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Papierflieger auf Rekordjagd

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Ausgeholt und abgehoben. © Westermann

Kinder lieben es: Papierflieger falten und wetteifern, welcher am weitesten fliegt. Mit Kinderspielen war der Papierflieger-Wettbewerb Red Bull Paper Wings am Samstag nicht zu vergleichen.

In der Flugwerft in Oberschleißheim kämpften 68 Flugzeugfalter mit ausgetüftelten Konstruktionen um den deutschen Meistertitel.

Die besten Bilder von der Red Bull Paper Wings 2009

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„Um hier zu gewinnen, muss alles stimmen“, sagt Philipp Gebhardt, der Sieger des ersten Red Bull Paper Wings 2006. „Ohne die richtige Konstruktion, Falttechnik und eine millimetergenaue Ausführung kann man nicht mithalten.“ Heute, beim zweiten Wettbewerb, hat jeder Teilnehmer eine halbe Stunde Faltzeit, um ein handelsübliches DIN-A4-Blatt in ein aerodynamisches Wunderwerk zu verwandeln. Jeder Handgriff muss sitzen. Es geht um viel: Die Sieger der drei Disziplinen „weiteste Strecke“, „längste Flugzeit“ und „Kunstflug“ qualifizieren sich für das Weltfinale in Salzburg. Dort tritt vom 1. bis 3. Mai die Papierflug-Elite aus 85 Nationen an. Allein in Deutschland haben mehr als 3000 Flugzeugfalter an den Vorausscheidungen teilgenommen.

Die Besten sind heute hier. Da­runter Waldemar Hoffmann. Seine Disziplin ist „Kunstflug“. Der Modellbauer und Segelflieger hat sich akribisch auf den Wettbewerb vorbereitet: „Ich habe unzählige Modelle ausprobiert, bis ich das passende in einem Papierfliegerbuch aus Kindertagen gefunden habe.“ Mehr als 60 Bögen hat der 29-Jährige verbraucht, um das Flugzeug perfekt falten zu können.

Noch ist Waldemar Hoffmann aber nicht dran. Erst kommt die Disziplin „weiteste Strecke“. Vor den echten Flugzeugen, die in der Flugwerft ausgestellt sind, treten die Teilnehmer zum Start an. Von der Weltbestmarke – 63,19 Meter – sind die Versuche in der Halle aber weit entfernt. Mit 29 Metern und 70 Zentimetern geht Eric Hadulla aus Kaiserslautern vorest in Führung und nimmt auf dem Sessel für den Erstplatzierten Platz – ein ausrangierter Flugzeugsitz. Er ist zufrieden mit seinem Ergebnis. „Vielleicht habe ich ein bisschen zu fest geworfen, meine ganze Schulter tut weh. Aber das war’s mir wert.“ Sein Modell: ein dünner, stromlinienförmiger ­Papierflieger.

Die „Werfer“-Modelle, wie sie Eric Hadulla baut, sehen aus wie Pfeile. Ihre kleinen Tragflächen und der schlanke Rumpf bieten kaum Widerstand, wenn sie durch die Luft flitzen. Entscheidend bei diesem Modell ist allein die Kraft, mit der geworfen wird. Daher die schmerzende Schulter.

Die „Gleiter“ sind das genaue Gegenteil der „Werfer“. Mit ihren großen Tragflächen schweben sie langsam wie auf einem Luftpolster zu Boden. Wer hier die Wurftechnik nicht beherrscht, hat keine Chance. „Wenn man zu fest wirft, verzieht der Flieger in eine Richtung, wirft man zu leicht, dann kommt er nicht weit genug“, erklärt Marcus Kreutziger. Er tritt in der Disziplin „längste Flugzeit“ an und ist zuversichtlich: „Ich kann zwar nur einen einzigen Flieger bauen – der ist dafür aber richtig gut.“ Sein Modell blieb bei den regionalen Vorausscheidungen in Chemnitz mit 13,6 Sekunden am längsten in der Luft. Heute klappt’s nicht ganz so lange. Er wirft zwar mit viel Gefühl, doch der Flieger macht, was er will, sackt zu schnell ab und landet hart: Aus in der Vorrunde!

Mehr Glück hat Waldemar Hoffmann beim Kunstflug: Er gewinnt und darf mit den Siegern der beiden anderen Disziplinen, Christoph Sahr (Weite: 31,5 Meter) und Artöm Khassanov (Flugdauer: 6,93 Sekunden) zum Weltfinale nach Salzburg! Bis zum WM-Titel ist es für die drei noch ein weiter Weg. Ihre neuen Papierflieger müssen im Finale immerhin gegen die besten der Welt bestehen – also schnell zurück an den Konstruktionstisch!

Christoph Lang

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