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Witwentröster betrügt Opfer um 250.000 Euro

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Kenan T. hat den Schaden nie gutgemacht

Für Gerda S. (68) schien plötzlich wieder die Sonne. Jahrelang hatte sie ihren Mann pflegen müssen, ehe dieser seiner schweren Krankheit erlag.

Nun stand ein wesentlich jüngerer Mann an ihrer Seite, er hörte ihr zu, machte ihr Komplimente. Zu spät merkte die Witwe, dass sie einem gerissenen Betrüger auf den Leim gegangen war, der sie ausnahm wie eine Weihnachtsgans. Da war sie eine Viertelmillion Euro ärmer!

Nach dem Tod ihres Mannes gönnte sich Gerda S. im Sommer 2003 wieder eine Reise. Am Adriastrand in Italien lernte sie Kenan T. (49) kennen. „Es wurde ein sehr netter lustiger Urlaub“, erinnert sie sich. Er erzählte ihr, er besitze in Bayern ein großes Floristik-Unternehmen. Sie habe ihn geliebt: „Es war schön, dass jemand da war, der einen wieder verehrt.“

Schon kurz nach dem Urlaub bettelte er sie um Geld an. Erst wollte er 1000 Euro, weil er gerade seine Mappe vergessen habe. Am nächsten Tag waren es schon 4000 Euro, die er für ein Geschäft in der Türkei benötige. Sie zahlte in der Hoffnung, er gebe ihr das Geld zurück. Doch er forderte immer mehr, mehr, mehr! Der Gigolo erfand immer neue Lügengeschichten. So ging das bis zum Jahr 2006.

Erst musste Gerda S. eine ihrer beiden Eigentumswohnungen verkaufen, dann 30 000 Euro Kredit aufnehmen. Richter Markus Koppenleitner zu der Zeugin: „Wundern Sie sich nicht über sich selber?“ „Ja, schon“, sagt Gerda S. „Aber ich habe lange geglaubt, man müsste nur durchhalten. Es war ja immer von einem Erbe die Rede …“

Erst 2007 schaltete Gerda S. einen Anwalt ein. Nun wurde ihr klar, dass sie einem vorbestraften Betrüger auf den Leim gegangen war. Kenan T. (Verteidiger René-Dirk Hundertmark) legte nach einem „Deal“ ein Geständnis ab. Dafür kam er mit drei Jahren Gefängnis davon.

E. Unfried

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