Er hilft Obdachlosen in der Stadt

Frater Emmanuel, machen Sie als Mönch auch mal Urlaub?

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Erfrischung gefällig? Frater Prior Emmanuel Rotter im Klostergarten von St. Bonifaz. Zum Entspannen zieht's ihn unter anderem in sein Heimatdorf.

München - Frater Emmanuel Rotter leitet die Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz im Herzen Münchens. Im großen tz-Sommerinterview haben wir ihn gefragt, ob ein Mönch eigentlich auch mal Urlaub machen darf.

Heute reden wir in unserem Sommerinterview mit Frater Prior Emmanuel Rotter (48). Der Benediktinermönch leitet die Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz. Im Herzen der Stadt liegt das Kloster mit dem im Jahr 2001 gebauten Haneberghaus. Dort bekommen Obdachlose kostenloses Essen, ärztliche Hilfe und Kleidung.

Frater Emmanuel ist mit 23 Jahren ins Kloster eingetreten, vorher hat er eine Lehre als Schreiner gemacht und Krankenpfleger gelernt.

Wir haben ihn gefragt, ob er als Mönch auch mal Urlaub machen darf und wie es heute für ihn ist, wieder in sein Heimatdorf Albaching (Landkreis Rosenheim) zurückzukehren. Und warum ihm das Aufstehen im Kloster manchmal schwerfällt.

Entspannend ist’s hier im Klostergarten, Frater Emmanuel. Trotzdem sind Sie im Kloster stark eingebunden. Gibt’s als Mönch auch so etwas wie Urlaub?

Frater Emmanuel: Klar, das haben wir auch. Manche Mitbrüder sagen Urlaub, manche Ferien. Drei Wochen bekommt jeder von uns im Jahr frei. Aber wenn es eine vierte braucht, dann können wir darüber mit unserem Abt reden.

Was treiben Sie dann?

Frater Emmanuel: Dann bin ich mal nicht eingebunden in den Gemeinschaftsbetrieb. Und fahre, wie gerade erst, zum Beispiel in meinen Heimatort Albaching. Dort habe ich meine Mutter und eine meiner Schwestern besucht.

Schwestern ist ein gutes Stichwort: Sie sind mit einer Zwillingsschwester und zwei weiteren Schwestern aufgewachsen. Mögen Sie Frauen nach dieser Zeit überhaupt noch?

Frater Emmanuel: Ich hatte eine schöne Kindheit. Und hab mich mit meinen Schwestern

Die Familie von Frater Emmanuel hat früher daheim im Dorf geurlaubt. Hier ist er als Bub zu sehen.

gut vertragen. Außer wenn ich im Sommer beim Spielen im Garten mal eine Spezi-Flasche ergattert habe. Die habe ich bis aufs Letzte verteidigt.

Wie ist es dann so, wieder in der Heimat zu sein? 

Frater Emmanuel: Viele Leute kennen mich noch. Ich war ja damals in der Feuerwehr, beim Schützenverein und auch in der Blaskapelle. Daheim bin ich auch immer noch der Bernhard, mein weltlicher Name. Meine Freunde haben am Anfang gefragt, ob sie Emmanuel sagen sollen. Aber das passt schon so. Für meine Mutter bin ich ganz einfach der Bernd.

Auf alten Fotos aus Ihrer Kindheit ist immer eine ganze Meute von Spielkameraden zu sehen. Sieht aus, als hätten Sie Spaß gehabt.

Frater Emmanuel: Wir waren vier Geschwister - da konnten sich unsere Eltern keinen großen Urlaub leisten. Wir haben die Ferien daheim auf dem Dorf verbracht. Immer draußen, immer am Spielen. Für uns Kinder war das super. Komisch war’s nur manchmal: wenn die Schulkameraden etwa vom Urlaub im damaligen Jugoslawien erzählt haben.

Wann konnten Sie das erste Mal mit einer Reise angeben?

Frater Emmanuel: Meine zweitälteste Schwester und ihr Mann haben mich und meine Zwillingsschwester mit in den Urlaub nach Zagreb genommen. Dort bin ich das erste Mal Wasserski gefahren. Prompt ist meinem Schwager das Benzin fürs Motorboot ausgegangen. Ich lag mit meinen Skiern im Wasser. Blöd, dass ich vorher den Film "Der weiße Hai" gesehen hatte.

Danach hat es Sie immer wieder in die Ferne gezogen.

Frater Emmanuel:  Während meiner Zeit im Kloster war ich etwa bei meiner Großtante in Südafrika, in den USA und für einen Englischkurs in London. Die erste Reise ohne Familie war während meiner Ausbildung als Krankenpfleger nach Griechenland. Da war ich mit sechs Krankenschwestern unterwegs. Der Hahn im Korb sein - super! Anscheinend habe ich aber keine gefunden, deswegen bin ich ins Kloster (lacht).

Naja. Sie sollen in ihrer Jugendzeit ein kleiner Casanova gewesen sein …

Frater Emmanuel: Ein Bekannter hat mal gesagt, der Nasenbach in meinem Heimatort hatte Hochwasser, als ich ins Kloster eingetreten bin. Von den Tränen der Frauen. Das ist natürlich eine Unterstellung.

Warum sind Sie ins Kloster eingetreten?

Frater Emmanuel: Ab dem 15. Lebensjahr war ich immer zwei Wochen in den Ferien im Kloster Andechs zu "Kloster auf Zeit". Dort lernen junge Leute das Leben im Kloster kennen. Und da habe ich gemerkt, dass mir die Gemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten gut gefällt.

Und Ihre Freunde - mussten Sie sich viele dumme Kommentare anhören?

Frater Emmanuel: Die haben, als ich noch in der Blaskapelle war, miterlebt, dass ich feiern kann. Darum war das für die nicht komisch, dass ich ein paar Wochen im Kloster war. Auch später haben sie die Entscheidung akzeptiert.

Heute leiten Sie die Obdachlosenarbeit von St. Bonifaz. Wie kam’s dazu? 

Frater Emmanuel:  Anfangs hatte ich Vorurteile gegen Obdachlose. Auf dem Dorf hatten wir nie Kontakt zu Menschen, die keine Bleibe haben. Am Stammtisch hieß es „I wor z' Minga oben, und da san s' wieder rumglegen - die kenntn doch arbeiten.“ Da habe ich immer eifrig mitgeredet. Als ich in München war, habe ich aber gemerkt, dass diese Leute ganz normal sind. Sie sind nur an einer Stelle in ihrem Leben gescheitert.

Sie versorgen täglich bis zu 200 Obdachlose. Was ist am schwierigsten? 

Frater Emmanuel: Wir müssen uns um immer mehr Leute kümmern. Wir brauchen dringend Unterwäsche, Socken und Schuhe für Männer! Wer helfen mag, kann gerne Sachen an der Klosterpforte oder im Haneberghaus abgeben.

Auch immer mehr Menschen aus den Balkanstaaten kommen zu Ihnen. Wie stehen Sie dazu?

Frater Emmanuel: Diese Menschen würden nicht freiwillig aus ihren Ländern weggehen, wenn dort alles gut wäre. Es ist schlicht falsch, dass die nur kommen, um unsere Sozialkassen zu plündern. Zum Beispiel können sie erst nach fünf Jahren, die sie in München leben, eine Sozialwohnung beantragen.

Bei so viel Arbeit braucht‘s auch Erholung. Wann steht der nächste Urlaub an?

Frater Emmanuel: In ein paar Wochen geht’s nach

Beim Urlaub in Israel.

Israel. Da war ich schon mal - meine bisher schönste Reise. Das Beste: Im Urlaub kann ich ab und zu ausschlafen. Eigentlich bin ich nämlich Langschläfer. Vor 10 Uhr geht da nichts.

Frater Emmanuels Sommertipps

1. Mein Lieblingsplatzerl in der Stadt: Ich setze mich aufs Radl und fahre in den Englischen Garten. Aber weiter rein, wo es ruhig ist …

2. Wenn es richtig heiß ist, esse ich gerne Tomate/Mozzarella. Das ist genau das Richtige für diese Temperaturen. Außerdem eins meiner liebsten Sommeressen: Wurstsalat. Aber den bayerischen, ohne Käse!

3. Toll für eine kleine Wanderung ist das Kloster Andechs, das auch zu uns Benediktinern gehört. Mit Freunden gehe ich gerne von Herrsching oder Starnberg aus rauf. Und gönne mir eine oder zwei Halbe. Denn: Die bleiben länger kühl als eine Mass.

Alle bisherigen tz-Sommerinterviews 2015 finden Sie hier.

 

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