Jürgen Schneiders Luxus-Villa wird versteigert

So schön lebte der Pleite-Milliardär

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Der Wohn- und Essbereich erstreckt sich allein auf 110 Quadratmetern. Bibliothek und Fernsehzimmer grenzen direkt an. Die beiden Gästezimmer verfügen über einen eigenen Zugang zur Terrasse.

Fünf große Wohnzimmer, riesige Küche, ­Bäder, Schwimmhalle, Terrassen, Arbeitsräume noch und nöcher, insgesamt 450 Quadratmeter im nobelsten Viertel der Stadt: So schön wohnte der Ex-Baulöwe und Jetzt-Milliarden-Pleitier Jürgen Schneider (75)!

Aber die Zeiten sind vorbei. Heute kommt die Luxus-Wohnung unter den Hammer, ganz profan, zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten …

Edel-Makler Detlev von Wangenheim versteigert das gute Stück um 15 Uhr im Seehaus im Englischen Garten. Mindestgebot: 2,2 Millionen Euro! „Das ist meine teuerste Versteigerung“, sagt der erfahrene Makler. Es werde aber sicher einige Interessenten geben, die einen guten Preis zu zahlen bereit sind.

Das Appartement hat auch einiges zu bieten: Es ist das Penthouse einer gepflegten Wohnanlage in der Adalbert-Stifter-Straße 23, mitten im Herzogpark. Die Straße ist nur auf einer Seite bebaut, der Ausblick schweift auf ein ­unverbaubares Landschaftsschutzgebiet.

Die Wohnung hat eine Gesamtfläche, die fast zwei Tennisplätzen entspricht. Die reine Wohnfläche beträgt 370 Quadratmeter. Die umlaufende Veranda erstreckt sich auf 180 Quadratmeter, der Pool in der Wohnung ist etwa fünf mal sechs Meter groß – fast ein Hallenbad. Der Badende genießt einen freien Blick ins Grüne.

Die Versteigerung der Villa vom Pleite-Miliardär

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Der Wohn- und Essbereich erstreckt sich allein auf 110 Quadratmetern. Bibliothek und Fernsehzimmer grenzen direkt an. Die beiden Gästezimmer verfügen über einen eigenen Zugang zur Terrasse. © Wangenheim
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Milliardenbetrüger Jürgen Schneider im Dezember 1999 vor dem Frankfurter Amtsgericht. © dpa
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Die Wohnanlage steht in der Adalbert-Stifter-Straße im Herzogpark. Münchens nobelste Gegend: Um die Ecke residierte zu Lebzeiten Milliardär Friedrich Karl Flick. © Kurzendörfer
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Das Schlafzimmer des Hausherren geht direkt in das Bad über – schöner formuliert: Der Masterbedroom verfügt über ein Ensuite Bad. © Wangenheim
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Die Schwimmhalle ist 100 Quadratmeter groß. Das „organisch geformte“ Becken hat eine Fläche von 30 Quadratmetern. Dampfbad und Duschen gehören dazu. © Wangenheim
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Die Terrasse führt um die das ganze Penthouse herum: Sie hat insgesamt 180 Quadratmeter, wobei das Schlafzimmer über eine eigene Veranda verfügt. © Wangenheim

Dazu kommen weitere wunderbare Accessoires wie ein Kühlschrank mit Doppeltüren, Hauswirtschaftsraum, Dampfbad, Wurzelholzeinbauten, Flügeltüren und eine komplett alters- und behindertengerechte Einrichtung ohne Schwellen und mit Einstiegshilfe ins Schwimmbecken.

Ex-Baulöwe Schneider hat offenbar an alles gedacht: Er hat die Wohnung in den Jahren 2000 und 2001 komplett entkernen, sanieren und genau so einrichten lassen. Dabei hat der Mann ja offiziell nur Schulden. Schneider hatte 1994 eine Pleite von 5,4 Milliarden Mark hingelegt, floh und saß zwei Drittel seiner Haftstrafe von fast sieben Jahren bis 1999 ab. Unter anderem hatte er für die Sanierung des Bernheimer Palais am Lenbachplatz zwei Stockwerke frei erfunden, um bei den Banken höhere Kredite zu ergaunern.

Offiziell hatte Sohn Nico darum die Wohnung für zwei Millionen Euro gekauft und dem Vater ein Bau-Budget von einer weiteren Million übertragen. Allerdings ging auch der Sohn Pleite, deswegen wird die Wohnung versteigert.

Der Gerichtsvollzieher musste Schneider aus der Wohnung holen. Angeblich kam ein Notarzt zu Hilfe. Um Schneiders Gesundheit steht es mittlerweile offenbar wieder bestens: Er lebt nun in der Nähe von Bonn bei seiner Tochter Ysabel und hat seither eine ganze Reihe von Interviews gegeben – wohl auch um seine neuen Bücher zu vermarkten.

DAC

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