tz-Bürgeranwalt

U-Bahn fährt Fuß ab - Stadtwerke wollen Geld

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Jutta Henke, ihr Sohn Christian Sturm und tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser (rechts).

München - Christian Sturm wurde ohnmächtig, fiel auf U-Bahn Gleise und verlor ein Bein. Jetzt soll er die Kosten für einen unverschuldeten Unfall zahlen.

Das schreiben die Betroffenen an den tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser: "30. August 2013, 8.40 Uhr, U-Bahnstation Goetheplatz: Unser Sohn Christian will zur Arbeit fahren und wird aus unerfindlichen Gründen ohnmächtig. Er fällt auf die Gleise, ein Zug fährt ein und kann nicht mehr bremsen. Die eisernen Räder zerquetschen den Unterschenkel. Zum Glück ist die Feuerwehr schnell vor Ort. Sie holt ihn von den Gleisen und bringt ihn ins Krankenhaus. Inzwischen hat unser Sohn eine hochmoderne Prothese und kann wieder einigermaßen laufen. Aber nun melden sich die Stadtwerke München und fragen nach der Haftpflichtversicherung unseres Sohnes, weil sie Schadenersatzansprüche gegen ihn geltend machen wollen. Unser Sohn hat aber keine Haftpflichtversicherung und wir sehen auch gar nicht ein, warum er schadenersatzpflichtig sein soll. Er ist ja nicht freiwillig auf die Gleise gefallen. Er kann doch nichts dafür. Was sollen wir tun?"

Jutta Henke (65), Rüdiger Henke (70), Rentner, und Sohn Christian Sturm (44), Elektriker

So hilft der tz-Bürgeranwalt: Dem Schreiben liegt die Fotokopie eines Briefes der Stadtwerke München bei, in dem nicht nur „dringend“ nach der Versicherung gefragt wird, sondern auch folgender Satz zu lesen ist, der die geschädigte Familie besonders erbost: „Wir erwarten Ihre Nachricht und bitten zugleich um Ihr Verständnis, dass wir als wirtschaftliches Unternehmen bemüht sind, Schaden von den Stadtwerken München ... abzuwenden ... und daher die entstandenen Kosten in Rechnung stellen müssen.“

„Meinem Sohn ist ohne seine Schuld ein Unfall passiert, er ist für sein Leben gezeichnet und jetzt wird er zur Kasse gebeten“, empört sich Jutta Henke und versteht die Welt nicht mehr.

Das Team des Bürgeranwaltes schaltete die Pressestelle der MVG ein, dort kümmerte sich Matthias Korte um den Fall. Er teilte uns nach einiger Zeit mit, dass die polizeiliche Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen sei, Christian Sturm sei an dem Unfall nicht schuld, „aus diesem Grund werden wir in diesem Einzelfall darauf verzichten, Herrn Sturm Forderungen in Rechnung zu stellen“, so die MVG.

Gleichzeitig bat die Pressestelle aber um Verständnis, dass bei den Tausenden von Unfällen im Jahr auch darauf geachtet werden müsse, dass berechtigte Schadenersatzforderungen geltend gemacht werden.

Stiefvater und Mutter Henke waren überglücklich, als wir ihnen das Ergebnis mitteilten. Und Christian zeigte uns, wie er mit einer titangefederten Prothese schon wieder ganz gut zu Fuß unterwegs ist. Den Umständen entsprechend eben."

tz

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