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Großes tz-Sommerinterview

Kabarettist Christian Springer: Daheim ist's am schönsten

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Kabarettist Christian Springer mit tz-Redakteur Johannes Welte.

München - Großes tz-Sommerinterview mit  Christian Springer. Der Kabarettist hat uns von seinem Urlaub und seiner Hilfsaktion für Syrer erzählt.

Für unsere tz-Sommerinterviews haben wir Christian Springer am Oberstjägermeisterbach im Englischen Garten getroffen, gleich neben seinem Lieblingsbiergarten in der Hirschau. Wir sprachen mit dem Kabarettisten etwa über seine Lieblingsplätze. Dabei entpuppte Springer sich als außerordentlich heimattreu. Logisch, dass er sich kraftvoll für Menschen einsetzt, die ihre Heimat verloren haben.

Herr Springer, wenn Sie nicht gerade hier in der Hirschau im Biergarten sitzen - was machen Sie dann im Sommer?

Christian Springer: Bei diesem Wetter fahr ich ungern weg. Daheim, das ist wirklich eine ideale Mischung aus München, Bayern und Italien. Wo es mich wahnsinnig hinzieht, weil ich viel zu selten da bin, ist meine Terrasse. Da steht ein Grill, da schaut ma auf Blumen, und da gibt’s an Kühlschrank, wo a Bier drin ist.

Und wo ist das?

Springer: In Berg am Laim. Ich bin ein eingefleischter Münchner Ostler und wenn mich nicht größere Naturkatastrophen dazu zwingen, wird' ich auch nie nach Laim oder Pasing oder sonst wohin ziehen.

Und wegfahren tun Sie gar nicht?

Springer: Ein absolutes Muss für mich ist zwei Mal im Jahr Italien. Und wenn es nur die erste  Tankstelle hinter der Grenz, ist wo ich einen gescheiten italienischen Cappuccino krieg. Heuer geht es nach Südtirol. Es darf aber sonst auch Venedig oder Rom sein.

Wie war das früher als Kind?

Springer: Meine Eltern haben von Montag früh um vier bis Samstag Nachmittag um drei im Obst- und Gemüsegeschäft geschuftet - und trotzdem noch die Energie gehabt, mit meinem Bruder und mir in die Berge zu fahren.

Und was nehmen Sie so alles in Ihren Urlaub mit?

Springer: Dadurch, dass ich als Kabarettist einen Tourneeberuf habe und ständig unterwegs bin, hab ich in zehn Minuten gepackt. Die längste Zeit verbring ich vor meinem riesigen Bücherregal und überleg: Was für a Buch nehme ich mit? Und dann bringe ich sie wieder ungelesen nach Hause, weil man am Abend nach einem Glaserl Rotwen eingeschlafen ist. Aber das passt scho. Urlaub heißt für mich: einfach Zeit haben fürs Nichtstun.

Wie oft geht’s zu Fonsis Wirkungsstätte in Neuschwanstein?

Springer: Das seh' ich gar nicht mehr, es war ja nur die  Berufslegende fürs Fernsehen. Wobei ich es wahnsinnig gern mag, ein mystischer Ort. Wir haben da mal gedreht bis in die Nacht. Und als ich da in der letzten Helligkeit alleine auf dem Balkon vom Thronsaal über dem See stand und rausschaute, war das so ein Moment, wo ich mir gedacht hab: Blöd war der nicht, der Kini. Er war alles, gspinnert, aber nicht blöd. Und ich glaube, er war demokratischer als so mancher bayerischer Ministerpräsident.

Vermissen Sie die Fonsi-Rolle?

Springer: Gar nicht. Die Leut' im Biergarten kommen her, und sie sagen: Fonsi, super, was ihr da im Schlachthof macht’s! Für die heiß ich so, aber ich brauch die Uniform nimmer. Ich fühl mich sehr wohl, als Springer durch die Gegend zu laufen.

Gibt es neue Pläne? 

Springer: Ja es gibt ein neues Programm im März. Es heißt: Trotzdem. Es ist ein Programm gegen die eigene Ohnmacht. Jeder kennt Monaco Franzes Spruch „A bisserl was geht immer“. Das muss man über das Flirten hinaus sehen, auch in der Politik oder im Fußball. Als 60er muss man sich ja auch an so ein Lebensmotto halten: A bisserl was geht immer. Jetzt sind wir ja immerhin im Pokal weiter.

Wird das Programm politisch?

Springer: Ja, natürlich. Ich merke, dass mein Publikum mir gerne zuhört, wenn ich mich zum Zeitgeschehen äußere. Ich habe genügend Schmäh und Fantasie, das nicht zu einem trockenen Vortrag verkommen zu lassen.

Da geht es ja sicher auch um das Thema Asyl. Es gibt ja Leute, die sprechen über gute und schlechte Flüchtlinge…

Springer: Mit mir kann man über die Flüchtlingssituation nicht diskutieren. Starke Menschen müssen schwachen Menschen helfen. Bayern ist stolz darauf, zu den stärksten Staaten zu gehören. Was soll der ganze Schmarrn?

Doch es gibt Menschen, die sehen das anders…

Springer: Fast jede Gemeinde hat derzeit ihre Diskussion über Flüchtlingsheime. Dass da Rassisten zu Wort kommen dürfen, verstehe ich nicht. Kein Kinderschänder dürfte in diesem Land seine Thesen so offen äußern, wie es diese Rassisten tun. Es gibt da Leute, die die Ausländer weg haben wollen und welche, die Ausländer sogar tot sehen wollen. Und es gibt tatsächlich so viele Anschläge wie selten zuvor.

Wenn Leute sagen, es gibt Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen, ist das auch schon Rassismus?

Springer: Nein nein, Rassisten sind ganz anders drauf. Man muss ja eines sehen: Wir sind das größte Wanderungsvolk schlechthin. In Südafrika lebt noch eine Million Deutschstämmige, sechs Millionen sind nach Nordamerika ausgewandert, zwei Millionen nach Brasilien. Das waren alles die Brüder unserer Großväter, und das waren die Leute, die meiner Mama nach dem Zweiten Weltkrieg Carepakete geschickt haben. Dass Menschen -Erdteile wechseln, ist das Normalste der Welt. Sie wissen ja als Orienthelfer mehr als die meisten von uns, wieso Millionen Menschen auf der Flucht sind.

Wie ist die aktuelle Lage in den syrischen Flüchtlingscamps im Libanon?

Springer: Es ist dramatischer denn je. Nur 55 Prozent der Flüchtlinge bekommen von der UNO noch Essenspakete registriert. Und die Rationen wurden von 47 Dollar auf 13,50 Dollar im Monat gekürzt. Dabei ist das Preisniveau wie bei uns. Dort verhungern Kinder. Und wenn man bei uns Hunde so halten würde, wie dort die Menschen hausen, dann stünde der Tierschutzverein sofort auf der Matte.

Sie waren mit dem Altöttinger CSU-Bundestagsabgeordneten Tobias Zech vor Ort. Wie war es, mit dem „natürlichen Feind des Kabarettisten“ auf Reise zu sein?

Springer: Nein, der CSUler ist kein natürlicher Freund, sonst wär ich ja arbeitslos. Im Ernst, Herr Zech war zu 150 Prozent auf unserer Seite, was die humanitäre Hilfe betrifft.

Und die jüngste Asylaussagen der Christsozialen?

Springer: Wir haben heftigst darüber diskutiert. Ich finde die Aussage des CSU-Generals Scheuer, dass 60 Millionen Flüchtlinge an unseren Grenzen stehen, absolut bodenlos - weil sie unwahr ist.

Und was sagt Zech dazu?

Springer: Er meint, es sei ist ein Unterschied, ob man im Kosovo arbeitslos ist oder von Assads Geheimdienst in den Kerker geworfen wird, ob man keine Krankenversicherung bekommt oder im Irak vom IS gejagt wird.

Und was sagen Sie zum Kosovo?

Springer: Seltsam ist, dass andere europäische Länder höhere Asyl-Anerkennungsquoten bei Kosovo-Bürgern haben als wir. Das ist ja schon Kabarett: Die Europäische Union weiß nicht, ob es in Europa sicher ist. Ich würde ein Transall-Flugzeug chartern und alle aus dem Kosovo ausfliegen. 80 Prozent des europäischen Heroins werden über dieses Land gehandelt, das auch eine Drehscheibe der Zwangsprostitution ist. Und das Parlament dort schaut nicht zu, sondern ist beteiligt.

Wie sollte Asylpolitik dann ausschauen?

Springer: Asylpolitik ist nicht emotional. Es gibt Probleme und Lösungen. Asylpolitik wird aber emotionalisiert. Politiker machen den Leuten Angst, das ist billig. Dabei können wir ohne Fremde gar nicht sein. Wir importieren alles. Dabei kommt eine Unterhose leichter über die Grenze als ein Mensch - es sei denn, dieser ist Mittelstürmer.

Glauben Sie, dass das die Menschen verstehen?

Springer: Die Politik geht an den normalen Menschen vorbei. Es gibt so viele Orte mit einer immens hohen Hilfsbereitschaft. Und das sind nicht nur die Weit-gereisten, die helfen. Das ist faszinierend und stimmt mich optimistisch.

Springers Sommertipps

1. Wenn ich in den ­Biergarten geh, dann in die Hirschau. Schon, weil ich mit den Hagns ­befreundet bin.

2. Das Valentinsmusäum, schon wegen der Chefin Sabine Rinberger.

3. Wer den Segen von ganz oben braucht, soll ja nicht zum Landtag fahren, sondern in die Bürgersaalkirche zum Grab von Pater Rupert Mayer. Der war ganz definitiv ein ganz Aufrechter.

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