Studium, Frankfurt oder Bremen

tz-Umfrage unter Flüchtlingen: Das sind ihre Pläne

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In der Messestadt sind rund 1100 Notklappbetten aufgestellt worden.

München - Über 1000 Flüchtlinge, die in den letzten 48 Stunden in München ankamen, sind derzeit in der Messe München untergebracht. Die tz hat sich umgehört und nachgefragt, wie es nun weitergeht:

Es sind Bilder, die nachhallen: Erschöpfte Frauen, Männer, die schlafen, und Kinder, die Fußball spielen – alles Flüchtlinge, die in den letzten 48 Stunden in München angekommen sind und nun vor dem Nordeingang der Messe München in Riem auf ihren Weitertransport warten. Drinnen führt Oberbayerns Regierungspräsident Christoph Hillenbrand zu den Hallen C1, C2 und C3, alle rund 10 000 Quadratmeter groß: In C1 und C2 stehen jeweils 1100 grüne und blaue Notklappbetten, in C3 ist die Essensverpflegung untergebracht. „Man könnte noch nachverdichten“, bestätigt Hillenbrand der tz. Er hat die Unterbringung ab Freitag Mitternacht gemeinsam mit Bayerischer Staatskanzlei und Messe München organisiert. Die Hallen stehen bis zum 18. September zur Verfügung.

München statt Frankfurt

Zaimy und seine Frau sowie die Kinder Hatija

Hatija (1) schiebt sich ein Orangenbonbon zwischen ihre kleinen Zähne und drückt ihr Bambi. Das hat sie geschenkt bekommen, als sie mit ihrer Familie und einem Freund Montagfrüh am Hauptbahnhof angekommen ist. Ihr Vater Zaimy war in Kundus in Afghanistan Automechaniker – auch in Deutschland möchte er Autos reparieren. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Die Schwester seiner Frau lebt seit 2008 in Frankfurt, dort wollen sie hin. Doch nach Monaten auf der Flucht haben sie nur noch 50 Euro und müssen sich hier registrieren lassen. Um 12 Uhr, als es beginnt zu regnen, sitzen sie mit ihren gelben Registrierbändern ums Handgelenk auf einer Bierbank und warten auf den Bus, der sie zur Bayernkaserne bringt. „Frankfurt“, sagt Zaimy müde und nimmt die verklebte Süßigkeitenhand von Hatija.

Ich will Deutscher werden

Alan, 24, Kunst-Student aus Kirkuk/Irak

Ich wurde zuhause verfolgt, fühlte mich deswegen nicht mehr sicher. Daher bin ich nach Deutschland gekommen. Hier kenne ich aber noch niemanden, habe hier weder Verwandtschaft noch einen Freund als Anlaufstation. Die Menschen in Deutschland sind sehr nett, ich will selbst gerne Deutscher werden, an eine Rückkehr in den Irak denke ich deshalb nicht.

So freundliche Leute

Nasir, 24, Buchhalter aus Pakistan

Wir sind im Irak bereits über Jahre auf der Flucht gewesen. Außer Alan kenne ich hier niemanden. Ich hoffe auf ein glückliches und sicheres Leben in Deutschland. Die Leute hier sind so freundlich, wir fühlen uns willkommen und sind sehr glücklich, dass wir da sein dürfen. Drei, vier Wochen hat sich unsere Flucht hingezogen, die letzten fünf Tage waren wir nur marschiert. Ich möchte am liebsten ganz hier bleiben.

Bessere Zukunft

Hawraz, 21, Keramikwerkstoff-Student aus Kirkuk/Irak

Ich hoffe auf eine bessere Zukunft in Deutschland und möchte hier leben und arbeiten. Verwandte oder Freunde habe ich hier nicht. Zuhause herrscht viel Gewalt, und ich glaube, dass sich das auch nicht ändern wird. Deswegen will ich nicht zurück.

Ein sicheres Land

Izieube-Oseravegie, 25, Fitnesstrainer aus Nigeria

Deutschland ist ein so schönes, sicheres Land. Ich habe einen Bruder in Bremen. Ob ich aber zu ihm komme, weiß ich noch nicht. In Nigeria herrscht Gewalt, es gibt keine Sicherheit. Ich würde hier gerne als Fitnesstrainer oder in einem anderen Beruf arbeiten.

MPB

Einen Ticker zu Flüchtlingen in München finden Sie hier

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