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Wenn Werbebriefe zur Geld-Falle werden

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Franz Xaver S.
Diesen Brief fand Franz Xaver S. (89) in seinem Briefkasten © Westermann

tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser setzt sich für die Leser ein.

Rentner Franz Xaver S. (89) wird in dubiosem Schreiben zu Kaffeefahrt gelockt

Ich habe einen merkwürdigen Brief bekommen. Eine Firma schreibt, dass bei ihr 1568 Euro hinterlegt sind. Angeblich gehört das Geld mir. In dem Brief werde ich aufgefordert, mich für eine Tagesfahrt anzumelden – dort soll ich laut Schreiben das Geld und noch viele weitere Geschenke bekommen. Von der Firma mit Namen Konto-Verwaltungszentrum habe ich noch nie etwas gehört. Soll ich an der Fahrt teilnehmen? Immerhin geht es um viel Geld!

Franz Xaver S. (89), Rentner aus München

Die Masche ist immer die Gleiche: Dubiose Firmen versprechen in ihren Schreiben hohe Geldbeträge – doch am Ende zahlt nur einer drauf: der Verbraucher. „Vor allem ältere Menschen werden häufig Opfer solcher Schreiben“, sagt Markus Saller, Justiziar der Verbraucherzentrale Bayern. Und die Tricks der Gewinnspielabzocker werden immer mieser!

„Typisch ist, dass der Verbraucher immer eine Vorleistung erbringen muss, bevor er den versprochenen Gewinn bekommt“, berichtet Saller. Der Empfänger soll zum Beispiel im Vorfeld eine hohe Bearbeitungsgebühr bezahlen, eine teure Telefonnummer anrufen oder – wie Franz Xaver S. – an einer Kaffeefahrt teilnehmen. Den versprochenen Gewinn kriegt er aber nie zu Gesicht. Der Justiziar rät Franz Xaver S. deshalb: „Nehmen Sie auf keinen Fall an der Fahrt teil. Mit dem Schreiben sollen Sie nur zu der Veranstaltung gelockt werden.“ Dort werde dann von dem versprochenen Geldbetrag auf einmal keine Rede mehr sein: „Sie werden mit fadenscheinigen Ausreden abgewimmelt und vertröstet – zum Beispiel wird Ihnen gesagt, dass Sie bestimmte Unterlagen vergessen haben.“ Auf den Kaffeefahrten wird den Kunden dann überteuerter Schund angedreht: Magnetdecken, Kochtöpfe, Reisen – alles zum Wucherpreis. „Häufig werden die Kunden psychisch so lange unter Druck gesetzt, bis sie kaufen.“

Doch wer steckt hinter den Abzockbriefen? „Oft sind das Scheinfirmen, die nur über eine Postfachadresse zu erreichen sind“, erklärt der Rechtsexperte. Die Schreiben selbst sind professionell aufgemacht, mit behördlich wirkenden Absendern (hier: Konten-Verwaltungszentrum). „Deshalb fallen auch noch immer viele Menschen darauf rein.“

Hat Franz Xaver S. trotzdem eine Möglichkeit, an das Geld zu kommen? Von einer Klage rät Rechtsexperte Saller ab: „Ohne eine genaue Adresse des Absenders ist eine Klage nicht möglich. Ein Postfach reicht nicht aus.“ Zudem müsse der Verbraucher die Gerichts- und Anwaltskosten vorstrecken, was unter Umständen sehr teuer werden könne. Und selbst wenn der Kläger recht bekommt, ist das noch keine Garantie, dass er das Geld bekommt: „Wenn bei der Firma nichts zu holen ist, war alles umsonst. Werfen Sie die verlogenen Briefe am besten in den Papierkorb!“

Christina Schmelzer

Lotterie verspricht Gewinn

tz-Leser sollte 615.810 Euro bekommen

Ich habe ein Schreiben von einer spanischen Lotterie erhalten, die sich Loteria primitiva nennt. Angeblich habe ich bei einer Gewinnausschüttung 615.810 Euro gewonnen. Um an das Geld zu kommen, soll ich eine Bearbeitungsgebühr von fünf Prozent bezahlen. Was soll ich davon halten?

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Wilfried Kowalski (57) mit dem Schreiben © Westermann

Wilfried Kowalski (57), Angestellter aus Kirchheim

Auch Wilfried Kowalski ist Opfer der Gewinnspiel-Abzocker geworden. Die Loteria primitiva, angeblich ein spanisches Lotto-Unternehmen mit Sitz in Madrid, ist bei Verbraucherschützern längst bekannt. Und der Name der dubiosen Firma scheinbar Programm: Auch hier wird ahnungslosen Bürgern mit primitiven Tricks das Geld aus der Tasche gezogen!

Um den angeblichen Gewinn zu bekommen, sollen die Verbraucher nämlich im Voraus eine hohe Bearbeitungsgebühr bezahlen – von dem versprochenen Betrag aber bekommen sie später keinen Cent, in der Firma ist niemand zu erreichen. Außerdem werden die Angeschriebenen gebeten, sensible Daten wie Konto- und Telefonnummer an eine Sicherheitsfirma zu geben. Markus Saller, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Bayern, warnt: „Fallen Sie nicht auf solche Versprechungen herein und geben Sie keine persönlichen Daten preis!“ Eine gutgläubige Rentnerin aus dem Ostallgäu hat 44.000 Euro überwiesen – und das Geld nie wiederbekommen.

Christina Schmelzer

Tipps zum Thema

- Seriöse Unternehmen geben immer ihre vollständige Adresse und Telefonnummer an. Vorsicht ist geboten, wenn nur eine Postfachadresse genannt ist!

- Tun Sie nichts, was von Ihnen verlangt wird. Angebote, bei denen erst eine Vorleistung erbracht werden muss, sind unseriös!

- Gehen Sie vorsichtig mit Ihren persönlichen Daten um und geben Sie nur selten Ihre Adresse und Telefonnummer her. Diese Daten werden häufig weiterverkauft.

- Auf der Homepage der Verbraucherzentrale Hamburg gibt es eine schwarze Liste mit unseriösen Firmen, die Gewinne versprechen und nicht ausgeben (www.vzhh.de).

- Wer sich nicht sicher ist: Mehr Informationen zu diesem Thema erhalten Sie bei der Verbraucherzentrale Bayern, Mozartstr. 9, Telefon 089/539870.

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