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Säge-Attentat auf Maibaum

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Maibaumwächter Heinz Seidenschwan (66) zeigt eine der zwei tiefen Kerben, die der Saboteur in den Stamm sägte. © Michael Westermann

Karl Bucher ist Vorstand des Gesamtvereins Moosach e.V. und im Allgemeinen ein sehr umgänglicher Zeitgenosse.

Am Montag allerdings war er sauer. Sehr, sehr sauer. Und das mit gutem Recht: Ein hinterlistiger Saboteur nämlich hat nicht nur seinen Verein, sondern möglicherweise das ganze Viertel um die Freuden des nagelneuen, stolzen Maibaums gebracht. Wochenlang haben die Vereinsmitglieder den Stamm aus dem Dachauer Hinterland nach altem Brauch bearbeitet, bemalt und verziert. Im Prinzip war er so gut wie fertig.

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Am späten Sonntagabend jedoch schlich ein Unbekannter in den Hof des Hacklhauses, wo das 25-Meter-Prachtstück Tag und Nacht gut bewacht wird. Kurz vor Mitternacht dann die Bescherung. Maibaum-Wächter Heinz Seidenschwan stellte als Erster fest, dass der Baum mit Absicht schwer beschädigt wurde. So schwer, dass ein TÜV-Gutachter am Dienstag klären muss, ob man den Baum überhaupt noch aufstellen kann.

Der Gesamtverein Moosach ist das Dach von insgesamt 25 Vereinen, die sich um die Förderung von Sport und Kultur im Viertel verdient machen. Seit 1982 residiert der Verein im sogenannten Hackl­haus am Moosacher St-Martins-Platz, wo der Maibaum am Freitag aufgestellt werden soll – oder sollte. Um 22 Uhr ging die Wachmannschaft am Sonntag für eine gute Stunde ins Haus. Durchs Fenster jedoch hatten sie den Baum sicher im Blick. Ein Diebstahl ist unmöglich. „Keiner rechnet mit einem Attentat. Das hat’s noch nie gegeben,“ schnaubte Bucher empört. Um 23.30 Uhr nämlich war’s passiert. Der Stamm wurde am unteren Ende an zwei Stellen drei Zentimeter tief angesägt. Und sein Kürzel hatte der Saboteur auch noch in eine weiße Raute geritzt: FRT – was immer das bedeutet. Bucher weiß es nicht: „Ich kenn‘ mich nicht aus mit Gaunerzinken.“

Bucher hat bei der Polizei Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet, gab 1000 Euro Schaden an. Polizeisprecher Wolfgang Wenger: „Im Wort Brauchtum ist schon enthalten, dass man dafür eigentlich keine Polizei braucht. Andrerseits: Eine Gefährdung braucht’s erst recht ned.“

Dorita Plange

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