Münchner und ihr Sexleben

Sex im Alter: Lust statt Last

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Auch bei älteren Menschen kann es sexuell noch knistern.

München - Im Alter läuft nix mehr? Von wegen! In der tz-Serie "Die neue Lust auf die Lust" geht es dieses Mal um Tipps zum Sex im Alter: Wie es bei den Älteren unter der Bettdecke läuft:

„Sex ist ein Grundbedürfnis bis ins hohe Alter“, sagt die Münchner Gynäkologin Dr. Britta von Gruchalla. Die Ärztin fand in einer Studie heraus, dass mehr als 54 Prozent der Münchnerinnen zwischen 50 und 82 Jahren noch sexuell aktiv sind – also mehr als jede Zweite! Es gibt verschiedene Untersuchungen zur sexuellen Aktivität von älteren Menschen. Bei Männern geht man davon aus, dass zwei Drittel der 60- bis 80-Jährigen noch mindestens ein Mal im Monat mit ihrer Partnerin ins Bett gehen. Laut Studien aus den USA sollen sogar 80 Prozent dieser Altersgruppe noch Lust auf Sex haben! In der heutigen Ausgabe der Serie Die neue Lust auf die Lust erklären die Münchner Gynäkologin Dr. Britta von Gruchalla und der Münchner Urologe Dr. Stefan Schoeler, was die häufigsten medizinischen Probleme von Männern und Frauen im Alter sind und was man dagegen tun kann – und Sex-Beraterin Hedy Fuchs-Waldherr gibt Tipps für Spaß im Bett.

Die häufigsten Probleme der Frauen:

Wechseljahre: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen: Wenn sich der Körper in den Wechseljahren umstellt, kann das Probleme auslösen. Viele Frauen fühlen sich dann plötzlich nicht mehr vollwertig, hadern mit ihrem Aussehen und dem Alter. Oft ziehen sich die Frauen dann von ihrem Partner zurück. „Eine Hormonersatztherapie oder auch pflanzliche Mittel können bei extremen Beschwerden eingesetzt werden“, erklärt Dr. Britta von Gruchalla, Gynäkologin in der Frauenärztlichen Gemeinschaftspraxis in der Franz-Joseph-Straße 35. „Ihr Gynäkologe wird mit Ihnen Nutzen und Risiken einer Therapie abwägen.“

Schmerzen beim Sex: Dass reife Frauen weniger Lust haben, ist ein Ammenmärchen. Aber der Mangel am Geschlechtshormon Östrogen bewirkt, dass die Scheide trocken wird, Juckreiz und Entzündungen können die Folge sein. „Durch die Hormonveränderungen im Alter kann der Geschlechtsverkehr manchmal weh tun“, sagt Dr. von Gruchalla. „Falls Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben, sollten Sie Ihren Frauenarzt um Rat fragen. Dann bräuchten Sie eventuell eine östrogenhaltige Creme, deren Wirkung nachhaltig und schnell zu spüren ist.“ Auch ein Gleitmittel kann helfen.

Blasenschwäche: Nur ein einziges Mal husten oder niesen – schon ist’s passiert. Vor allem ältere Frauen leiden häufig an Blasenschwäche. Und die ist ihnen oft so peinlich, dass sie sich nicht mehr berühren lassen. „Auch hier ist oft der Östrogen-Mangel schuld“, berichtet Dr. von Gruchalla. „Eine hormonhaltige Creme könnte helfen, die Harnröhre zu kräftigen. Wichtig ist auch gezieltes Beckenbodentraining.“

Testosteron-Mangel: Die Libido der Frauen wird durch das Hormon Testosteron gesteuert, das in den Eierstöcken produziert wird. Schüttet der weibliche Körper zu wenig von dem Liebeshormon aus, ist dies nur schwierig zu behandeln. Es gibt zwar spezielle Pflaster, doch die sind für dieses Problem nicht zugelassen, und auch die möglichen Nebenwirkungen stehen nicht dafür. Doch letztlich ist die Lust Kopfsache. „Die wichtigste erogene ­Zone ist das Gehirn“, erklärt Dr. von Gruchalla. „Frauen sind erregbar bis ins hohe Alter – wenn sie Lust darauf haben …“

Die häufigsten Probleme der Männer:

Potenzverlust: Fast jeder zweite Mann über 60 Jahren leidet an Erektionsproblemen: Bei ihm dauert es länger, bis er eine Erektion hat – und die ist dann auch nicht mehr so beständig wie früher. „Das ist normal“, beruhigt der Münchner Urologe Dr. Stefan Schoeler. Der Potenzverlust kann medikamentös mit Präparaten wie Viagra behandelt werden, die die Erektion verstärken, verlängern und die Durchblutung verbessern. Aber: Die Medikamente können Nebenwirkungen wie Sehstörungen oder Schwindel haben, also nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen!

Durchblutungsstörungen: Eine Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) liegt erst vor, „wenn über sechs Monate hinweg und in den allermeisten Fällen keine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion stattfindet“, erklärt Dr. Schoeler. Da ein starker Blutfluss Grundvoraussetzung für jede Erektion ist, sind vor allem Durchblutungsstörungen verantwortlich für Störungen. Besonders gefährdet sind Diabetiker und Raucher: Nikotin verengt die Gefäße, Diabetes schädigt die Nerven.

Tipp: Bleiben Sie aktiv! „Wer sportlich ist, verbessert sein Herz-KreislaufSystem und leidet weniger an Gefäßverkalkung.“ Auch eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Zigaretten und Akohol können helfen. „Wer das befolgt, kann schon nach sechs Monaten seine Fitness und sein Stehvermögen verbessern.“, sagt der Mediziner.

Medikamente: Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, etwa Betablocker oder Antidepressiva, kann die Häufigkeit und Intensität von Erektionen beeinflussen. Dr. Schoeler: „Lassen Sie sich gründlich vom Arzt durchchecken und achten Sie auf eine gute Einstellung der Medikamente.“

Hormonmangel: Im Alter produziert der Körper weniger Testosteron. Das kann zu Libidoverlust, Nachtschweiß und Muskelproblemen führen. „Im Extremfall entscheidet der Arzt, ob eine Hormontherapie, etwa eine Depot-Spritze oder Gel, sinnvoll ist“, erklärt Dr. Schoeler.

Generell gilt: „Der Penis ist die Antenne des Herzens! Potenzprobleme können Anzeichen für ein erhöhtes Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko sein – lassen Sie sich deshalb unbedingt von einem Facharzt untersuchen.“

Die besten Tipps für Sex im Alter:

Da zwickt’s, da zwackt’s, der Hintern hängt: Trotzdem – auch ältere Menschen können jede Menge Spaß im Bett haben. „Für Liebe und Verlangen gibt’s keine Altersgrenze“, erklärt Hedy Fuchs-Waldherr (66). Die Sex-Beraterin und Buchautorin aus München bietet für ältere Menschen Einzelsitzungen und Seminare zum Thema an (ein Seminartag ab 95 Euro, Paare 150 Euro, mehr Infos unter www.sinnlicher-walzer.de). In der tz verrät sie ihre besten Tipps für ein erfülltes Sexualleben im Alter:

Öl-Massage: Eine zärtliche Massage mit duftendem Öl ist der beste Einstieg ins Vorspiel. „Wenn die Hände über den Körper gleiten, man sich aneinanderschmiegt – das ist prickelnde Erotik“, schwärmt Hedy Fuchs-Waldherr.

Hedy Fuchs-Waldherr, Sex-Beraterin aus München.

Reizwäsche: Warum nicht auch mit 80 noch in halterlose Strümpfeoder sexy Dessous schlüpfen? „Gerade im Alter ist Reizwäsche ein Muss“, sagt die Sex-Beraterin. „Sie kann kleine Mängel wunderbar verhüllen und Vorzüge betonen.“

Stellungswechsel: Viele ältere Menschen sind körperlich nicht mehr so fit. „Die Bettakrobatik reduziert sich“, erklärt Hedy Fuchs-Waldherr. Und rät: „Gerade im Alter ist die Löffelchenstellung sehr geeignet – in allen Varianten.“ Wer übrigens mit dem Kreuz Probleme hat, sollte sich abwechseln: mal der eine oben, mal der andere.

Ein guter Duft: „Gerade im Alter muss der Mensch gut duften“, sagt die Münchnerin. „Tragen Sie immer eine Bodylotion auf, verwenden Sie ein wohlriechendes Parfüm – ein guter Duft macht für den anderen den Reiz aus.“

Körperhygiene: Sollte selbstverständlich sein, ist es aber oft nicht! „Egal, wie lange man zusammen ist: Die Hygiene darf nie vernachlässigt werden“, warnt Fuchs-Waldherr. „Achten Sie darauf, dass Ihre Zähne gepflegt sind, waschen Sie sich regelmäßig.“ Besonders wichtig: Hygiene im Intimbereich.

Oralsex: Laut Hedy Fuchs-Waldherr die beste Praktik für die ältere Generation: „Dabei kann man sich lange verwöhnen, es ist nicht so anstrengend.

Sexspielzeug: Auch das ist nicht nur was für junge Leute! „Verwöhnen Sie sich gegenseitig mit Dildo oder Vibrator“, erklärt die Sex-Beraterin. „Das erregt beide Partner, und dafür ist nicht mal großer körperlicher Einsatz gefragt.“

Zärtlichkeit im Alltag: Achten Sie auf Berührungen im Alltag. „Umarmen Sie sich, streicheln Sie dem anderen beim Kochen über den Po“, rät Hedy Fuchs-Waldherr. „Sex ist nicht der Akt alleine – die Erotik drumherum ist viel wichtiger.“ Und die kann man so ganz einfach am Laufen halten.

CS

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