Polizist aus der Au weiß nichts mehr

Prügel-Opfer: "Die Spucke kam wie aus einer Kanone"

+
Der Prügel-Polizist Frank W. hinter einem Aktenordner, rechts Teresa Z.

München - Es war Notwehr: Das sagte der Polizist zum Prügel-Vorfall auf der Polizeiwache in Au auch im Berufungsprozess. Auch Teresa Z. sprach über den Vorfall.

Der Prügel-Polizist von der Au gibt sich auch beim Berufungsprozess ahnungslos. „Ich habe nicht einmal mitbekommen, dass ich mit der Faust zugeschlagen habe“, sagte der 34-jährige Frank W. am Dienstag vor dem Landgericht. Obwohl er den Schlag nicht mitgekriegt haben will, spricht der Beamte wieder von „Notwehr“ gegenüber Teresa Z.

Am 20. Januar 2013 war die junge Frau im Streifenwagen ausgetickt, weil sie sich zu Unrecht festgenommen fühlte. Vier Beamte schleppten die schreiende Frau gefesselt zur Wache. In der Polizeizelle wurde sie auf eine Pritsche gelegt, mehrere Beamte hielten sie fest.

„Ich habe ziemlich viel geweint und geschrien“, erinnert sich Teresa Z. Sie gibt zu, den Beamten angespuckt zu haben: „Die Spucke kam rausgeschossen wie aus einer Kanone.“ Frank W. behauptet, sie nach der Spuck-Attacke angeschrien zu haben: „Schluss jetzt!“ Teresa: „Daran kann ich mich nicht erinnern.“

Teresa Z. nach der Tat

Sekunden nach der Spuck-Attacke prallten zwei wuchtige Faustschläge in ihr Gesicht! Teresas Nasenbein brach, es kam zur Fraktur des Orbitabodens! Frank W. behauptet, aus Notwehr gehandelt zu haben. Obwohl die 24-jährige in der Zelle an den Händen gefesselt war und von mehreren Beamten fixiert wurde, habe sie ihm einen Kopfstoß versetzen wollen, sagt Frank W.: „Ihr Kopf kam auf mich zugerast.“

Das sei nicht wahr, betont Teresa Z., die ihre eigenen Taten wie ihre Beleidigungen ohne Umschweife zugibt. „Nach den Schlägen haben mich alle sofort losgelassen und sind aus der Zelle raus“, berichtet sie. „Mein Gesicht war voller Blut.“

Alles wie gehabt beim ersten Prozess am 6. August. Damals hatte ein Sachverständiger festgestellt, dass Theresa aus ihrer Lage heraus unmöglich dem Beamten einen Kopfstoß hätte verpassen können.

Der angeklagte Polizist kämpft um einen Freispruch, denn es geht um seinen Job. Bestätigen Richter Michael Schönauer und die beiden Schöffen das erstinstanzliche Urteil (10 Monate Haft mit Bewährung und 3000 Euro Geldauflage wegen Körperverletzung im Amt), wird Frank W. mit Sicherheit aus dem Dienst fliegen. Mit seiner Berufung hat er Zeit gewonnen. Und Zeit ist für ihn Geld. Bis zur Rechtskraft des Urteils bekommt der vom Dienst suspendierte Beamte noch sein Gehalt. Der Prozess geht am 10. März weiter.

Eberhard Unfried

Chronologie des Skandals in der Au

20. Januar 2013: Teresa Z. wird in der Zelle der PI Au geschlagen.

5. Februar: Die tz berichtet exklusiv über den Vorfall.

15. Februar: Die Polizei durchsucht Teresas Wohnung, beschlagnahmt ihr Handy. Man will ihr Kontakte zur Drogenszene nachweisen – ohne Erfolg.

22. Mai: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Frank W. wegen Körperverletzung im Amt. Der Beamte wird vom Dienst suspendiert.

4. August: Wegen Beleidigung erhält Teresa Z. einen Strafbefehl.

6. August: Das Amtsgericht verurteilt Frank W. zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

25. Februar 2014: Der Berufungsprozess beginnt.

Auch interessant

Kommentare