Geld aus Konjunkturpaket für halb so lauten Asphalt

Münchens Straßen werden leiser

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Bauarbeiter Johann Schambeck lauscht am neuen leisen Asphalt. Durch die Zwischenräume in der rauen Oberfläche kann die Luft entweichen, die die Reifen beim Abrollen zusammendrücken. Auf glattem Belag entsteht dabei ein Pfeifton

München - Münchens Straßen werden leiser – dank der Finanzmarkt-Krise: In der Moosacher, Fürstenrieder und Chiemgaustraße wurde in den Ferien lärmarmer Asphalt eingebaut, pünktlich zum Wiesnbeginn wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Möglich wurden die Sanierungen durch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung, das die Folgen der Finanzmarktkrise abfedern soll.

In der Chiemgaustraße haben die Bauarbeiter zwischen Pfälzer-Waldstraße und Rosenheimer Straße die alte Asphalt-Decke abgefräst und durch eine leisere Asphaltschicht ersetzt, ebenso in der Fürstenrieder Straße zwischen Waldfriedhofstraße und Lindauer Autobahn sowie in der Moosacher Straße zwischen Riesenfeld- und Lerchenauer Straße.

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Der neue Asphalt besteht aus grobkörnigem Splitt, zwischen dem sich Hohlräume bilden. Diese Hohlräume schlucken vor allem die Reifengeräusche der Autos.

Richard Bartl, städtischer Baustellenkoordinator: „Wir versprechen uns eine Lärmminderung von vier Dezibel“. Ab drei Dezibel spricht man von einer Halbierung der Lautstärke. An den Straßen, auf denen der neue Asphalt aufgebracht wird, wurden vor der Sanierung 7,5 Meter von der Fahrbahnmitte entfernt über 70 Dezibel tagsüber gemessen! Das entspricht dem Lärm eines Staubsaugers aus einem Meter Entfernung.

Was die neuen Straßenbeläge tatsächlich bringen, sollen Lärmmessungen ergeben, die man schon vor der Sanierung gemacht hat und die bald wiederholt werden sollen. Denn bislang gibt es noch wenige Erfahrungen mit lärmarmen Asphalten innerorts, bislang wurden sie vor allem auf Autobahnen aufgebracht – etwa auf der A 9 bei Garching und am Ende der A 95 in Sendling.

Die Regierung von Oberbayern bewilligte der Stadt München Mittel aus dem Konjunkturpaket II zur Sanierung der ohnehin maroden Straßen mit dem leisen Asphalt, zumal hier der Verkehr exorbitant hoch ist und dort Menschen wohnen. So wälzen sich alleine in der Chiemgaustraße in Giesing täglich 51 000 Autos an den mehrgeschossigen Wohnblocks vorbei. Von den 6,5 Millionen Euro, die die Stadt in den nächsten beiden Jahren für die leisen Straßen ausgibt, werden 87,5 Prozent vom Staat übernommen.

Allerdings ist der lärmarme Asphalt auch zehn bis 30 Prozent teurer als der herkömmliche Straßenbelag. Da es sich aber um ein Pilotprojekt handelt, müssen die Hausbesitzer keine Straßenausbaubeiträge bezahlen, die ansonsten fällig würden.

Auch in anderen Stadtteilen können lärmgeplagte Anwohner bald aufatmen: In den Sommerferien des kommenden Jahres sollen die Wasserburger Landstraße östlich der Friedenspromenade, die Landsberger Straße zwischen Am Knie und Lohensteinstraße sowie zwischen Fürstenrieder Straße und Elsenheimerstraße sowie die Orleansstraße zwischen Rosenheimer Straße und Orleansplatz lärmarmen Asphalt bekommen.

Bartl hofft, dass man mit den neuen Straßenbelägen gute Erfahrungen macht: „Auf Autobahnen verstopfen die Poren des lärmarmen Straßenbelages nicht so schnell. Wie es innerorts ist, wissen wir noch nicht, ebenso, wie schnell der neue Asphalt sich abnutzt.“ In der Verdistraße hat die Stadt vor 15 Jahren schon mal schlechte Erfahrungen mit einem anderen lärmarmen Belag gehabt. Bartl: „Weil die Randsteine das Wasser, das durch die Poren rann, nicht abfließen ließen, wurde die Straße durch den Frost aufgesprengt und musste nach drei Jahren komplett erneuert werden.“ Das soll bei den neuen Belägen nicht passieren.

Johannes Welte

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