Florian R. Starflinger (34) über Kampf, Kunst & Tattoos

Das tz-Sommerinterview mit dem Django-Geiger

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Django-3000-Geiger Florian R. Starflinger

Der Song Heidi katapultierte Django 3000 in den Olymp mundartlicher Musik. Im tz-Sommerinterview verrät Geiger Florian R. Starflinger (34), wie die Band entstanden ist und wie er in den Besitz einer Violine des Geigenbauers Pietro Galozzo aus dem 18. Jahrhundert kam.

Herr Starflinger, wo haben Sie die Galozzo-Violine aus dem 18. Jahrhundert aufgetrieben? 

Florian R. Starflinger: Ich schacher immer ein wenig mit Geigen rum. Bei einem Antiquitätenhändler habe ich ein Exemplar ausgegraben, das ziemlich beschädigt war. Ich habe es für 200 Euro gekauft und dann für 2000 Euro herrichten lassen. Dann habe ich ein Wertgutachten bekommen, und die Geige wurde auf 40 000 Euro geschätzt. Das sind natürlich Glücksfälle. 

Sammeln Sie denn grundsätzlich Instrumente? 

Starflinger: Mit der Zeit sammeln sich viele Instrumente an. Und ich verkaufe ja nichts. Ich nehme es mir vor, aber wenn ich das Teil in die Hand nehme, bringe ich es nicht übers Herz. 

Sie haben sich aber auch ein Instrument bauen lassen … 

Mitte März stiegen Django 3000 (links Florian R. Starflinger) der tz aufs Dach. Die Band tritt am 24. September bei der tz-Wiesn-Madl-Finalparty im "Wiesnzelt" am Stiglmaierplatz auf

Starflinger: Ja, den Quinton. Das ist ein Zwitterinstrument: eine Viola und eine Violine in einem. Ich habe damit das tiefe C der Viola und das hohe E der Geige. Bei Django 3000 spiele ich aber eher die Geige. Die ist aggressiver im Klang und passt da besser. 

Sind Sie klassisch ausgebildet?

Starflinger: Ja, am längsten habe ich bei Eduard Eichwalder gelernt. Allerdings Viola. 

Gibt es heute noch klassische Aufnahmen von Ihnen? 

Starflinger: Ja, gibt es schon - die Diplomspielereien. 

Könnten Sie diese jetzt noch spielen? 

Starflinger: Heute Vormittag habe ich tatsächlich meine Viola ausgepackt und mein Diplomprogramm auf den Notenständer gepackt. Da hätte ich im Moment keine Chance. Ich müsste ein paar Jahre üben. Ich habe nach dem Diplom mein eigenes Ding gedreht und hatte wenig Zeit, Klassik zu üben. Wer da mithalten will, muss am Tag sechs Stunden üben. 

Dann wären Sie vielleicht in einem -Orchester gelandet … 

Starflinger: Ich habe ziemlich schnell geschnallt, dass ich nicht so der Typ für eine Festanstellung bin (lacht). Vor Django 3000 waren Sie mit der Band Luftmentschn unterwegs. Warum war da Schluss? Starflinger: Die Luftmentschn hatten wir zur Studienzeit. Wir haben uns das Studium damit finanziert. Irgendwann stagnierte das Ganze aber. Es ging nichts so richtig voran. 

Wie ging es mit Django 3000 los?

Starflinger: Bei Proben - das war damals noch mit den Luftmentschn - ist mir plötzlich die Melodie zu unserem Song Heidi eingefallen. 

Dann war erst das Lied da, und dann die Band? 

Live on stage

Django 3000 steht in diesem Jahr live auf der Bühne beim Finale des tz-Wiesn-Madl. Jetzt schnell Tickets sichern. Mehr Infos hier.

Starflinger: Letztendlich schon. Wir haben recht schnell einen Plattendeal bekommen, aber das Label meinte, das Lied sei zwar prima, wir müssten aber schon ein ganzes Album abliefern. Wir haben dann innerhalb von zwei Monaten einen neuen Stil für uns entwickelt und neue Lieder geschrieben. Und Euch einen neuen Namen zugelegt: Django für Django Reinhardt und Gipsy-Swing. 

Und die „3000“? 

Starflinger: Das kam von einem Getränkemarkt. Ich glaube, der hieß Supergetränkemarkt Heinrich 3000. Das erste Album war ein Schnellschuss. 

Und danach? 

Starflinger: Man geht dann anders an die Sache ran. Beim letzten Album Bonaparty war schon die Frage: Wie bewegt man sich innerhalb eines mit zwei Alben etablierten Stils weiter? Man muss ja auch etwas verändern, sonst wird es für uns langweilig. 

War der Erfolg von „Heidi“ auch ein Fluch, weil alle so etwas dann von euch erwarten?

Starflinger: Überhaupt nicht. Wir haben dem Song so viel zu verdanken. Das war schon grandios. Ab dem dritten Monat konnten wir bereits davon leben. Wir hatten mehr Freiheiten und bekamen bessere Auftritte. Mit Luftmentschn war das schwierig gewesen. Da musste man oft bei Veranstaltungen auftreten, die man als Musiker so nicht bevorzugt. 

Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie sich von der Klassik abgewandt haben?

Starflinger: Die haben mir eigentlich immer freie Hand gelassen. 

Sind Ihre Eltern musikalisch? 

Starflinger: Meine Mama kommt aus einem volksmusikalischen Haus. Die haben früher Dreigesang gehabt und so. Das war eine alteingesessene Bauernfamilie, die immer Wert auf Volksmusik gelegt hat.

Haben Sie auch Geschwister?

Kamil Müller, der Sänger von Django 3000, schenkte Florian R. Starflinger dieses Bild. Gezeichnet hat es der Künstler Lukas Freytag, der Cousin von Kamil Müller

Starflinger: EinenBruder, der ist vier Jahre jünger, hat aber am gleichen Tag wie ich Geburtstag. Das war manchmal schwierig. Da gab es dann Dual-Partys. Der macht auch Musik. Ein sehr guter Sänger. Singt in einer Südstaatenrock-Band.

Wie haben Sie immer die Ferien verbracht?

Starflinger: Mein Vater war Berufssoldat. In den Ferien waren wir oft an seinen Stützpunkten. Auch mal in Italien und so. Aber am schönsten war es bei meiner Oma. Die hatte eine Landwirtschaft und Gästezimmer vermietet. Da war immer was los in den Ferien.

Haben Sie auch reine Volksmusik gespielt?

Starflinger: Ja, freilich. Das musste ich allein schon wegen meinem ersten Lehrer spielen. Das war ein fanatischer Volksmusikanhänger. Das macht aber auch richtig Spaß. 

Wann haben Sie denn mit dem Geigenspiel angefangen? 

Starflinger: Brutal spät, mit fünfzehn. Viel zu spät eigentlich. Davor habe ich wahnsinnig viel E-Gitarre gespielt. Das habe ich von meinem Onkel gelernt. Der hat mir meine erste Gitarre und meinen ersten Verstärker geschenkt. Die besitze ich beide noch. Ich habe recht früh in einer Band gespielt, eine richtige Heavy-Metal-Hardcore-Band, die Buttcrawlers Enemy (lacht). 

Da wird einem klar, warum der Django-Gipsy-Mix so turbomäßig daherkommt … 

Starflinger: Ich spiele schon sehr perkussiv. Auch eher an Metal erinnern Ihre Tattoos.

Was steckt dahinter?

Starflinger: O je. Ich habe irgendwann angefangen. Meine Mama hat immer gesagt: Tattoos kommen nicht infrage, solange du nicht 18 bist. Dann bin ich 18 geworden, bin zu irgendjemandem zum Tätowieren gegangen. Der hat mir ein verheerend gestochenes Tribal (Muster) gemacht. Nach drei Jahren konnte ich es nicht mehr anschauen. Dann bin ich zum nächsten Tätowierer. Der war gut. Und ab da konnte ich nicht mehr aufhören.

Entwerfen Sie die Tattoos selbst?

Starflinger: Nein. Ich gehe da einfach hin und sage, er soll weitermachen. Ich mag auch gar nicht so große Bedeutung dahinter haben. Ich kenne mich. Ich bin so wechselhaft.

Womit gleichen Sie Ihren Musiker-alltag aus?

Starflinger: Ich mache Kampfkunst. Zwei bis dreimal die Woche Wing Tsun. Ab einem gewissen Level ist das fast schon wie Schachspielen. Es geht ja gar nicht darum, jemanden zu überwältigen, sondern darum einen angedeuteten Treffer zu landen.

Beeinflusst die Kampfkunst auch das Musikspiel?

Starflinger: Es verändert einen auf jeden Fall als Mensch. Man wird bedachter und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Starflingers Sommer-Tipps:

Ein Salat mit Lachs

Im Sommer esse ich grundsätzlich wenig, und dann hauptsächlich Salat. Was ich sehr gerne mag, ist Salat mit Lachs. Für mich eine wahnsinnig gute Sommerspeise. Mit selbst gemachtem Balsamico-Dressing.

Bei den Getränken bin ich wechselhaft. Vom Bier bin ich ziemlich weg, und im Sommer trinke ich untertags hauptsächlich Wasser, das gute Leitungswasser. In der Nacht vielleicht eine Weinschorle. Das ist ein sehr erfrischendes Getränk. A saure natürlich. 

Ich bin Fliegenfischer. Mit Leib und Seele. Das Fliegenfischen ist aktives Angeln. Man muss den Fluss entlang gehen. Man muss die Fische locken. Das Sitzen und Warten ist nicht meins. Man muss sich viel mit der Materie beschäftigen - zum Beispiel die ganzen Insekten kennen, die die Fische anlocken, und wann sie fliegen. Ist schon eine kleine Wissenschaft.

Antonio Seidemann

Alle bisherigen tz-Sommerinterviews 2015 finden Sie hier.

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