Liebes-Drama im Lehrerzimmer

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Das Lehrerzimmer im ersten Stock des Feodor-Lynen-Gymnasiums war Schauplatz des Dramas

Planegg - Ein Büro-Helfer hat in einem Planegger Gymnasium eine Lehrerin als Geisel genommen. Wie die Polizei den Täter überwältigte und wie 1000 Schüler das Drama erlebten, lesen Sie hier.

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Polizeieinsatz am Planegger Gymnasium

Sechs Polizei-Einsatzwagen stehen im Pausenhof des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums. Es herrscht gespenstische Stille. Eine Schülergruppe geht zur Nachmittagsbetreuung. Sie sprechen, sie scherzen nicht. Ein Elfjähriger sagt nur: „Wir hatten total Angst.“ Wenige Stunden vorher war das Unfassbare geschehen: Im Lehrerzimmer zückte Büro-Hilfe Andreas D. (38) ein Messer und attackierte die schöne Spanischlehrerin Judith E. (27). Aus verschmähter Liebe. Und Dutzende Schüler erlebten das Drama live mit!

Das Lehrerzimmer im ersten Stock des Feodor-Lynen-Gymnasiums war Schauplatz des Dramas

Es ist Donnerstag gegen 11 Uhr. Judith E. nutzt die kurze Pause vor ihrer Sprechstunde, geht Richtung Lehrerzimmer. In anderen Räumen der Schule wird derweil unterrichtet, ein Schüler (17) berichtet: „Zuerst haben wir nur Gebrüll gehört, dann den Schrei einer Frau.“ Dann ist alles still, bis die Polizei anrückt. Schwer bewaffnet. „Schießt doch, schießt doch, dann ist es vorbei“, ruft eine Männerstimme.

In diesen Minuten erlebt Spanischlehrerin Judith E. die Hölle auf Erden. Ihr Peiniger, der große, bullige Büro-Helfer Andreas D. (38), hat sie abgepasst. Er umklammert sie, drückt ihr ein scharfes, 15 Zentimeter langes Küchenmesser an den Bauch und dirigiert sie ins Lehrerzimmer. Er verlangt eine Aussprache. Jetzt. Aus Liebe. Einer Liebe, die Judith E. nicht erwidert. Deshalb hat D. im Mai bereits seinen Ein-Euro-Job am Gymnasium verloren. Judith E. und ihr Lebensgefährte hatten Anzeige wegen Beleidigung und Bedrohung erstattet. Die Polizei spricht von einem „typischen Stalker“, einem Mann, mit offensichtlich psychischen Problemen. Sprecher Peter Reichl: „Gerade die Täter, die nicht rational handeln, sind extrem gefährlich.“

Zum Zeitpunkt der Attacke sind vier weitere Lehrer im Lehrerzimmer. Sie können über die Galerie aus dem Raum flüchten, verständigen die Polizei. Auch das SEK wird gerufen. Doch die Beamten aus Planegg sind zuerst am Tatort, beginnen mit dem Geiselnehmer zu verhandeln. Da legt er für einen kurzen Moment das Messer weg. Und sechs Polizisten schlagen zu. Sie stürmen ins Zimmer und überwältigen Andreas D. Gegen 12 Uhr ist das Drama unblutig beendet.

Polizeisprecher Peter Reichl betonte am Donnerstag: „Die anwesenden Polizeikräfte und auch die Lehrer haben sich vorbildlich verhalten.“ Die Rektorin und andere Lehrkräfte waren von Zimmer zu Zimmer geeilt, lotsten die Schüler in die Aula und auf eine große Wiese. Binnen weniger Minuten waren 1000 (!) Teenager in Sicherheit gebracht.

Musiklehrerin Jeanny Schlimpen schickte am Nachmittag die in der Schule verbliebene Gymnasiasten heim

Kurz nach 12.30 Uhr machte Direktorin Brigitte Schmid-Breuning die erlösende Durchsage: „Wir hatten eine kritische Situation, es muss sich aber niemand mehr Sorgen machen. Die Hausaufgabenbetreuung findet trotzdem statt.“ An Unterricht aber war nicht mehr zu denken. Auch Musiklehrerin Jeanny Schlimpen schickte, „die wenigen Schüler, die noch in der Schule ausharrten, nach Hause“. Opfer Judith E. wird noch Stunden nach der Attacke vom Kriseninterventionsteam psychologisch betreut. Äußerlich ist sie unverletzt. Sie hat nach der Verhaftung ihres Peinigers nicht einmal geweint. Doch sie erlitt einen Schock. Die schrecklichen Bilder, die Worte von Andreas D., seinen Atem, den Druck des Messers – all das wird sie wohl nie vergessen können.

C. Detsch und N. Bautz

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