Horror in der U-Bahn: Fahrer sturzbetrunken

München - Mit zwei Promille Alkohol im Blut hat ein U-Bahn-Fahrer am Dienstag zwei Bahnhöfe verpasst und musste am Ende abgelöst werden. Die MVG hat ihm jetzt den Schlüssel abgenommen - und das ist nicht die einzige Konsequenz.

In einem U-Bahn-Zug eingeschlossen zu sein, in dessen Führerstand ein sturzbetrunkener Fahrer steht – diesen Albtraum erlebten am Dienstagnachmittag hunderte Fahrgäste in der U 1. Der Fahrer, der den Zug Richtung Süden um 16.12 Uhr am Hauptbahnhof übernahm, hatte nach Angaben aus Polizeikreisen knapp über 2 Promille Alkohol im Blut. Erst an der Endhaltestelle Mangfallplatz holte ihn ein Verkehrsmeister der MVG aus dem Führerstand.

960 Meter weit kam der betrunkene 46-Jährige nach dem Dienstantritt am Hauptbahnhof, dann gab es den ersten Zwischenfall: Der Zug schoss im Bahnhof Sendlinger Tor über den Haltepunkt hinaus und verschwand zum Teil wieder im Tunnel. Der Fahrer öffnete die Türen deshalb nicht und fuhr weiter. Fahrgäste, die nicht hatten aussteigen können, schimpften, andere erkannten beunruhigt: Da stimmt was nicht!

Auch am nächsten Bahnhof Fraunhoferstraße bremste der Fahrer zu spät. Doch diesmal war nur der Fahrerstand im Tunnel, die Türen gingen auf.

Während sich erste Fahrgäste beim Fahrer des folgenden Zuges und per Handy beim MVG-Kundenzentrum beschwerten, rauschte die U 1 mit dem berauschten Fahrer am St.-Quirin-Platz über ein rotes Signal. Nun griffen die Sicherheitssysteme der U-Bahn: Zwangsbremsung des Zuges, Alarm in der Betriebszentrale. Der Fahrer durfte den Zug nur noch bis zum nächsten Bahnhof Mangfallplatz fahren, dort wurde er abgelöst.

Dem Verkehrsmeister, der den Betrunkenen aus dem Führerstand holte, fiel laut Polizei auf, was dem Fahrer-Kollegen bei der Übergabe am Hauptbahnhof gut zehn Minuten vorher wohl entgangen war: Der Mann roch stark nach Alkohol, hatte glasige Augen und einen unsicheren Gang. Gemäß den internen Dienstvorschriften informierte der Verkehrsmeister die Polizei. Die brachte den 46-Jährigen zur Blutentnahme.

„Der Vorfall ist vollkommen inakzeptabel und hatte deswegen auch sofortige Konsequenzen“, ließ MVG-Betriebsleiter Michael Richarz gestern in einer schriftlichen Mitteilung wissen. Man habe dem Fahrer noch am gleichen Tag „die Fahrerlaubnis entzogen und ihm den Fahrschlüssel abgenommen“. Weil im MVG-Betriebsdienst eine strikte Null-Promille-Grenze gilt, kämen nun „schärfste arbeitsrechtliche Konsequenzen“ auf den Fahrer zu. Die betroffenen Fahrgäste, so Richarz, „bitten wir in aller Form um Entschuldigung“.

Etwa 1300 Fahrer sind bei der MVG angestellt. Doch Verstöße gegen das absolute Alkoholverbot seien „sehr selten“, sagte Sprecherin Bettina Hess gestern auf Anfrage. „Der jetzige Fall ist nach unserer Erinnerung bisher einzigartig.“

Dass der betrunkene Fahrer überhaupt so weit kam, liegt daran, dass die Signale an den Bahnsteigen Sendlinger Tor und Fraunhoferstraße bereits auf Grün standen, als er einfuhr. Denn Rotlichtverstöße lösen bei der U-Bahn immer eine Zwangsbremsung aus – mit erheblichen Folgen für den Fahrer: Er erhält laut Hess einen Eintrag in die Personalunterlagen und wird zu einem „klärenden Gespräch“ gebeten. Im Wiederholungsfall drohen weitere Konsequenzen.

Die Polizei wird gegen den 46-Jährigen Anzeige wegen Trunkenheit im Verkehr erstatten. Sollte der Mann schon einmal wegen Alkoholdelikten aufgefallen sein, werde man den Fall an die Führerscheinstelle weiterleiten, hieß es gestern. Die Trunkenheitsfahrt auf Schienen könnte den Mann dann sogar noch den Autoführerschein kosten.

Peter T. Schmid

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