U-Bahn-Schläger prügeln auf Studenten ein

München - Scheinbar völlig grundlos griffen zwei Frankfurter in der U-Bahnstation des Hauptbahnhofs einen Münchner Studenten an. Couragierte Passanten und ein Auszubildender der Bahn verhinderten Schlimmeres.

Dieses Mal also am Hauptbahnhof. Innerhalb weniger Wochen sind mehrfach Fahrgäste in der Münchner U-Bahn zusammengeschlagen worden. Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es bereits am frühen Sonntagmorgen zu einer erneuten Attacke.

Es ist kurz vor sieben, ein 20-jähriger Student aus München wartet am Hauptbahnhof auf seine U-Bahn der Linie 2 Richtung Feldmoching. Auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig stehen ebenfalls zwei junge Männer, aber sie warten offensichtlich auf etwas anderes.

Wo denn die Züge nach Frankfurt abfahren?, rufen der 21-jährige Portugiese und der 18-jährige Kongolese dem Studenten über die Gleise hinweg zu. Da seien sie falsch, antwortet er, sie müssten wieder nach oben zu den Fernzügen. Ruhig und bereitwillig habe er geantwortet, werden Zeugen später sagen.

Für die beiden Frankfurter ist es die falsche Antwort. Vielleicht auch der falsche Ton oder der falsche Blick. Sie klettern über die Gleisanlagen und stürzen sich auf den Studenten. Mit Fäusten schlagen sie auf ihn ein. Dass ihm nichts Schlimmeres passiert als eine blutende Wunde über dem Auge und Prellungen im Gesicht hat er dem couragierten Eingreifen mehrerer Passanten und eines Bahnangestellten zu verdanken. Sie helfen ihm in die nächste U-Bahn, wohin ihm jedoch einer der mutmaßlichen Täter folgt und einen letzten Faustschlag verpasst.

Die Polizei nimmt die beiden Schläger fest. Weil aber beide einen festen Wohnsitz in Frankfurt haben, werden sie bereits wieder entlassen. Nach der Attacke eines 18-jährigen Schülers in der Berliner U-Bahn am Ostersamstag war eine bundesweite Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern entbrannt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte: „Wer brutale Gewalt ausübt, muss in Haft.“ Die Strafe müsse unmittelbar erfolgen und der Täter „die Härte des Gesetzes sofort spüren“.

Die Bundesregierung will einen „Warnschussarrest“ einführen. Wenn eine Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, sollen Richter zusätzlich einen Arrest anordnen können – sofern der Täter schon eine Akte bei der Polizei hat.

Katharina Fuhrin

Rubriklistenbild: © dpa

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