Todesspringer (26): War er der grausame Samurai?

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In dieses Reitstüberl fiel der Mann, der aus der Cessna sprang.

Bergkirchen - Er wollte eine Cessna über Dachau zum Absturz bringen. Als dies nicht gelang, sprang er selbst in den Tod. Möglicherweise geht auch eine Samurai-Attacke auf das Konto des jungen Mannes.

Die Verzweiflungstat eines 26-jährigen Augsburgers vom Wochenende – löst sie einen fünf Jahre alten Kriminalfall, der für Monate die schwäbische Metropole verunsicherte? Am Samstag tobte über Palsweis (Kreis Dachau) im Cockpit einer Cessna ein Kampf auf Leben und Tod. Pascal R. (26) aus Augsburg hatte das Kleinflugzeug zu einem Rundflug angemietet, doch er wollte es zum Absturz bringen. Mehrmals stach er deswegen mit einem Klappmesser auf den Piloten (42) ein. Der aber konnte sich wehren, schließlich gab Pascal R. auf, öffnete die Tür am Rücksitz und sprang aus einer Höhe von 500 Metern in den Tod. Der tapfere Pilot wurde nur leicht verletzt, er konnte die Maschine landen und ist inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Noch immer laufen die Ermittlungen zu dem Freitod. Dabei stellt Todesspringer Pascal R., der als Konsument harter Drogen galt und mit psychischen Problemen kämpfte, die Polizei plötzlich vor ein weiteres Rätsel. Ist er vielleicht sogar der Mann, der im Juli 2005 eine damals 47-jährige Richterin mit eine Schwert attackierte und sie dabei fast umbrachte?

Der grausame Fall: Am Vormittag des 28. Juli 2005 radelt die Familienrichterin im Stadtteil Pfersee, der im Westen von Augsburg liegt, auf einem Radlweg. Von hinten nähert sich ein männlicher Radler, der schwingt ein Samuraischwert oder eine andere, scharfkantige Waffe, und schlägt der Frau von hinten die Klinge in den Nacken! Die Frau wird lebensgefährlich verletzt. Zeugen sehen noch, wie der Angreifer seine Waffe in die Höhe reckt, als würde er seinen Triumph feiern.

Die Richterin überlebt den Angriff. Eine Ermittlungsgruppe der Kripo mit dem Namen „Samurai“ fahndet monatelang, währenddessen geht in Augsburg die Angst um. Die Angst ist so groß, dass Polizisten die Radwege überwachen.

Doch der Täter bleibt ein Phantom, trotz der Überprüfung dutzender von Waffen, trotz der Befragung hunderter Personen. Und eine DNA oder Fingerabdrücke fehlen gänzlich, es existiert nur die Skizze vom Gesicht des jungen Mannes. Die Kripo kommt schließlich zum dem Schluss, dass die Frau ein Zufallsopfer war, der Angriff – die Tat eines Verrückten.

Nun prüft die Kripo, ob Pascal R. der rätselhafte Samurai-Angreifer auf dem Radlweg gewesen sein könnte. Immerhin sammelte er Schwerter in seiner Wohnung, die unweit des Orts der Attacke auf die Richterin in Pfersee liegt. Er posierte mit den Waffen auf Fotos, machte Bilder von den Klingen. Auf einem Video auf seiner abgeschalteten Homepage zeigt Pascal R., dass er im Umgang mit Schwertern Erfahrung hat. Michael Lechner, Sprecher der Polizei Augsburg, spricht zwar davon, „dass es keine konkreten Hinweise gibt“. Doch er bemerkt auch, dass zwischen der Phantomzeichnung von 2005 und Fotos des Cessnaspringers „eine gewisse Ähnlichkeit da ist“.

Markus Christandl

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