Olching wehrt sich mit Unterschriften-Aktion

Zuagroaste will Speedway-Bahn wegklagen

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Seit fast 60 Jahren eine feste Institution in Olching: die Speedway-Bahn. Doch kurz vor dem runden Geburtstag droht das Aus

Olching - Fassungslosigkeit in Olching: Seit fast 60 Jahren gehört die Speedway-Anlage zum Gemeindebild – wie Kirche und Rathaus.

Doch jetzt steht die Bahn vor dem Aus: Eine Anwohnerin stört der Lärm. Seit sechs Jahren versucht sie, die Speedway-Rennen zu stoppen. Das Münchner Verwaltungsgericht hat ihrer Klage stattgegeben. Aber nicht wegen des Lärms, sondern weil die Bahn in der Toni-März-Straße einmal verändert wurde und dafür die Baugenehmigung fehlt. Wegen des schwebenden Rechtsstreits hat der Motorsportclub Olching (MSCO) das Rennen am 19. Juli nun abgesagt.

Die Klägerin ist Familienrichterin am Fürstenfeldbrucker Amtsgericht und vor einigen Jahren nach Olching gezogen. Seitdem beschwert sie sich beim MSCO und bei der Gemeinde. „Sie ist gegen alles, gegen Speedway, das Volksfest, Tennis, Fußball“, klagt MSCO-Vorsitzender Ulrich Brehmer. Dabei habe man alles versucht, um sich mit der Dame zu einigen – vergeblich. Sie erschien nicht zum runden Tisch mit Motorsportclub und Bürgermeister, ließ ein Ingenieurbüro nicht ins Haus, das den Lärm in ihrer Wohnung messen wollte.

Offizielle Messungen gibt es nicht. Doch als „alarmierend hoch“ bezeichnet Johannes Mohr von der Kanzlei Labbé & Partner, der die Richterin vertritt, den Lärm. Das bestreiten aber Landratsamt und MSCO. Die Richterin suchte die Achillesferse des MSCO – und fand sie. „Sie hat gut recherchiert“, sagt Brehmer: 1982 wurde die Bahn um zehn Meter verkürzt und eine Drainage eingebaut. „Eine reine, nicht sichtbare Sicherheitsmaßnahme – ein paar Schlitze, durch die das Wasser abläuft.“ Landratsamt und MSCO gingen davon aus, dass hierfür keine Baugenehmigung nötig sei. „Die Anlage wurde rechtmäßig betrieben, und die Veränderungen wirkten sich nicht auf den Lärm aus“, erklärt Tobias Knie, Sprecher des Landratsamts.

Das sieht der Verwaltungsrichter anders:„Juristisch betrachtet, ist das ein Schwarzbau“, sagt Mohr und pocht auf ein Genehmigungsverfahren. „Denn was macht eine Speedway-Bahn aus, wenn nicht die Bahn?“ Die Olchinger kämpfen mit Unterschriften gegen die Klägerin und das Renn-Aus. „Wen der Lärm stört, der soll wegziehen“, schimpft etwa Hiltrud Heines, die auch mal bei der Anlage gewohnt hat. Etwa zehn Tage im Jahr sind Rennen und Training, und um 18 Uhr ist alles vorbei. „Da macht das Volksfest mehr Lärm. Wer so geräuschempfindlich ist, soll in einen einsamen Wald ziehen.“

Die Stilllegung der Anlage wäre für den Landkreis ein herber Verlust – viele Fans reisen wegen des Motorsports nach Olching. Der MSCO wird auch deshalb beim Verwaltungsgerichtshof Berufung einlegen. „Wir haben das Rennen am 19. Juli abgesagt, weil wir keine einstweilige Verfügung riskieren wollen“, sagt Brehmer. Einen Tag zuvor wird es aber einen Jugendtag geben, an dem Sechs- bis Zwölfjährige fahren. „Das riskieren wir.“

Bis zum Oktoberrennen hofft man auf Einigung, zumal sich der ADAC als Mitveranstalter auf die Seite des Clubs stellt und ihm einen Fachanwalt besorgt hat. Auch den Bauantrag will der MSCO nachträglich stellen. Aufgeben kommt für Ulrich Brehmer nicht in Frage. Nächstes Jahr wird der Club 60 Jahre alt. „Wir haben doch nicht 59 Jahre umsonst gearbeitet.“

Ingrid Müller

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