Die U-Bahn-Offensive: Zwei neue Bahnhöfe

+
Futuristisch und stylish: So strahlt der neue U-Bahnhof am St.-Martins-Platz. Ab 11. Dezember rollen hier die Züge

München - Stadt und MVG drehen bei der U-Bahn auf: München bekommt zwei neue Bahnhöfe, bestellt 21 moderne Züge und rast bald im zwei Minuten-Takt auf neuen Linien. Wir zeigen die U-Bahn-Zukunft.

Lesen Sie dazu:

Neue U-Bahn kostet 550 Millionen Euro

Am Freitag stellten OB Christian Ude und Baureferentin Rosemarie Hingerl erstmals die beiden neuen Stationen vor: Die Stadt verlängert die U3 vom Olympia-Einkaufszentrum bis nach Moosach – in sechs Jahren Bauzeit sind die Röhre und die beiden neuen U-Bahnhöfe am St. Martins-Platz und in Moosach unter der S-Bahn entstanden. Kosten insgesamt: 180 Millionen Euro, 135 Millionen davon tragen Bund und Freistaat.

Impressionen: Die neuen U-Bahnhöfe an der U3

Impressionen: Die neuen U-Bahnhöfe an der U3

OB Ude sprach von einem „triumphalen Ereignis“: Eröffnungen von Bahnhöfen unter der Erde würden in München zu Recht wie Volksfeste gefeiert – ein Seitenhieb auf den Streit um Stuttgart 21. Die Bürger würden sich an diese Jahre einmal als „goldenes Zeitalter“ des Nahverkehrs erinnern. Zu seinem Amtsantritt vor 17 Jahren hatte München 60 U-Bahnhöfe, jetzt kommen die Stationen Nummer 99 und 100 dazu.

Bei aller Zustimmung für Ausbau und Bahnhöfe – eine Änderung sorgt für Protest unter Moosacher Bürgern: Mit der Eröffnung im Untergrund will die MVG überirdisch die Buslinien 50 und 51 kürzen und Haltestellen einsparen. Vor allem ältere Menschen müssten unter längeren Fußmärschen leiden, kritisiert die Aktion Münchner Fahrgäste. Die meisten Bürger dürften sich über die schnellere Anbindung freuen – ab 11. Dezember rasen die ersten Züge bis nach Moosach.

David Costanzo

Zwei neue Bahnhöfe an der U3 in Moosach

Ein Bahnhof wie ein Wald aus Bildern: Der in Japan geborene Münchner Künstler Masayuki Akiyoshi hat die Wände am St.- Martins-Platz gestaltet. Unglaubliche 76 160 Fotos von 11 mal 15 Zentimetern hat er im Lauf eines Jahres in Moosach aufgenommen und zur Installation Forst montiert – zwei Mal 120 Meter lang und fünf Meter hoch! Elf Meter unter der Erde liegt der Bahnsteig, entsprechend hoch und luftig ist die Decke. Dazu erhellt Tageslicht auf 19 Metern Länge den Untergrund. Der Boden aus Naturstein und die 50 Leuchten sollen warm wirken.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

Münchens schönste U-Bahnhöfe

Der Münchner Künstler Martin Fengel hatte sich mit seinem Entwurf für den St. Martins-Platz beworben – Rang 2. Doch das Konzept gefiel der Jury so gut, dass er den U-Bahnhof Moosach gestalten durfte: Blümchen, winzig fotografiert und extrem vergrößert, ranken sich auf 7,60 Meter Höhe! Inspiriration schöpfte Fengel wie schon Akiyoshi vom Moosacher Ortsbild, hier mit seinen vielen Gärtnereien. So lassen beide Künstler den Stadtteil im Untergrund aufleben und schaffen einmalige Bahnhöfe. Technisch ähnelt der U-Bahnhof Moosach dem St.-Martins-Platz (Lampen, Böden).

Im Stadtteilzentrum führen allerdings zwei der vier Ausgänge direkt zur S-Bahn – zum Umsteigen müssen die Moosacher also nicht mehr ins Zentrum fahren oder per Bus anreisen. Auch wenn noch viel Arbeit wartet – Baureferentin Hingerl verspricht zum 11. Dezember: „Wir werden fertig.“

Neue Ticket-Automaten

Automaten aufgestellt. Die ersten stehen schon am Hauptbahnhof, Marienplatz, Sendlinger Tor und in Giesing. Per Fingertipp erhält man in wenigen Schritten die richtige Fahrkarte. Wer schon weiß, was er will, kann über den Button „Schnellwahl“ gleich zu seinem ­Ticket kommen. Wer Informationen braucht, kann sich über das Hauptmenü kundig machen und dann wählen. Zahlen kann man künftig auch per Girocard und Kreditkarte. Natürlich akzeptiert der Automat auch Bares – er muss das Wechselgeld nicht in kiloweise barer Münze auszahlen, sondern kann auch Noten herausgeben.

Linie U7 von Neuperlach bis zum Westfriedhof

Neuer Takt, neue Linien, neue Strecken: Nach der Verlängerung der U3 wird sich in den kommenden Jahren das U-Bahnnetz weiter vergrößern. So soll die neue Verstärkerlinie U7 schon Ende 2011 von Neuperlach Zentrum über Innsbrucker Ring, Sendlinger Tor und Hauptbahnhof bis zum Westfriedhof fahren. Damit würden einzelne Abschnitte von U2 und U5 entlastet. Vor allem Berufspendler und Schüler werden die neue Linie nutzen.

Ab 2014 will die MVG den Takt weiter verdichten: Auf der neuen U7 kommen dann Lang- statt Vollzüge zum Einsatz. Auf der U2 könnte im Zentrum alle 120 Sekunden ein Zug kommen. Im morgendlichen Berufsverkehr sind Verstärkerzüge zwischen Milbertshofen, Hauptbahnhof und Kolumbusplatz vorgesehen. Die brandneuen U-Bahnen könnten allerdings auch auf der U6 fahren und dort zwischen Münchner Freiheit und Harras den Takt verdichten. Welche Linie als zuerst verstärkt wird, entscheidet die MVG im Jahr 2013. Spätestens 2017 sollen dann ohnehin beide Linien – U2 und U6 – verdichtet fahren.

Konkret geplant sind außerdem neue Trassen: Die U6 soll über Großhadern hinaus bis Martinsried fahren – das müssen aber die Gemeinde Planegg und der Freistaat stemmen. Verlängert werden könnten auch die U4 nach Englschalking und die U5 bis Pasing. Ein Wunschtraum der MVG ist aber die U9 von der Implerstraße über den Hauptbahnhof durch einen ganz neuen Tunnel direkt zur Münchner Freiheit.

S-Bahnhof am Harras wird umgebaut

Nachtruhe Ade heißt es seit Freitag für die Anwohner am Harras. Die S-Bahnstation wird ab sofort barrierefrei ausgebaut – und zwar nachts, um den Bahnbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Montags bis freitags ab Mitternacht bis 6 Uhr morgens kann es also laut werden – sehr laut sogar.

„Für den Ausbau nehmen wir Betonabbruch-Arbeiten vor, das geht nicht ohne Lärmbelästigung“, sagt ein Bahnsprecher. Die Anwohner seien verständigt, dass sie sich im kommenden Jahr – denn ein Jahr lang dauern die Arbeiten – auf nächtliche Ruhestörungen einstellen müssten. An den Wochenenden (Freitag 23 Uhr bis Montag 6 Uhr) kommt es außerdem immer wieder zu Sperrungen.

Was genau wird getan? Der Bahnsteig wird auf 220 Meter verlängert, der Belag erneuert, mit Leitlinien für Blinde und Sehbehinderte versehen und durch einen Aufzug auch für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht. Außerdem wird ein neues, längeres Bahnsteigdach errichtet, die gesamte Ausstattung modernisiert und eine neue Beleuchtungs- und Lautsprecheranlage installiert.

Über drei Millionen Euro kostet der Umbau – bereitgestellt vom Freistaat Bayern. Die Anwohner wird die Dauerbaustelle eine Menge nerven kosten. Und bald wird noch mehr Baulärm ihre Geduld belasten: Die Stadt plant ab März weitere Baustellen am Harras. Der Platz soll endlich schöner werden.

S. Herzner

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare