Das tz-Sommerinterview mit dem BR-Dokumentarfilmer

Franz Xaver Gernstl: Ein sonniges Gemüt

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Sommeridylle auf der Hackerbrücke: Franz Xaver Gernstl mit tz-Redakteurin Tina Layes

Der Mann, der seit 30 Jahren durch die ganze Welt reist und andere Menschen zum Reden bringt, plaudert heute nur über sich. BR-Dokumentarfilmer Franz Xaver Gernstl (64) hat sich für das tz-Sommerinterview ein gemütliches Plätzchen gewünscht: die Hackerbrücke beim Sonnenuntergang.

Herr Gernstl, sind Sie ein romantischer Typ?

Franz Xaver Gernstl: Ja, sobald die Sonne rot wird, bekomme ich romantische Gefühle.

Kommt bei Frauen gut an, oder?

Gernstl: Sagen wir so: Es ist ein extrem guter Moment, um Frauen näherzukommen …

Als Rosenheimer sind Sie in Ihrer Jugend ja auch gerne bei Sonnenuntergang auf dem Bankerl am Samerberg im Chiemgau gesessen …

Gernstl: (grinst) Stimmt. Da hast halt einfach jedes Mädel rumgekriegt.

Gernstl ist viel unterwegs. Wo gibt es die schönsten Sonnenuntergänge?

Gernstl: Auf La Gomera in der Bar Maria in Valle Gran Rey. Das war die erste Bar, die von den Hippies entdeckt wurde. Die Menschen sitzen mit einem Bier vor der Bar - und trommeln. Warum Hippies immer trommeln müssen, verstehe ich allerdings nicht. Besonders schön ist er auch in Tel Aviv am Drummer’s Beach. Da wird lustigerweise auch getrommelt. Na ja, die Sonne ist ja eh überall gleich. Doch die Menschen scheint es zu faszinieren, wie sie sich vom Tag verabschiedet.

Wo fährt jetzt der Gernstl hin, wenn er Urlaub macht?

Gernstl: Ich habe nie bestimmte Ziele und plane stets spontan. Das kann allerdings manchmal auch voll daneben gehen: Letztes Jahr habe ich kurzfristig ein schönes Haus in der Toskana für sechs Leute gemietet. Letztendlich saß ich dann mit meinem Sohn alleine da. War aber trotzdem schön. Dieses Jahr war ich für meine Verhältnisse überdurchschnittlich viel im Urlaub: in La Rochelle in Frankreich, auf Ibiza, in Marokko, Paris und zuletzt in Thessaloniki in Griechenland. Ich bin nicht der Typ, der drei Wochen am Stück Urlaub nimmt.

Warum?

Gernstl: Das haut einfach ned hi. Seit 30 Jahren ist mir das nicht mehr gelungen. Ich habe zwar noch 120 Urlaubstage, aber ich kann einfach nicht zu lange von der Firma wegbleiben.

Wo waren Sie damals?

Gernstl: Mit dem Fischer (HP Fischer, Freund und Kameramann; Anm. d. Red.) in Amerika an der Westküste. Wir sind fünf Wochen lang einfach nur rumgefahren. Das hat uns große Freude gemacht, und wir dachten uns: Eigentlich schad, dass wir jetzt keine Kamera dabei- haben. So ist auch die Idee für Gernstl unterwegs entstanden. Wir brauchen irgendwas oder irgendwen, der uns das Reisen finanziert.

Das wurde dann der BR. Seit 30 Jahren ratschen Sie in Ihrer Sendung mit Menschen aus aller Welt. Hand aufs Herz: Welche sind die angenehmsten?

Gernstl: Die Niederbayern und die Oberpfälzer. Das sind zurückhaltende, ehrliche, bodenständige, ja, einfach gradlinige Menschen.

Und wo ist der Gernstl privat am liebsten?

Gernstl:  Am liebsten daheim auf meinem Balkon in Schwabing. Eben weil ich ja immer so viel unterwegs bin. Und wenn du in München so ein Wetter hast, dann brauchst eh ned wegfahren. Ich koche ja auch sehr gerne, und oft lade ich dann meine Söhne zu mir ein. Zurzeit lege ich gerade Salzgurken ein, und ich backe mir auch mein Brot selber. In den vergangenen Jahren habe ich aber auch immer besser gelernt, einfach mal so ein Wochenende zu vertrödeln und nix zu tun.

Seit kurzem sind Sie Vegetarier. Warum?

Gernstl: Aus Bequemlichkeit. Damit ich kein Gschiss mit meiner Freundin habe - die ist Vegetarierin, und ich mag’s mittlerweile auch.

Deshalb auch der neu angelegte Gemüsegarten direkt neben Ihrem Büro?

Gernstl: Auch, aber nicht nur. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist: Garten schauen. Wie das alles wächst - oder auch nicht: Obwohl der Zucchinistrauch riesig war, ist nur eine einzige mickrige gekommen. Aber mein Rosmarin hat jetzt richtig protzige Nadeln. Seit zehn Jahren schleppe ich ihn mit mir rum. Er war immer kurz davor, kaputtzugehen. Einmal habe ich ihn sogar schon in den Mülleimer geworfen, aber dann tat er mir leid - und ich habe ihn wieder rausgeholt.

Ein großes Herz. Für welche Filme oder TV-Sendungen schlägt Ihr Herz?

Gernstl: Ehrlich gesagt gefallen mir die meisten Filme nicht. Aber meine Freundin geht so gern ins Kino Münchner Freiheit. Da begleite ich sie dann, aber meistens gehe ich nach der Hälfte wieder  raus …

… und die Freundin ist beleidigt?

Gernstl: Nein, sie geht meistens auch mit. Wir haben den gleichen Geschmack.

Gar kein Lieblingsfilm?

Gernstl: Doch, klar. Lost in Translation. Ach, und zurzeit schaue sehr gerne die US-Serie Californication. Ich bin Netflix-Abonnent.

In welcher anderen Stadt außer München könnten Sie sich zu leben vorstellen?

Gernstl: Wien. Das ist eine charmante, liebenswerte Stadt, obwohl die Wiener so muffig sind. Berlin - wenn es sein müsste. Und Rosenheim. Weil da hast du die Berge und Seen drumherum.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann mal nicht mehr Gernstl-Dokus zu machen?

Gernstl:  Sicher nicht, bloß weil ich irgendwann in Rente gehe. Was sollst dann machen? Solange die zwei anderen alten Herren noch können, machen wir weiter. Einer kann schließlich immer noch den anderen im Rollstuhl rumschieben. Wenn einer wirklich nicht mehr kann, dann kennen wir eine Strandbar auf Elba, die zurzeit nicht sehr gut geht.

Warum die?

Gernstl: Da tanzen bei Sonnenuntergang die schönsten Frauen rum …

Gernstls Sommer-Tipps:

Zum Viktualienmarkt laufen, in Lokale einkehren und schlemmen - und für den Abend feine Sachen kaufen, die abends gekocht werden. An den Starnberger See fahren und sich beim Bootsverleih Wenzel ein Elektroboot mieten. Der ist direkt an der S-Bahn-Station, und außerdem muss man sich dann nicht um einen Sitzplatz am Ufer bemühen. Abends zum Fischmeister gehen und Renken-Backerl genießen. Für mich der gelungene Ausflug! Aber bitte nur unter der Woche.

Gernstls Lieblingsplätze:

Am liebsten gehe ich in die Sushibar in der Marschallstraße 2. Der Fisch ist stets frisch und von bester Qualität. Ich empfehle das Doraden-Carpaccio mit Zitronensoße (leider verrät der Chefkoch das Rezept nicht).

Das neu eröffnete Restaurant Helene liebt dich (Occamstr. 5). Dort gibt es Speisen aus aller Welt: marokkanische Tajine, aber auch Königsberger Klopse, geschmortes Hendl oder Birne Helene. Multikulti auf hohem Niveau.

Meine Lieblingsbäckerei ist das Butterbrot in der Feilitzschstraße 31. Dort gibt es ganz wunderbares Brot und vorzügliche Dinkel-Käsesemmeln.

Tina Layes

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