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Vorsicht, Lebensgefahr!

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Bärlauch darf nicht mit Herbzeitlosen verwechselt werden. © dpa

Der Freisinger (69) hatte keine Chance: Schon kurz nach dem Verzehr der Blätter der Herbstzeitlose, die er für Bärlauch hielt, war sein Ende besiegelt.

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Tod durch eine Giftpflanze – nach dem tragischen Fall fordern nun Experten: „Schluss mit dem Bärlauchsammeln!“ Und das ist nicht alles: Die Bürger sollen sich zudem auch vor den anderen giftigen Pflanzen in Acht nehmen, die überall wachsen.

Das Verwechseln der Herbstzeitlosen mit Bärlauch ist nämlich bei weitem nicht die einzige Vergiftungsgefahr. „Auch der Fingerhut ist beispielsweise ein großes Problem“, erklärt Prof. Thomas Zilker, Chef der Toxikologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar. Der Grund: So mancher Kräutersammler hält das hochgiftige Gewächs (siehe unten) für die Heilpflanze Beinwell. Zilker: „Dadurch kommt es immer wieder zu Patienten, die mit Vergiftungserscheinungen bei uns eingeliefert werden. Erst vor wenigen Wochen mussten wir hier einer Frau helfen. Mit Erfolg.“

Keine Einzelfälle. Egal, ob Tollkirsche, Eibe, Goldregen, Seidelbast oder Maiglöckchen – besonders Kinder greifen bei den Giftpflanzen häufig unbewusst zu. Und ein Blick in den Englischen Garten oder in die Isarauen beweist: Sie wachsen fast überall. Zilker: „Pro Jahr haben wir rund 7000 Anrufe mit Fällen, wo Kinder Giftpflanzen gegessen haben.“ Ein Trost ist: In den meisten Fällen ist die Dosis zu gering, um lebensgefährlich für die Kleinen zu sein. „Eine Tollkirsche oder auch ein paar Kerne des Goldregens führen zwar zu Erbrechen – sind aber noch nicht tödlich.“ Anders sieht es beim Eisenhut aus. Hier können schon wenige Blätter lebensbedrohend sein. „Das ist die gefährlichste Pflanze im Land.“

Die Gefahr durch Giftpflanzen – im Englischen Garten sind derzeit wieder zig Bärlauchsammler unterwegs. Eine Tatsache, die die Chefin des Giftnotrufs München, Gabrijela Gerber, ärgert: „Erst vor rund zehn Jahren wurde das Sammeln dieser Pflanze modern.“ Jetzt habe man pro Jahr rund 10 Vergiftungsfälle. „Besser wäre, die Leute würden einfach keinen Bärlauch sammeln“, meint auch Prof. Zilker. „Das ist sicherer.“

Armin Geier

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