Streik: Gewerkschaft will ab Montag Nahverkehr lahmlegen

Jetzt kommt die Schockwellen-Strategie

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Nix geht mehr: In München kommt es zum Dauerstreik. Ab Montag geht's los

München - Der Streit um höhere Gehälter – jetzt geben die U-Bahn-, Tram- und Busfahrer  richtig Vollgas. In einer Urabstimmung sprachen sich gestern satte 97,5 Prozent der bayerischen Gewerkschaftsmitglieder für einen unbefristeten Streik aus.

Heißt: Bald stehen in München wieder fast alle öffentlichen  Verkehrsmittel still.  Nur diesmal wird der Kampf knallhart: Denn zum einen will die Gewerkschaft noch nicht verraten, wann es genau losgeht  – und zum anderen ist noch geheim, wie lange dann die Arbeit niedergelegt wird. 

Aus gut informierten Quellen erfuhr die tz aber: Ab Montag soll es eine regelrechte Schockwelle an Streiks geben!
„Tatsache ist, dass mit der Abstimmung nun alle Zeichen endgültig auf Streik gestellt sind“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Frank Riegler zu dem Ergebnis vom Dienstag. „Die Beschäftigten im Nahverkehr waren über Jahre von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt – nun wollen sie eine angemessene Lohnerhöhung.“ Und: Es sei damit zu rechnen, dass der Streik am Wochenende beginne.

Die tz erfuhr, dass wohl am Samstag im Bereich Franken (Nürnberg etc.) die Betroffenen die Arbeit niederlegen, München steht am Montag auf dem Streikplan. Wie lange dann keine U-Bahn, Tram und Bus fährt, will die Gewerkschaft aber noch nicht sagen. Der Grund: Es gibt eine Schockwellen-Strategie. Bedeutet: Am Montag wird gestreikt (am Dienstag hingegen nicht), am Mittwoch könnte wieder die Arbeit niedergelegt werden – und dann wieder am Freitag. Teils plant man auch, mal nur ein Verkehrsmittel (also beispielsweise die U-Bahn) aus dem Verkehr zu nehmen – für ein paar Stunden. „Wir werden aber immer die Öffentlichkeit noch rechtzeitig über unsere Pläne informieren, damit sich die Pendler natürlich darauf einstellen können“, so ein Gewerkschafter zur tz.

Durch die Taktik soll besonders die MVG als Arbeitgeber unter Druck gesetzt werden. Und die Gewerkschaft machte auch klar: Die Streiks würden nur abgesagt, wenn die Arbeitgeber schnell „ein vernünftiges Angebot“ auf den Tisch legen. MVG-Chef Herbert König meinte dazu, dass „ein Streik allen schade“.  Jetzt gehe es darum, schnell die „Alternativen auszuloten“. Steht da doch noch eine rechtzeitige Lösung an? 

Die Gewerkschaft hatte für das laufende Jahr 9,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 250 Euro gefordert. Der Kommunale Arbeitgeberverband hatte ab 1. April eine auf zwei Jahre verteilte Erhöhung um insgesamt 6,95 Prozent, eine Einmalzahlung von 120 Euro im Januar 2011 sowie eine Erhöhung der Schichtzulage von 130 auf 200 Euro angeboten. Im Gegenzug verlangten die Arbeitgeber aber eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ab 1. Juli 2010 von 38,5 auf 39 Stunden. ­„Inakzeptabel“ nannten das die Arbeitnehmer. Und jetzt kommt der große Streik – der erste unbefristetete seit 1992 übrigens…

Armin Geier

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