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Piraten greifen Münchner Kreuzfahrtschiff vor Somalia an

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MSC Melody
MSC Melody © AP

Ein Knall! Noch einer! Die Passagiere sitzen gerade bei einer Klassik-Show an Bord, es gibt ein Sechs-Gänge-Menü.

Sie glauben zuerst an ein Feuerwerk. Aber Kapitän Ciro Pinto begreift schnell: Unser Kreuzfahrtschiff wird angegriffen, von Piraten! Er befiehlt den Passagieren: Sofort in die Kajüten und die Lichter löschen! Dann ordnet er an, gegenzufeuern. „Es war wie im Krieg“, erzählt Kapitän Ciro Pinto später.

Das 532 KajütenSchiff MSC Melody des Unternehmens MSC Crociere, das seine Deutschlandzentrale in München hat, war auf einer 22-tägigen Kreuzfahrt von Durban in Südafrika nach Genua und gerade 330 Kilometer entfernt von Port Victoria auf den Seychellen, als der Angriff erfolgte. Rund 1500 Menschen, darunter 38 deutsche Passagiere, entkamen nur knapp einer Katastrophe. Weil der Kapitän blitzschnell reagierte: Gegen 22.35 Uhr Ortszeit fallen plötzlich Schüsse. „Es waren sechs Piraten in einem kleinen weißen Boot“, berichtet Kapitän Pinto einem italienischen Fernsehsender. „Sie schossen an die 200 Mal, wahrscheinlich aus Kalaschnikows.“ Pinto geht sofort aufs Kommandodeck, dort liegen die Waffen im Safe. Er befiehlt seinen isarelischen Sicherheitsmännern, zurück zu schießen. Sogar Feuerlöscher kommen zum Einsatz. Pinto weist einen Zick-Zack-Kurs an, so dass die Piraten nicht an Deck kommen können. Irgendwann geben sie schließlich auf und flüchten.

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Keiner der 1000 Passagiere, die vor allem aus Spanien, Italien und Frankreich stammen, und 500 Besatzungsmitglieder sei verletzt worden, so Sprecherin Amalie von Hinueber. Ein deutscher Passagier berichtete Spiegel Online, dass er erst am Morgen erfahren habe, dass das Schiff nicht gekapert worden sei. Einschusslöcher zeugen von einem harten Kampf: In einem Fenster zu einem der Rauchersalons seien die Löcher zu sehen. Das Schiff sei leicht beschädigt worden, einige Kugeln haben offenbar den Rumpf getroffen. Eine Weiterfahrt raus aus dem Gefahrengebiet war trotzdem möglich. Freilich nur noch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen: Ein Militärschiff der internationalen Marineverbände eskortiert das Schiff auf dem planmäßigen Weg nach Akaba in Jordanien.

MSC-Sprecherin von Hinueber betonte, dass die Reederei von dem Angriff völlig überrascht worden sei. „Das Schiff war auf einer Überführungsfahrt, wie immer am Ende einer Saison üblich. Diese Strecke gehört nicht zu einer üblichen Kreuzfahrt-Route. Trotzdem wird der Vorfall sicher Auswirkungen haben auf die künftige Routenplanung.“ Es sei der erste Piratenangriff auf ein Kreuzfahrtschiff der Reederei gewesen, fügte sie hinzu. Dass das Unternehmen die Gefahr aber schon früher gesehen hatte, zeigt eine Routenänderung erst Mitte April. MSC strich einen Zwischenstopp und hielt einen größeren Abstand zur somalischen Küste.

Genützt hat das leider nicht. Hätte der Kapitän nicht so mutig reagiert, wären nun erstmals hunderte Privatpersonen in Gefangenschaft. Die Piraten aber, die unerkannt flüchten konnten, lauern wohl schon auf eine neue Chance.

nba

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