Albtraum Solardach: Wie eine Münchner Firma Kunden abzockt

Das schmutzige Geschäft mit der sauberen Energie

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Der Traum vom sauberen Strom: Solaranlagen werden in Bayern immer beliebter.

Verzweifelt blickt Sonja A. auf das riesige Stalldach ihres Hofes. Dort oben sollte sie sein – die bestellte Solaranlage.

Aber es blitzen nur ein paar schlichte Metallgestelle im Sonnenlicht. „Seit Monaten warten wir nun auf die Montage – aber die Firma tut nichts“, sagt die 53-Jährige traurig. Rund 120 000 Euro hat sie in Vorkasse schon bezahlt. Per Kredit. Wieder blickt die Frau aus Tandern (Kreis Dachau) nach oben: „Wenn die mich betrogen haben, bin ich ruiniert.“

Die – das ist die Skylight AG aus München. Die Firma verkauft sogenannte Photovoltaikanlagen und legt schon länger ein beängstigendes Geschäftsgebaren an den Tag. Denn Sonja A. ist bei Weitem kein Einzelfall. „Bei uns liegen mehrere Anzeigen gegen das Unternehmen vor“, bestätigt Oberstaatsanwalt Anton Winkler gegenüber der tz. „Wir führen derzeit ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs und der Insolvenzverschleppung.“ Das Problem der Kunden mit dem Solarunternehmen ist immer ähnlich: Erst wird ein Vertrag verfasst, dann müssen die Leute zahlen – die entscheidenden Module zur Stromgewinnung werden aber nicht installiert. Dafür gibt es Ausreden über Ausreden.

Bei Sonja A. begann das Dilemma im Januar. „Da stand plötzlich ein Herr am Gartenzaun und fragte, ob wir auf unserem riesigen Dach nicht eine Solaranlage anbringen wollten.“ Rund 1000 Euro Gewinn pro Monat sollte die Stromerzeugung bringen. Klingt verlockend. Besonders da vier Menschen davon profitieren würden: Sonja A. lebt mit ihrem Sohn (25), ihrer Tochter (19) und ihrer pflegebedürftigen Mutter (81) auf dem Hof. Da viele Nachbarn der verwitweten Landwirtin schon ähnliche Anlagen auf ihren Dächern haben, fragt sie vorher sogar bei den Bekannten nach. Das Ergebnis: „Alle waren sehr zufrieden.“ Kurzum: Sie entscheidet sich für eine Bestellung. Was Sonja A. nicht bedenkt: Die Nachbarn hatten mit anderen Firmen zusammengearbeitet.

So nimmt das Desaster seinen Lauf. Gut 40 Prozent des Gesamtpreises von 132 000 Euro muss Sonja A. gleich überweisen. Erst macht das die zweifache Mutter stutzig, dann aber findet sie bei Bekannten heraus, dass dies im Solargeschäft nicht unüblich ist. „Also bin ich in Vorkasse gegangen.“ Beim ersten guten Wetter wird ihr dann auch das Gestell für die Module aufs Dach geschraubt. Und somit ist laut Vertrag die nächste Zahlung fällig – diesmal 50 Prozent des Gesamtpreises. Also gut 65 000 Euro. Und dann wartet Familie A. – aber nix passiert.

Und die Firma? Was sagt die zu der nicht erbrachten Leistung? Die hat dafür natürlich eine Erklärung. Man habe im vergangenen Jahr eine Übernahme von einem anderen Unternehmen verkraften müssen, erklärt einer der Chefs, Gerd Wojatschek, gegenüber der tz: „Daher stockt alles etwas.“ Zudem sei es auch zu Personaländerungen gekommen. Wojatschek: „Alles ist im Moment etwas schwierig. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Ob Frau A. ihre Solaranlage noch bekommt? „Mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen.“

Klingt nicht sehr vielversprechend. Tatsache ist aber: Für Sonja A. und ihre Familie hängt an dem Dach alles. „Ich habe Angst um unsere Existenz. Wenn ich das Darlehen nicht tilgen kann, wird es früher oder später zur Zwangsversteigerung unseres Hofes kommen.“ Seit dem Jahre 1786 ist dieser in Familienbesitz. „Das wäre das Ende.“

Armin Geier

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