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Serie zu Münchens wichtigster Straße

Er ist Herr der Röhre - Fünf Ring-Geschichten

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2002 wurde der Petueltunnel eröffnet. Seitdem kommt Herbert Holzmüller regelmäßig zur Inspektion, Wartung und Nachrüstung. Manchmal – wenn die Röhre gesperrt ist – findet er es hier sogar richtig idyllisch

München - In der Serie zum Mittleren Ring erzählt die tz Geschichten rund um die wichtigste Straße der Stadt. Heute: der Petuelring - unter anderem mit dem Herrn der Röhre und einem Paradies für Radl-Fans.

Der Herr der Röhre

Manchmal hat Herbert Holzmüller eine Röhre ganz für sich und seine Helfer. „Ohne Autos kann’s richtig idyllisch sein da herunten“, sagt der Tunnelwartungs-Chef beim Baureferat. Dann, wenn der Petueltunnel in einer Fahrtrichtung nachts gesperrt ist, weil Holzmüller mit seinem Trupp für Inspektion, Nachrüstung und Säuberung anrückt.

Den Petueltunnel gab es schon 1963. Nur hieß so damals die Trambahnunterführung unter dem Petuelring. Zuletzt fuhren hier die 12er und 13er. 1993 wurde der Tunnel stillgelegt, vier Jahre später begann der Bau des Straßentunnels, der 2002 eröffnet wurde.

105 000 Autos fahren täglich durch die beiden Röhren. Die große Inspektion geht zweimal jährlich über die Bühne. Dann überprüfen Holzmüller und sein Team auch das Licht (4500 Lampen mit je 58 Watt) und die Adaptionsbeleuchtung an den ersten 60 Metern der Tunneleingänge. Sie besteht aus 400-Watt-Leuchten, damit sich die Augen der Fahrer an den Hell-Dunkel-Wechsel gewöhnen. Lebensdauer einer Lampe: 30 000 Stunden, gut drei Jahre.

Holzmüllers Truppe wartet auch Videokameras, Sicherheitstechnik, Brandmeldesensorenkabel. Kürzlich gab’s wieder zu tun: eine kleine Nachrüstung des Tunnels laut der RABT-Norm, der Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln. Zwischen 22.30 und 5 Uhr war gesperrt. Spurweise, nicht komplett. War nur halb idyllisch.

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

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Ein Paradies für echte Radl-Fans

Im Erdgeschoss der Highlight Towers am Ende der A9: 2009 zog hier der Trek Bicycle Store ein

Manchmal denkt Bernhard Altmann an die Zeit zurück, als er und Bruder Winfried ihr Fahrrad-Geschäft in Neuperlach hatten. Am Marieluise-Fleißer-Bogen. Gefühlt kamen dort in einem Jahr so viele Autos vorbei wie jetzt in einer Stunde, beim neuen Laden am Fuß der Highlight Towers. Dort, wo die Nürnberger Autobahn in den Mittleren Ring Richtung Westen mündet. Mitten drin, rechts in der Biegung. Ein Laden mit optimaler Kurvenlage, der Trek Bicycle Store.

Trek, ein amerikanischer Fahrradhersteller, weltweiter Marktführer. 2009 zogen die Brüder Altmann hier ein, ganz unten im größeren der beiden 2004 erbauten Highlight Towers, den mit 126 Metern Höhe. Zwei Ebenen, 525 Quadratmeter, im Angebot ist das gesamte Sortiment für echte Trekkies, vom Kinderfahrrad ab 250 Euro über Damen- und Herren-Räder für Sport und Freizeit, bis hin zu hochwertigen Mountain-Bikes und zur Spezial-Hightech-Triathlon-Rennmaschine für knapp 10 000.

So hochwertig und exklusiv das Angebot, so wenig abgehoben ist der Service. Die Brüder passen gut ins Erdgeschoss, denn sie sind sehr bodenständig, schrauben selbst in der Werkstatt samt Montageservice, beraten fachkundig und in aller Ruhe. Und still ist es, sehr still. Liegt an der schallisolierten Spezialverglasung. Gegen den Lärm der Autos. Draußen in der Kurve.

Eine Oase mit Sinn für Kunst

Sie erzählt die Geschichte des Parks und seiner Kunstwerke: Daniela Engels am Rosengarten neben dem Nymphenburg-Biedersteiner Kanal

Beschaulich ist es am Ring geworden. Wo sich früher Autos durch den Dauerstau quälten, liegt nun der Petuelpark über dem Tunnel. 650 Meter lang, 60 Meter breit, ein grünes Verbindungsband zwischen Schwabing und Milbertshofen. Bänke, Wiesen, Spielplätze – und dazu viel Kunst.

Die Orte der Kunst zeigt Daniela Engels auf ihren Rundgängen. Die 46-jährige Kunsthistorikerin und Leiterin der Firma Kunst-Tour (www.kunsttour.de) bietet nach Absprache individuelle Gruppenführungen an.

13 Objekte sind zu entdecken, verwunschene Stellen wie der kleine Rosengarten mit seiner Dornröschen-Aura von Aribert von Ostrowski, gleich neben dem Bachlauf des Nymphenburg-Biedersteiner-Kanals. Beschauliches wie der weiße Marienbrunnen von Hans van Houwellingen, ein wenig Comic-Art wie beim Reiter samt Maultier von Pia Stadtbäumer. Zum Wiehern.

Und dann gibt es noch den Blick in den Abgrund. In die Hölle. In den Petueltunnel, nur wenige Meter darunter.

Die Installation des Bildhauers Bogomir Ecker ist das spektakulärste Objekt im Petuel-Kunstpark. Der Blick geht durch ein Periskop hinunter auf den Verkehr unten im Tunnel. Sie liegen nahe beinander, das Inferno und das Idyll. Lange mag man gar nicht durchschauen. Ist doch so schön, da heroben, im Dornröschen-Land.

Dieser Mann versoßt nix

Martin Gruß kam schon viel herum mit seinen 27 Jahren. Er war in Berlin und London, zuletzt zwei Jahre in Wien. Jetzt ist er am Mittleren Ring gelandet. Im Marriott, als Sous-Chef in der Küche vom Grill93.

Sous-Chef Martin Gruß brät im Grill 93 seine feinen Steaks

Das Grill93 ist das Restaurant des Hotels, die Spezialität ist das USDA Prime Beef, das ist in der Klassifizierungs-Skala die höchstmögliche Qualitätsstufe für ein saftiges Steak. Das hat natürlich seinen Preis: 45 Euro für ein 220-Gramm-Filet, well done. Mahlzeit. Insgesamt verbraten Gruß und sein Küchen-Team hier in der Küche pro Woche 50 Kilo Rindfleisch, T-Bone und Entrecote, Rib Eye Steak und New York Strip. Die meisten Besucher sind Hotelgäste, 80 Prozent davon Geschäftsreisende auf einem Business-Trip.

Erbaut wurde das Hotel 1990, insgesamt gibt es 13 Tagungsräume mit insgesamt 858 Quadratmetern, das Haus hat sieben Etagen, 334 Zimmer, 14 Suiten. Die Präsidenten-Suite allein hat zwei Schlafzimmer und 98 Quadratmeter. Für eine Nacht im Oktober, zwischen Wiesn und Weihnachtszeit, zahlt man 1060 Euro. Dafür kriegt man beim Herrn Gruß aus der Küche auch umgerechnet gut fünf Kilo Prime Beef. Wer’s zwingt.

Neben dem Grill93 gibt es auch noch andere Lokale im Hotel, etwa die Lounge93 oder die Terrace93. Die heißen alle so wegen der Hoteladresse. Berliner Straße 93. Das ist eine Hausnummer.

Dem Kini würd’s gefallen

Der Kini ist überall, sogar im Petuelpark. Als Schattenriss mit Krone und Königsmantel, im Logo des Lokals: das Café Ludwig. 110 Plätze drinnen, 250 draußen, daneben ist ein kleiner Kiosk mit Selbstbedienung, ein paar Stühlen und Tischen. Kein Biergarten liegt näher am Ring. Und keiner so nah darüber.

Drunter tost der Verkehr: Das Café Ludwig mit Betriebsleiterin Nicole Meisner

Ein Lokal im Bauhaus-Stil, mit riesiger Fensterfront und hellen, hohen Räumen, entworfen vom Münchner Architekturbüro Kiessler und Partner. Avantgardistisch und zeitlos modern. Ein echter Blickfang, so wie auch das Schaufenster rechts vom Eingang mit seinen deformierten Kuchen und ramponierten Torten. Sind nicht echt. Ist nur Kunst. Das echte Essen schaut besser aus.

Seit Anfang des Jahres leiten die Gastronomen Helmut Faulwasser und Heinrich Zimmerbauer das Café, vor Ort schmeißt Nicole Meisner (34) den Laden. Das Publikum ist eine bunte Mischung: Arbeitnehmer aus den umliegenden Firmen in der Mittagspause, Nachbarn aus Milbertshofen und Schwabing, Behinderte und ihre Betreuer aus der benachbarten Stiftung Pfennigparade. Und natürlich Familien, sonntags ab 10 Uhr beim Brunch.

Die Küche ist bayerisch mit internationalem Einschlag – vom Brezn­knödlcarpaccio mit sautierten Austernpilzen (8,90 Euro) bis zum ­Wiener Schnitzel mit Grenaille-Kartoffeln für 17,50 Euro.

Traditionell und kosmopolitisch das alles. Es könnt’ also schon sein, dass es ihm hier g’schmeckt hätte – dem Kini.

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