tz-Serie zum CSD

Polizistenpaar: Männerliebe auf dem Revier

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Mathias ­Zobel (li.) und Johannes ­Träumer.

München - Johannes Träumer (33) und Mathias Zobel (29) sind g’standene Mannsbilder. Sie arbeiten als Polizeibeamte, tragen Uniform. Und sie sind ein Paar. Beim Christopher Street Day (CSD) wollen sie Samstag mitfeiern.

Auch wenn sie im Alltag auf wenig Probleme stoßen – ihre obersten Dienstherren tun sich immer noch schwer mit der Männerliebe auf dem Revier.

Die beiden arbeiten im Polizeipräsidium Kempten. Als sie sich 2007 im Internet kennen lernten, konnten sie kaum glauben, dass sie beide Polizisten sind. „Endlich hatte ich das Gefühl: Du bist nicht der Einzige“, sagt Johannes Träumer. Aus dem Gefühl wurde Liebe.

Als Mathias Zobel mit 17 bei der Bereitschaftspolizei anfing, machte er keinen Hehl daraus, dass er auf Männer steht: „Ich lebe nach dem Motto: ,Nehmt mich, wie ich bin, ansonsten kann ich es auch nicht ändern.‘“ Ob er Probleme mit seinen Kollegen hatte? „Es gab und gibt zwar immer wieder mal ’nen blöden Spruch, aber ich kann mich wehren und meist ist das auch nicht böse gemeint.“

Träumer lebte zehn Jahre versteckt bei der Polizei, bevor er sich outete: „Es ist anstrengend, wenn die Kollegen im Streifenwagen über ihr Privatleben plaudern und du nichts erzählst oder es bei einer Einladung heiß: ,Bring doch deine Freundin mit’.“ Und: „Für die älteren Kollegen war Homosexualität lange illegal, erst 1994 wurde der Paragraf 175 abgeschafft, wenn vorher ein 18-Jähriger etwas mit einem 17-Jährigen hatte, war das strafbar.“

Innenministerium geht auf Angebote nicht ein

Zobel und Träumer gründeten mit Kollegen den Landesverband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (VelsPol), dem jetzt 70 Beamte angehören: „Das Klima mit dem Innenministerium hat sich verbessert, aber man sieht uns nicht als Ansprechpartner auf Augenhöhe.“ So würde VelsPol als Gesprächspartner bei Straftaten, die Schwule betreffen, zur Verfügung stehen. Zobel: „Man geht auf das Angebot nicht ein.“ Als sie im Juni zu einem Kongress schwuler und lesbischer Polizisten nach Berlin fuhren, verbot ihnen das bayerische Innenministerium, in Uniform teilzunehmen, was die anderen 204 Teilnehmer aus 13 Länder durften. Träumer: „Zum Glück konnten wir das Ministerium umstimmen.“

Beim CSD verzichten sie auf die Uniform, denn das Innenministerium sieht den CSD als politische Veranstaltung, heißt: Uniformverbot für Beamte. Träumer: „Wir werden das rechtlich prüfen lassen. Denn Polizeibeamte dürfen auch in Uniform zu Gewerkschaftsdemonstrationen.“

Herr Schmid, CSD und CSU: Geht das?

Bürgermeister Josef Schmid (44, CSU) nimmt heuer zum 3. Mal am Christopher Street Day teil. CSU und CSD: Geht das? Das tz-Interview.

In den 80ern forderte Peter Gauweiler als KVR-Chef und Innenstaatssekreär die Absonderung von AIDS-Kranken – heute nehmen Sie am CSD teil. Hat sich die CSU geändert?

CSD 2013: Josef Schmid trug einen Aufkleber: „Some people are gay, des bassd scho.“

Josef Schmid: Die sexuelle Orientierung war für die CSU schon immer Privatsache. Es hat sich aber bei der Münchner CSU vieles geändert. Dass ich auf der Bühne spreche, heißt, dass ich für eine Rathauspolitik stehe, in der Lesben, Schwule und Transgender Teil der Stadtgesellschaft sind.
CDU und CSU mussten aber bei der Gleichstellung von Homosexuellen oft vom Bundesverfassungsgericht zum Jagen getragen werden. Ist Ihre Partei nicht doch noch intolerant?
Schmid: Das ist auch eine Generationenfrage – in der Partei wie in der Gesellschaft. Jüngere haben einen anderen Zugang zu dem Thema. Die Partei sieht auch die Realitäten: 90 Prozent der Bevölkerung und auch der größte Teil unserer Wähler wollen keine Diskriminierung Homosexueller.

Manche reden in der CSU aber immer noch von einer „schrillen Minderheit“. Können Sie das ändern?

Schmid: Ich habe ein wichtiges Amt in der größten bayerischen Stadt und der größten deutschen Kommune errungen. Ich werde das Lebensgefühl der Großstadt wie bisher in die Partei tragen. Ich werde daran weiterhin unaufgeregt und beständig arbeiten.

Beim Adoptionsrecht vertreten Sie bereits eine eigene Meinung …

Schmid: Ich denke, ein Kind ist in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, wo es in Liebe und materiell abgesichert aufwächst, besser aufgehoben als in einer Hetero-Familie mit zum Beispiel Alkohol- oder Gewaltproblemen. Das Aufwachsen von Kindern in einer homosexuellen Beziehung wird die Ausnahme bleiben.

Der einzige offen schwule CSU-Kandidat schaffte es nicht in den Stadtrat. War Listenplatz 29 nicht zu schlecht?

Schmid: Nein, andere haben gezeigt, dass man hochgewählt werden kann. Das letzte Wort haben immer die Wählerinnen und Wähler.

Wieso gibt es bislang noch keinen bedeutenden CSU-Politiker, der sich öffentlich geoutet hat?

Schmid: Die sexuelle Orientierung ist Privatsache, was man respektieren muss. Es gibt Homosexuelle, die wollen nicht, dass man sie auf das Thema reduziert, und diese Gefahr besteht für denjenigen, der sich als Erster outet.

J. Welte

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