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S-Bahn: CSU will jetzt Plan B

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Wegen der zahlreichen Verspätungen und Störungen auf der völlig überlasteten S-Bahn-Stammstrecke gab es bereits seit Anfang der 90-er Jahre Überlegungen für eine Entlastungsstrecke. © Schlaf

„Wir haben keinen Plan B“, musste Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein nach dem Scheitern des unbezahlbaren Transrapid gestehen, und dieser Stachel sitzt tief bei der Münchner CSU.

„Ein solches Debakel muss bei der 2. S-Bahnstammstrecke vermieden werden“, fordern Bezirkschef Otmar Bernhard und Rathaus-Fraktionsvorsitzender Josef Schmid. Alternativ solle auch der Südring, seit langem von den Grünen favorisiert, „in gleicher Tiefe“ untersucht werden.

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© Ertl

Deshalb wird die CSU am Mittwoch im Stadtrat nicht dem Vorschlag des Planungsreferates folgen, in der Stellungnahme der Stadt zum Projekt wie gehabt eindeutig auf die 2. Röhre zu setzen. Die Schwarzen wollen zweigleisig fahren und fordern überdies ein Gesamtkonzept für den Bahn-Knoten München. Dazu gehört auch der alte Wunsch nach einer Verlängerung der U5 von Laim nach Pasing. Bernhard dazu: „Das wäre ein wunderbarer Bypass für die S-Bahnstammstrecke.“

Außerdem soll der kürzlich vorgestellte „Nordtunnel“ geprüft werden, mit dem man sowohl das Problem der Anbindung des Flughafens an den Hauptbahnhof als auch die Integration Münchens an die „Transeuropäische Bahnmagistrale“ lösen könnte. Die Kosten werden allerdings jetzt schon auf rund 2,6 Milliarden Euro geschätzt.

OB Christian Ude hat nichts dagegen, dass bei einem „schwer finanzierbaren Projekt wie der 2. Stammstrecke eine Alternative geprüft wird, das müssten aber die Bahn als Betreiber und der Freistaat als Hauptfinanzierer entscheiden.“ Er warnt die Münchner CSU: „Sie kann sich nicht ungestraft vom Versprechen mehrerer Wahlkämpfe verabschieden.“

Momentan sieht Ude die Rathaus-SPD als einzig sichere Unterstützung von CSU und FDP in der Regierung. Otmar Bernhard will Überzeugungsarbeit im Landtag leisten, der wiederum dem Kabinett die Bedeutung eines Plan B nahelegen soll. Im Spätsommer fällt die Entscheidung.

bw.

Irre! Seit 10 Jahren Wirrwarr um die Stammstrecke

Wegen der zahlreichen Verspätungen und Störungen auf der völlig überlasteten S-Bahn-Stammstrecke gab es bereits seit Anfang der 90-er Jahre Überlegungen für eine Entlastungsstrecke. Im Interview Ende Dezember 1999 kündigte der damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu in der tz an, dass der Freistaat definitiv eine zweite S-Bahn-Stammstrecke bauen wird. Wiesheu ließ damals noch offen, welche Variante zum Zug kommen soll: Die zweite Röhre durch die Stadt oder der viergleisige Ausbau des Südrings.

Relativ schnell verhärteten sich die Fronten: Die Staatsregierung (CSU) bestand auf der zweiten Röhre, Münchens OB Ude (SPD) auf den Ausbau des Südrings. Ein Gutachten des Freistaates (bei dem kompetente Kritiker bis heute behaupten, es sei absichtlich zu Gunsten der zweiten Röhre gerechnet worden) kam zum Schluss, dass der Südring-Ausbau deutlich teurer käme. OB Ude unterstützte daraufhin die Tunnellösung. Verkehrsminister Wiesheu machte die zweite Röhre zu seinem persönlichen Anliegen, trieb Planungen und Finanzierungsvereinbarung mit großem Nachdruck voran. Wiesheu versprach: „2010 wird die Röhre eröffnet“. Nachdem Wiesheu im Mai 2006 in den Bahn-Vorstand gewechselt war, hintertrieben sein Nachfolger Erwin Huber und der damalige Finanzminister Faltlhauser nach tz-Informationen das Projekt nach Kräften. Folge: Stillstand!

K.H. Dix

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