S-Bahn-Chaos am Montagabend

tz-Umfrage: Das sagen die Fahrgäste zum Streik

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Die Lokführer streikten: So sah es gestern Abend am Münchner Hauptbahnhof aus.

München - Die Lokführer legten den Feierabendverkehr lahm! Die S-Bahn strich vorsorglich schon ab 17.30 Uhr Dutzende Zusatzzüge im 10-Minuten-Takt. Was halten die Münchner von Streit und Streik? Die tz fragte nach.

Pendler, zurückbleiben bitte: Die Lokführer legten den Feierabendverkehr lahm! Für Montag, 18 bis 21 Uhr, hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) alle Mitglieder zum Streik aufgerufen – und die S-Bahn strich vorsorglich schon ab 17.30 Uhr Dutzende Zusatzzüge im 10-Minuten-Takt. Das Bahn-Chaos war vorprogrammiert!

Bayerns GDL-Chef Uwe Böhm sprach gegenüber der tz von einem Erfolg des Streiks. 160 Kollegen hätten bayernweit die Arbeit niedergelegt, Schwerpunkte seien die S-Bahnen in München und Nürnberg gewesen. Bayernweit sei bis zu 65 Prozent des Zugverkehrs ausgefallen, die Aktion sei „ein deutliches Signal an den Arbeitgeber“ gewesen. Böhm wies im Übrigen darauf hin, dass Züge ins Allgäu zum Teil ohne Zugbegleiter gefahren seien, was nicht erlaubt sei.

Bereits am Nachmittag hatte die S-Bahn angekündigt, dass ab 17.30 Uhr die zusätzlichen Züge im 10-Minuten-Takt gestrichen würden. Das betraf zwei bis drei Dutzend Abfahrten. Das eingesparte Personal sollte helfen, wenigstens im 20-Minuten-Takt so viele Bahnen wie möglich fahren zu lassen, so ein Bahn-Sprecher zur tz. Die Warnung an alle Passagiere: „Wir empfehlen, geplante Fahrten vor 18 Uhr zu beenden.“

Die Bahn wollte bundesweit mehrere Hundert Mitarbeiter mobilisieren. Der Konzern könne kurzfristig auf verbeamtete Lokführer setzen und auch Verwaltungsbeamte einteilen, die einen Lokführerschein haben, erwartete die GDL.

Bei dem Arbeitskampf geht nicht nur ums Geld: Zwar fordert die GDL fünf Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitszeiten, aber sie liegt auch im Clinch mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Streitfrage: Wer darf die Beschäftigten der Bahn vertreten? Die mit 34 000 Mitgliedern kleine, traditionsreiche GDL, die nach eigenen Angaben 80 Prozent (!) der 20 000 Lokführer sowie viele Zugbegleiter und Rangierer vertritt? Oder die riesige EVG mit 240 000 Mitgliedern – darunter zwar nur 5000 Lokführer, doch 100 000 Bahnbeschäftigte?

Schlimmer Höhepunkt des Streits: Weil die EVG aus zwei Gewerkschaften entstand, polterte Deutschlands GDL-Boss Claus Weselsky: „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus.“ Das traf EVG-Chef Alexander Kirchner persönlich: Er hatte selbst einen Sohn, der behindert zur Welt kam und in der Folge starb. Was halten die Münchner von Streit und Streik? Die tz fragte nach.

Zu kurzfristig!

Felix Alexy (23), ­Sachbearbeiter aus München: "Ich habe erst eine Stunde vor Beginn des Streiks davon erfahren! Ziemlich ärgerlich, da ich nach der Arbeit noch einen Termin hatte, den ich nicht verschieben konnte. Jetzt sitze ich am Hauptbahnhof fest. Generell verstehe ich, dass gestreikt wird, aber diesmal wurde es etwas zu kurzfristig angekündigt und auch die Informationen hier am Bahnhof sind etwas dürftig."

Ständig ist irgendetwas

Barbara Uwagboe (33), Hausfrau, Oberschleißheim: "Ich weiß gar nichts von einem Streik. Jetzt hoffe ich, mit meinem kleinen Sohn Jonathan wieder zu Hause zu sein, bevor es losgeht. Mich trifft der Streik weniger hart als Leute, die arbeiten. Derzeit bin ich in Elternzeit und zeitlich flexibel. Trotzdem bin ich genervt von der Bahn, ständig ist irgendwas."

Verständnis & Ärger

Manuela Braunmüller (21), Studentin aus München: "Kanngut sein, dass der Streik für mich zum Problem wird. Denn meine Pläne für den Abend stehen noch nicht fest. So oder so habe ich Verständnis für die Streikenden. Irgendwie müssen sich die Lokführer wehren. Aber: Den Zoff unter den Gewerkschaften GDL und EVG finde ich nicht gut. Das sollte nicht an den Kunden ausgelassen werden."

Die machen das nicht ohne Grund

Carolin Schulze (21), Krankenschwester aus Hamburg: "Ich fahre gerade vom Urlaub in Innsbruck heim nach Hamburg. Mein Zug geht am Nachmittag, deswegen mache ich mir keine Sorgen wegen des Streiks. Eine frühere Verbindung zu nehmen, stand für mich nicht zur Debatte. Ich verstehe die Streikenden: Die machen das nicht ohne Grund."

D. Costanzo, R. Weise

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