer nagelt ihn sogar zu. Merianos hat Glück: Sein Balkon befindet sich hinter dem Haus.

Mit den Nachbarn macht er Druck, treibt in Versammlungen das Bürgerbegehren für die Tunnels voran – sie haben Erfolg. Bis Ende 2010 will das Baureferat noch 900 bis zu sechs Meter hohe Linden pflanzen. Breite Fuß- und Radwege sind geplant.

Und das Beste daran: Das Wohnen wird wohl nicht teurer. Prof. Stephan Kippes vom Immobilienverband IVD spricht zwar vom „Tunnel-Effekt“, der habe sich aber wenn überhaupt bereits vor Jahren bei Ankündigung des Tunnels ausgewirkt. Heike Piasecki vom Institut BulwienGesa bestätigt: „Schon beim Petueltunnel hat es keine nennenswerten Sprünge gegeben.“ Der Chef von Münchner Bank Immobilien, Jan Schneider, glaubt an maximal 10 Prozent plus für neue Mieter. Die bestehenden Mieten dürfen ohnehin nur innerhalb der gesetzlichen Grenzen steigen.

Nachbar Merianos freut sich. Der Ingenieur sagt: „Jetzt kommt das urbane Leben.“ 2010 wird die Fassade seines Hauses hergerichtet. Er und seine Nachbarn werden endlich belohnt für all die Jahre Dreck und Krach. Weggewollt hat er nie: „Ich habe versucht, woanders hinzuziehen. Aber ich fühlte mich da nie zu Hause.“

David Costanzo

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