Das Schwanendrama vom Flaucher

Ein harmloser Schwan wurde von zwei Gewalttätern als Waffe missbraucht.

München - Es war ein strahlend schöner Frühlingstag. Tausende genossen am 9. Mai 2008 auf den Isar-Kieseln am Flaucher die Sonne. Steven L. (33) und seine Freundin Viktoria saßen am Ufer und fütterten die Schwäne.

 Eine Idylle , die Sebastian P. (19) und Istvan Z. (30) störte, denn die beiden suchten Streit. Sebastian, ein unberechenbarer Serien-Straftäter, packte plötzlich einen der zutraulichen Schwäne am Hals , zerrte das prächtige Tier mit einem gewaltigen Schwung aus dem Wasser und schlug damit auf Steven L. ein!

Verzweifelt flatterte der Schwan mit seinen mächtigen Flügeln und konnte sich aus dem Griff des Schlägers befreien. Benommen fiel das Tier ins Wasser zurück. Steven L. regte sich über die brutale Tierquälerei auf: „Lass den Schwan in Ruhe!“ Für Sebastian P. und Istvan Z. war dies das Signal, brutal auf den 33-Jährigen einzuprügeln. Schon zuvor hatten sie vergeblich versucht, Steven L. wegen seines Dialekts zu provozieren.

Sie beleidigten ihn: „Verpiss dich, Ossi-Schwein!“ Nun traten sie auf den am Boden Liegenden ein. Die Freundin des Opfers warf sich dazwischen, konnte aber nichts ausrichten. „Ich glaubte, die bringen ihn um“, sagte Viktoria H. am Montag im Zeugenstand vor dem Jugendschöffengericht: „Tausend Leute haben zugeschaut, aber geholfen hat keiner.“ Ermutigt von der Feigheit der Leute wurden die beiden Gewalttäter immer brutaler: Sie warfen Flaschen und Steine auf ihr Opfer. Istvan Z. zerschlug eine Bierflasche und ging mit dem scharfkantigen Flaschenhals auf Steven L. los, fügte ihm dabei Schnittverletzungen an der Hand zu. Dann packte Istvan einen Grill samt glühender Kohle und schlug damit zu.

Steven L. erlitt eine klaffende Wunde am Arm. Erst jetzt alarmierten einige junge Leute die Polizei. Die Gewalttäter wurden festgenommen, kamen aber bald wieder frei. Merkwürdig: Schwanen-Quäler Sebastian hat schon unzählige Vorstrafen. Und er blieb auch nach weiteren gewalttätigen Angriffen und erheblichen Verkehrsdelikten auf freiem Fuß. In Haft kam er erst im Januar , nachdem er zwei junge Leute zusammengeschlagen hatte. Jetzt läuft Sebastian wieder frei herum. Obwohl Jugendrichterin Marie-Luise Broich „massive schädliche Neigungen“ feststellte, hob sie den Haftbefehl auf. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft.

Wenn er sich jetzt an strenge Auflagen hält, kriegt er Bewährung. Grill-Schläger Istvan Z. bekam auch zwei Jahre – auf Bewährung! Er soll jetzt Geld verdienen, um dem noch immer erheblich leidenden Steven L. Schmerzensgeld zahlen zu können.

Eberhard Unfried

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