tz-Serie zum Ende des 2. Weltkriegs

Die Rettung der Isarbrücken kurz vor Kriegsende

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Von Oben: Braunauer , Wittelsbacher-, Reichenbach- und Corneliusbrücke heute.

München - Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs will Gauleiter Paul Giesler angesichts der anrückenden Amerikaner die Münchner Isarbrücken sprengen lassen. Wie es gelang, ihn von diesem Vorhaben abzubringen:

Was wäre München ohne seine Isarbrücken? In eleganten Bögen verbinden steinerne Bauwerke aus dem 19. Jahrhundert das östliche Isarufer mit der Innenstadt: Max-Joseph-, Luitpold-, Maximilians-, Ludwigs-, Reichenbach-, Cornelius- und Wittelsbacher Brücke sind Baudenkmäler, die das Bild der Stadt prägen.

Die Brücke in Freising wurde gesprengt.

Baudenkmäler, die im Frühjahr 1945 höchst gefährdet waren … Pioniere der Wehrmacht und SS-Einheiten versuchten in ihrem irren Abwehrkampf, das Vordringen der Amerikaner und ihrer Verbündeten durch das Sprengen von Brücken zu stoppen. Ohne Erfolg: Die materiell bestens ausgestatteten Pioniere der Alliierten hatten kaum Mühe, über die Flüsse mit Pontonbrücken überzusetzen.
Die Münchner Isarbrücken sind im Frühjahr 1945 während der Bombardements nur leicht beschädigt worden. Lediglich die Thalkirchner sowie die Brudermühlbrücke haben schwerere Treffer erhalten. Stärker betroffen sind die Überfahrten über die Eisenbahnstrecken, die Hauptziele der Bomber waren. Bei der Hackerbrücke ist ein ganzes Feld eingestürzt.

Gauleiter Paul Giesler.

Angesichts der anrückenden Amerikaner befiehlt Gauleiter Paul Giesler Ende April 1945, die Münchner Isarbrücken zu sprengen. Am 25. April versuchen der Kommandeur des Pionierkommandos, einige Herren von der Stadtverwaltung und mehrere Vertreter der Eisenbahndirektion, Giesler umzustimmen. Der lehnt aber, so ist es überliefert, mit wütendem Ton ab: „Meine Herren, wir haben kein Oktoberfest, sondern Krieg!“ Doch die Männer bleiben hart. Sie erklären dem Nationalsozialisten, dass über die Brücken die komplette Wasserversorgung der Stadt sowie sämtliche Hoch- und Niederspannungskabel laufen – und über die Großhesseloher Brücke außerdem die Milchversorgung für die Stadt komme. Tausende Säuglinge müssten hungern, wenn die Versorgung ausbliebe.

Der Gauleiter bleibt hart. Dann fällt einem der Amtsträger das rettende Argument ein: „Wenn die Wasserversorgung Münchens unterbrochen wird, müssen 400.000 Münchner die Stadt verlasen. Sie werden sämtliche Ausfahrtsstraßen verstopfen und die ganzen Truppenbewegungen auf diese Weise in Unordnung bringen.“

Das leuchtet dem Gauleiter dann doch ein, als „Kompromiss“ lässt er sich nun auf die Sprengung der Eckhäuser an den Brücken ein – sowie die Errichtung von Barrikaden.

Die meisten Münchner Brücken haben so den Wahnsinn überstanden – wenigstens in diesem Fall siegten die Argumente über die Gewalt.

Das geschah am 27. April 1945

München: Etwas Regen, aber ein milder Frühlingstag mit 18 Grad. Für Hans-Jochen Vogel (SPD, heute 89), der später mal Münchner

OB werden sollte, ist der Krieg zu Ende. Von einer Verwundung an die Front in Italien zurückgekehrt, wird er als Unteroffizier gefangengenommen. „Auf freiem Feld“, erinnerte er sich später, „treiben italienische Partisanen und US-Soldaten in der Nähe von Vicenza etwa 4000 Gefangene zusammen. Es ist ein Haufen von abgerissenen Soldaten und Hilfswilligen aus mindestens zehn bis zwölf Nationen. Auf der Straße rollen in ununterbrochener Folge endlose Kolonnen amerikanischer Panzer, Geschütze, Mannschaftstransportwagen und Nachschubfahrzeuge vorbei. Krasser konnte die materielle Überlegenheit der Alliierten und die Sinnlosigkeit unseres Kampfes auch vom rein militärischen Standpunkt her kaum zutage treten.“

Bayern: Befreiung des KZ Kaufering/Landsberg durch amerikanische und französische Truppen. Die 86. US-Division bewerkstelligt den Donauübergang bei Ingolstadt. Große Schäden entstehen in Eining, das von amerikanischen Truppen erobert wird. Der Kampf um Neustadt an der Donau verzögert sich, weil hier der amerikanische Übersetzversuch am Widerstand der SS scheitert. Der Vorstoß zur Isar und nach München verzögert sich um zwei Tage. In Kempten und Umgebung befreien die Alliierten über 4000 Fremdarbeiter und politische Häftlinge. In Kaufbeuren übergibt NSDAP-Bürgermeister Karl Deinhardt die Stadt kampflos an die Amerikaner, die die Munitionsfabrik vor den Toren der Stadt sprengen.

Welt: „Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs“ in Wien. Genua wird erobert. Der italienische Duce Benito Mussolini wird mit Gefolgsleuten bei Dongo nahe der Schweizer Grenze von italienischen Partisanen gefangengenommen.

Johannes Welte

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