tz-Sommerinterview: Polizei-Vizepräsident Robert Kopp geht in den Süden

Der neue Rosenheim-Kopp

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Polizei-Vizepräsident Robert Kopp mit tz-Polizeireporterin Dorita Plange am berühmten Polizei-Mini

München - Nach 40 Jahren Polizeidienst in München sagt „Da Vize“ seiner Heimatstadt nun Servus und grüßt  als der „Rosenheim-Kopp“ - als Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Wir sprachen mit Robert Kopp (56) im tz-Sommerinterview über die Krönung einer grandiosen Polizeikarriere:

Herr Kopp, eigentlich sollten Sie Textilmechaniker werden, brachen aber die Lehre ab. Was ist damals passiert? 

Robert Kopp: Im Sommer 1975 war ich 16 Jahre alt. Da kam in unsere Realschule ein Werbebeamter, der uns erzählte, was man bei der Polizei alles werden kann. Hubschrauberpilot, Polizeireiter und einen Hund hat man auch noch. Fand ich super und mein Vater auch. Den Einstellungstest habe ich sofort bestanden. Trotzdem habe ich erst die Lehre angefangen. Die haben besser gezahlt. Da stand ich dann zwischen Riesen-Strickmaschinen und wusste am dritten Tag: Das ist nichts für mich. Im Oktober 1975 begann ich die Polizeiausbildung. Mein Bruder und  auch mein Sohn zogen nach. Beide sind heute Fahnder. 

Wie wird man Präsident? 

Kopp: Das ist ein Gesamtpaket aus Leistung und Engagement, vor allem aber Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen. Alleine erreicht man das nicht. Da gehört viel Glück dazu. Und auch, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. 

Was sagt die Familie zu den neuen Plänen?

Kopp: Die freuen sich alle und unterstützen mich. Sie haben immer alles mitgetragen. Auch wenn das Familienleben oft zu kurz kam. Privat bin ich wirklich auf der Sonnenseite des Glücks. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Wird man den Polizeipräsidenten künftig auf dem Motorrad zum Dienst fahren sehen? 

Robert Kopp taucht ab - Münchens Polizeivize wird jetzt Chef in Rosenheim

Kopp: Oh ja! Von daheim im südlichen Landkreis München sind es genau 61 Kilometer über die Autobahn. Aber ich fahre ungern bei Regen und Kälte und nachts fahre ich nie. Weil’s zu gefährlich ist. Man sieht wenig. Da kann man schon herunterfallen, wenn die Straße nur dreckert ist. Das muss ich nicht haben. 

Haben Sie ein Blaulicht am Motorrad? 

Kopp: Nein. Würden Sie einschreiten, wenn es nötig wäre? Kopp: Nicht wegen jeder Kleinigkeit. Wenn aber Leib und Leben anderer in Gefahr gerät, bin ich dazu sogar verpflichtet. Und wenn’s nur der Griff zur 110 wäre oder ich mir das Kennzeichen merke. Das kann übrigens jeder tun. 

Haben Sie weitere Hobbys? 

Kopp: Ein ganz Großes: die Familie! Die steht bei meiner Frau Angelika (55) und mir im Mittelpunkt. Erst in den Ferien waren drei unserer fünf  Enkelkinder (ein bis 13 Jahre alt) eine Woche bei uns. Immer dabei ist  unsere weiße Schäferhündin Tinka (11). Wir würden nirgendwo hinfahren, wo der Hund nicht willkommen ist. Ich bin so ein richtiger Familienmensch. Und glücklich damit. Dienstlich bin ich der klassische Großstadt-Polizist. Aber privat passiert alles Richtung Berge im künftigen Dienstbereich. Im Münchner Norden oder Westen kenne ich mich ehrlich -gesagt wenig aus. Einmal bin ich mit dem Motorrad durchs Altmühltal gefahren. Das war die nördlichste Tour. 

Das war ja nicht sehr weit...

Kopp: Nach Norden nicht. Nach Süden schon. Dolomiten, Südtirol, Kaisergebirge. Da kenne ich mich aus. 

Ihr Nachname - bitte entschuldigen Sie - verführt zu Wortspielchen. Stört Sie das? 

Kopp: Jaja, ich weiß. Der RoboKopp und jetzt der Rosenheim-Kopp. Da gibt’s auch im Internet immer so nette Kommentare. Das ist mir egal. 

Wissen Sie, wie Ihre Kollegen Sie nennen? 

Kopp: „Da Vize“, glaube ich. Ich habe einen Spitznamen aus der Jugendzeit, aber den kennen nur wenige: Bobby! 

Was nehmen Sie mit aus München? 

Kopp: Ich bin ein leidenschaftlicher Teamplayer. Das hat in München immer super geklappt. Das Konzept nehme ich mit. Viele Gespräche trotz Termindrucks. Miteinander statt von oben herab. So findet man Lösungen. Wir wollen schließlich alle das Gleiche. Der Unterschied liegt künftig in den  großen Entfernungen.  Eine Zentral-Denke von Rosenheim aus wird nicht funktionieren. Aber da bin ich flexibel genug. 

Werden Sie etwas vermissen? 

Kopp: Die Kollegen werden mir abgehen. Vielleicht auch ein bisserl das Einsatzgeschäft. So richtig mittendrin -  das hat mir immer Spaß gemacht. 

Und was werden Sie ganz sicher nicht vermissen? 

Kopp: Eigentlich nichts. Doch! Den abendlichen Stau auf der Heimfahrt. Mein Rekord für die 15 Kilometer liegt bei eineinhalb Stunden. 

Man sagt, Sie sind ein gefürchteter Frühaufsteher? 

Ein Urlaubs-Selfie mit Ehefrau Angelika (55) und Hund Tinka

Kopp: Stimmt! Im Sommer fahre ich oft vor sechs Uhr früh ins Präsidium. Ich brauche wenig Schlaf. Vier oder fünf Stunden. Aber es gab eine Ausnahme. Nach dem G7-Gipfel. Meine Frau hat gesagt, so viel geschlafen hätte ich noch nie. Von 21 bis sieben Uhr und mittags am Pool noch eine Stunde. Ich stehe jeden Tag um 4.45 Uhr auf. Sommer wie Winter. Und meine Frau steht mit mir auf. Das muss Liebe sein. Kopp: Ja. Obwohl sie das gar nicht müsste. Sie macht das gern. Wir frühstücken und sie liest Zeitung. Einen Kaffee, ein Stückerl Brot - und dann gehe ich. 

Erwarten Sie das etwa auch von Ihren Mitarbeitern?

Kopp: Oh nein. Keine Sorge.

Gab es in Ihrer Münchner Zeit prägende Ereignisse? 

Kopp: Geprägt hat mich die Bedrohungslage zur Wiesn 2009. Das war hart. Da habe ich kaum noch geschlafen. Wir waren alle froh, als es vorbei war. Das Sicherheitskonzept von damals kommt der Wiesn heute zugute. Dann der Tod von Dominik Brunner, kurz vorher im gleichen Jahr. Ich wurde verständigt, als er noch im Schockraum war. Sein tragischer Tod hat in der Gesellschaft etwas bewirkt im positiven Sinne. Was ich bis dahin auch noch nie gesehen hatte, waren die Reaktionen auf das „Finale Dahoam“ in der Champions League 2012. Ich habe noch nie so viele Menschen zugleich weinen sehen. Erst Superstimmung, und plötzlich war alles vorbei. Wir waren auf der Ludwigstraße. Da waren Menschenmassen. Und alle haben geheult. 

Sie auch? 

Kopp: Nein, ich nicht. Aber das hat mir leidgetan. Diesen Sieg hätte ich der Stadt so sehr gegönnt. Es gab noch ein für mich persönlich sehr einschneidendes Erlebnis. Der Tod eines langjährigen Kollegen. Er ist sehr krank gewesen. Ausgerechnet am ersten Tag des NSU-Prozesses erreichte uns die Nachricht von seinem Tod. Das waren für uns alle schlimme Tage. Wir haben uns seit den 80er-Jahren gekannt, so viele Einsätze Seite an Seite bestritten. Und dann passiert so was. Furchtbar. 

Kennen Sie sich schon gut aus in Ihrem neuen Revier? 

Kopp: Jein. Dank G7 bin ich rein geographisch in Garmisch, Elmau, Mittenwald, Krün und Wallgau topfit. Auch Bad Tölz, Rosenheim, Miesbach, Schliersee, Spitzingsee kenne ich gut. Der polizeiliche Background fehlt mir natürlich noch. 

Wo waren Sie im Urlaub? 

Kopp: Nach dem G7-Gipfel  war ich mit meiner Frau und dem Hund in Reith im Tiroler Alpbachtal in einem Wellnesshotel. Lange Spaziergänge. Baden. In die Berge gehen. Herrlich war’s. 

Womit erfrischt sich der Präsident an heißen Tagen? 

Kopp: Mit allem, was kalt ist. Wurschtsalat mit und ohne Käse, Obazda. Zum Trinken gern mal ein Radler oder alkoholfreie Kombucha-Limo und Ingwer-Orangen-Bionade. 

Wann und mit wem steht die nächste Motorradtour an?

Kopp mit den Söhnen Robert (35, rechts) und Christan (31)

Kopp: Früher war ich mit meinen Söhnen Robert (35) und Christian (31) unterwegs. Doch seitdem sie Väter geworden sind, fahren die nicht mehr. Die jährliche Tour mache ich jetzt mit Kollegen. Wegen des G7-Gipfels ist die heuer ausgefallen. Das holen wir nächstes Jahr alles nach.

Dorita Plange

Robert Kopps Touren-Tipp

Kurven bis zum Abwinken und längere Tagesstrecken als gewöhnlich - Robert Kopps liebste Motorrad-Tour durch Südtirol ist nichts für Anfänger: 

Robert Kopp ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer

1. Tag: Bad Tölz, Zillertal, Gerlospass, Mittersil, Felbertauern, Defereggental, Staller Sattel, Antholzer Tal, Furkelsattel, Würzjoch, Grödner Tal. Übernachtung in Andrian. 

2. Tag: Eggental, Passo di Lavaze, Passo di Manghen, Passo del Brocon, Passo di Rolle, Val Travignoto, Passo di Costalunga, Passo di Nigra, Bozen. Zurück nach Andrian. 

3. Tag: Passo di Mendola, Passo di Palade, Meran, Vinsch-gau, Passo dello Stelvio, Valle del Braulto, Valdidentro, Passo di Foscagno, Livigno, Ofenpass (Schweiz), Münstertal, Reschenpass, Landeck, Hahntennjoch, Lechtal, Plansee, Ettal, München.

Alle Sommerinterviews zum Nachlesen

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